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Fernduell mit Psycho-Krimi-Charakter

Letzter Spieltag in der Fußball-Bundesliga

Die Titelentscheidung in der Bundesliga zwischen dem FC Bayern und dem BVB wird vor allem für die Münchner und den angezählten Trainer Kovac zur Nervenprobe. In der ungewohnten Drucksituation liegt die kleine Chance des Konkurrenten aus Dortmund.

Niko Kovac und Lucien Favre vor der Meisterschale
Niko Kovac und Lucien Favre vor der Meisterschale
Quelle: imago
Das ist keine mathematische Kalkulation. Da geht es auch um Dynamiken.
Michael Zorc

Den Psycho-Krimi eröffnete Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke direkt nach dem vorletzten Spieltag, als aus vier Punkten Vorsprung des FC Bayern zwei wurden. Die Münchner könnten am letzten Spieltag „alles verlieren und wir alles gewinnen“, ließ er wissen. In dieser Woche sagte Watzke: „Meine Hoffnung wird jeden Tag größer.“ Er sei darüber „selbst ganz verwundert, weil ich eigentlich ein Skeptiker bin“. Doch diesmal habe er das „unerklärliche Gefühl, dass wir vor großen Dingen stehen“. Sportdirektor Michael Zorc ergänzte: „Das ist keine mathematische Kalkulation. Da geht es auch um Dynamiken. Wenn wir in Führung gehen würden, könnte das etwas auslösen.“

Eigentlich spricht alles für den FC Bayern

Nüchtern betrachtet gehört schon sehr viel Fantasie dazu, dass die Münchner an diesem Samstag ihre siebte Meisterschaft in Serie noch verspielen. Die Mannschaft von Trainer Niko Kovac hat zwei Punkte und 17 Tore Vorsprung auf den Tabellenzweiten BVB, der bei Borussia Mönchengladbach antritt. Ein Unentschieden im Spiel gegen Eintracht Frankfurt genügt dem Titelverteidiger also schon für den nächsten Gewinn der Schale und für den ersten von Kovac als Trainer.

Kovac wäre damit nach Franz Beckenbauer der zweite Münchner, der sowohl als Spieler als auch als Chefcoach deutscher Meister geworden ist. Dafür reichen acht der neun möglichen Konstellationen in diesen beiden Spielen des Fernduells. Nur wenn die Bayern gegen Frankfurt verlieren und Dortmund in Gladbach gewinnt, dürfen sie beim BVB ihren neunten deutschen Meistertitel feiern.

Fußball hat seine eigenen Regeln

Beim FC Bayern geben sie sich natürlich selbstgewiss. Zumal Frankfurt zuletzt den zehrenden Europa-League-Schlachten Tribut zollen musste. Und zumal die Bayern nur 1971 am letzten Spieltag noch abgefangen wurden. „Ich werde sechs oder sieben Tage wunderbar schlafen, weil ich weiß: Wenn die Mannschaft so spielt wie heute, so kämpft, sich so reinhaut, dann sind wir am Samstag deutscher Meister“, sagte Präsident Uli Hoeneß nach dem jüngsten 0:0 bei RB Leipzig.

Das Problem dabei ist allerdings: Die Psychologie und der Fußball halten sich oft nicht an die Wahrscheinlichkeitslehre. Vor allem für die vom Erfolg verwöhnten und zu diesem verpflichteten Bayern wird das Fernduell mit dem BVB deshalb zur Nervenprobe. Es geht diesmal um die Kopf-Salatschüssel, wenn man so will. Für die Münchner ist das eine sehr ungewohnte Ausgangslage – in der die kleine Chance der Dortmunder liegt. Beim BVB setzen sie genau auf diese Komponente. Und auch auf die Frankfurter, die noch um die erneute Teilnahme am Europapokal kämpfen.

Debatte um Kovac schwächt den FCB

Bei den Bayern ist derweil mächtig Druck auf dem Kessel. Nicht nur wegen der Dauerdebatte um den angezählten und damit geschwächten Trainer Kovac, dessen Aus laut Spox und Goal angeblich schon beschlossen ist und der demnach durch den ehemaligen Münchner Mark van Bommel, derzeit PSV Eindhovens Trainer, ersetzt werden soll. Den Titel zu verspielen, wäre zudem gewissermaßen die GAB, die größte anzunehmende Blamage. Und ein Drama wie 1999, als die Münchner durch zwei Gegentore in der Nachspielzeit das Finale der Champions League gegen Manchester United und gegen alle Wahrscheinlichkeiten 1:2 verloren. Oder wie 2012 im Finale „dahoam“ der Champions League gegen den FC Chelsea. Oder wie im Pokalfinale 2018 gegen Frankfurt, als Kovac noch die Eintracht coachte und gegen den FC Bayern 3:1 triumphierte.

Nun könnten „seine“ Frankfurter ihm und den Münchnern erneut einen Strich durchs angepeilte Double machen, mit ähnlich erstaunlichen Großtaten als Außenseiter wie zuletzt in Europa. Wahrscheinlich ist das zwar nicht. Aber die Bayern wissen aus eigener Erfahrung, dass die Psyche zuweilen viel Einfluss nimmt. Wie bei ihrem Titelgewinn 2000, nachdem die Münchner nach drei Punkten Rückstand am letzten Spieltag noch Platz eins erklommen, weil der bisherige Tabellenführer Leverkusen in Unterhaching verlor. Ein gutes Omen? Und wenn ja, für München oder Dortmund?

Der Spieltag im Liveticker

Sa, 22.05.2021
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