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Duell um die Zukunft

Fußball-Bundesliga: FC Bayern - Borussia Dortmund

Der sogenannte deutsche Clásico wird diesmal weniger durch die sportliche Rivalität aufgeladen, als durch die Trainersuche, bei der sich der FC Bayern und der BVB mit Leipzigs Ralph Hasenhüttl beschäftigen.

Bayern-Trainer Jupp Heynckes
Bayern-Trainer Jupp Heynckes

Es ist noch gar nicht lange her, dass das Kräftemessen zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund halten konnte, was sich das Publikum von diesem erhoffte. Nicht einmal ein Jahr liegt jenes Pokal-Halbfinale zurück, in dem der BVB seinen etwas verblassten Ruf als echter Herausforderer des deutschen Branchenführers aus München mal wieder unterfüttern konnte.

18 Punkte Vorsprung

Am 26. April 2017 war das, als die Zuschauer ein wogendes Spektakel erlebten, in dem die Dortmunder durch Marco Reus in Führung gingen, die Bayern das Spiel durch Javier Martínez und Mats Hummels drehten, ehe Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembélé für die nächste Volte zugunsten der Borussia sorgten. Dass die Bayern das Spiel bestimmt und die Vorentscheidung bei zahlreichen Chancen verpasst hatten, schmälerte den Eindruck nur bedingt, wonach der BVB mal wieder in der Lage war, die Münchner zu überlisten. Sogar in deren Arena. Er habe in der Nacht danach „keine Minute geschlafen“, berichtete Bayern Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge damals.

An diesem Samstagabend (Anstoß: 18.30 Uhr) treffen der Meister und der Pokalsieger in der Bundesliga an selber Stelle erneut aufeinander. Doch gefühlt wirken beide Vereine so weit voneinander entfernt wie selten zuvor in der jüngeren Vergangenheit. 18 Punkte beträgt der Vorsprung der Bayern auf die Dortmunder. Bei einem Sieg wäre die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes auch rechnerisch und zum sechsten Mal in Serie Meister, wenn Schalke zuvor gegen Freiburg nicht gewinnen sollte. Und das, obwohl der BVB die Tabelle am siebten Spieltag noch mit fünf Punkten Vorsprung auf die Münchner anführte. Dann kehrte Heynckes aus dem Ruhestand zurück und ließ den BVB bald weit im Rückspiegel zurück.

Kontrahenten bei der Trainersuche

Es fügt sich ins Bild, dass Borussias Torschützen und Hauptdarsteller des zurückliegenden Pokal-Halbfinals inzwischen wie eine verblasste Erinnerung wirken. Dembélé streikte sich zum FC Barcelona, Aubameyang forcierte ein halbes Jahr später im Winter seinen Wechsel zum FC Arsenal, und Reus ist mal wieder angeschlagen. In Europa und im Pokal sind die Dortmunder bereits ausgeschieden, für sie geht es nur noch um die Qualifikation für die Champions League. Die Bayern dagegen schicken sich an, Heynckes den Abschied am Saisonende wie 2013 mit dem Triple zu versüßen. Der Gewinn des Meistertitels ist ohnehin nur noch eine Frage der Zeit.

Auch deshalb wird der sogenannte deutsche Clásico diesmal weniger durch die sportliche Rivalität aufgeladen, sondern durch die Trainersuche. Zumindest in dieser Hinsicht kommen beide Vereine gerade als echte Kontrahenten daher, zumal sie sich mit RB Leipzigs Ralph Hasenhüttl jeweils ernsthaft beschäftigen sollen. Der Österreicher wiegelte zwar gerade ab, er beteilige sich nicht an Spekulationen und könne sich eine Verlängerung seines 2019 auslaufenden Vertrages „durchaus vorstellen“. Doch sollten die bisherigen Gedankenspiele mit Hasenhüttl bei beiden Vereinen in konkrete Gespräche münden, würde auch Leipzigs Trainer neu nachdenken. Bayerns Präsident Uli Hoeneß hatte den 50-Jährigen schon Ende 2016 in den Fokus gerückt. Hasenhüttl sei „einer von drei Kandidaten, über die man nachdenken muss, wenn wir irgendwann einmal einen deutschsprachigen Trainer suchen sollten“, sagte Hoeneß damals. Genau dieses Anforderungsprofil hatten die Bayern zuletzt immer genannt. Thomas Tuchel, Rummenigges Topkandidat, sagte jüngst ab.   

Stögers Abschied wahrscheinlich

Das Topspiel der Bundesliga bezieht seinen Reiz diesmal so gesehen vor allem aus dem Duell um die Zukunft in der Coachingzone, zumal auch der Abschied von Dortmunds Peter Stögers zum Saisonende als wahrscheinlich gilt. Sportlich geht es für ihn nur noch darum, seinen Mindestauftrag zu erfüllen, die Champions League zu erreichen. Ein Sieg in München wäre dafür sehr hilfreich. Tabellarisch und gefühlt bliebe der BVB dennoch weit hinter dem FC Bayern zurück.

Das brachte indirekt auch Münchens Arjen Robben zum Ausdruck, Hauptdarsteller in vielen Vergleichen mit dem BVB. Ganz besonders in jenem, in dem sich beide um den wichtigsten Titel im Vereinsfußballs gegenüberstanden: Im Finale der Champions League 2013, das Robben mit seinem 2:1 entschied. Und jetzt? „Ich liebe die großen Spiele, und in der Vergangenheit waren es gegen den BVB immer große Spiele“, sagte der 34 Jahre alte Niederländer. Zumindest in der Vergangenheit.

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