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Führung auf Abruf

Bundesliga: 24. Spieltag, Bremen - HSV

Im Nordderby bei Werder kann der HSV noch einmal Hoffnung für den Abstiegskampf schöpfen. Die dafür nötige Geschlossenheit wird aber durch den Führungswechsel auf dem Präsidentenstuhl nicht einfacher. Vorstandsvorsitzender Herbert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt sind angeschlagen.

Heribert Bruchhagen (li.) und Jens Todt
Heribert Bruchhagen (li.) und Jens Todt
Quelle: imago

Bernd Hoffmann und Klaus Dieter Fischer kamen beide 2003 ins Präsidentenamt, der eine beim HSV, der andere bei Werder Bremen.  Etwa zwanzig Nordderbys erlebten sie gemeinsam - inclusive jener vier Duelle in neunzehn Tagen, die 2009 Fußball-Deutschland in Atem hielten. Immer waren sie bemüht, die Brisanz dieser Spiele nicht zusätzlich anzuheizen.

Falsche Wortwahl eingeräumt

Vor dem 108. Nordderby nun bezeichnete Fischer, mittlerweile Ehrenpräsident seines Klubs, Hoffmann in einer Kolumne für den Weser-Kurier als „Hamburgs Donald Trump“. Er spielte damit auf das Schlusswort von Bernd Hoffmann bei dessen Bewerbungsrede um die erneute Wahl zum HSV-Präsidenten am letzten Sonntag an.

„Schon nächsten Sonnabend kommen wir mit 4000 oder 5000 Anhängern zu Werder Bremen, und dann werden wir dort mal so richtig aufmischen!“ hatte Hoffmann in die Menge gerufen damit möglicherweise die knappe Mehrheit von 25 Stimmen erreicht. Nach der Wahl räumte er ein, dass „aufmischen“ die falsche Wortwahl gewesen sei.

Emotionale Entscheidung

Tatsache bleibt jedoch, dass beim HSV ein kurzer emotionaler Moment genügte, um eine richtungsweisende Entscheidung zu beeinflussen. Ein Moment, der im deutlichen Kontrast zur monatelangen Überzeugungskampagne stand, die 2014 die Ausgliederung des Profifußballs in eine AG eine 87prozentige Zustimmung einbrachte.  Ein Kontrast der zeigt, dass der Klub in den letzten vier Jahren nicht geschlossener, sondern zerrissener und noch konzept- und führungsloser geworden ist.

Die Wahl zwischen dem amtierenden Vereinspräsidenten Jens Meier und Hoffmann war nicht nur die zwischen Ruhepol und Wirbelwind, sondern zwischen zwei unterschiedlichen Führungsstilen.  Hanseat Meier hatte immer die Bedeutung von Kontinuität betont und gemeinsam mit AG-Vorstand Bruchhagen einen Kurs der langsamen Konsolidierung für den mit über 100 Millionen Euro verschuldeten Profibereich eingeleitet, der die Abhängigkeit von Hauptinvestor Klaus-Michael Kühne zurückfahren sollte.

Statistik zum Nordderby

Macher mit Machtinstinkt

Der gebürtige Leverkusener Hoffmann ist dagegen aus seiner ersten Amtszeit noch als zupackender Macher mit ausgeprägtem Machtinstinkt in Erinnerung. Nun will er „alles auf den Prüfstand stellen.“ Er hat zwar nur einen Sitz im sechsköpfigen Aufsichtsrat – diesen will Hoffmann aber anders wahrnehmen als sein Vorgänger. „Der Präsident des e.V. repräsentiert 76 Prozent der Anteile an der HSV Fußball AG“, sagte Hoffmann schon vor seiner Wahl. „Platt gesagt: Dem HSV e.V. gehört die Fußball AG. Deshalb sollte sich der Präsident auch mit lauter Stimme melden. Da sehe ich eine deutlich mehr gestaltende Rolle als in den letzten Jahren.“

Kritik am Führungspersonal

Falls seine erst kürzlich gewählten – und noch von Meier vorgeschlagenen –  Aufsichtsratskollegen ihm diese Rolle zugestehen, wird es aller Voraussicht nach spätestens im Sommer zu personellen Veränderungen in der Führungsetage der Profifußballer kommen. "Wir brauchen jetzt einen ganzen starken Sport-Vorstand", sagt Hoffmann und stellt damit unmissverständlich Sportdirektor Jens Todt in Frage, der keinen Sitz im Vorstand hat und für die wieder einmal verunglückte Kaderplanung verantwortlich gemacht wird.

Hoffmanns Aussagen, dass „wichtige Positionen im Klub nicht bestmöglich besetzt sind", setzt auch den Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhaben trotz vor kurzem erfolgter Vertragsverlängerung weiter unter Druck.  Investor Kühne, der sich laut Hoffmann „nicht ausreichend berücksichtigt gefühlt habe“, will Hofmann dagegen stärker in die Kommunikation einbinden.  „Aber mit klaren Spielregeln und roten Linien, die beide Seiten nicht überschritten dürfen."

Abstieg kein Weltuntergang

Die große Frage wird sein, ob sich unter diesen unklaren Vorzeichen die für einen erfolgreichen Abstiegskampf nötige Geschlossenheit erzeugen lässt – zumal auch das Verhältnis zu den Fans nach dem versuchten Platzsturm einer kleinen Gruppe nach dem letzten Heimspiel und zurückgehenden Zuschauerzahlen getrübt ist. Die vorerst geplatzten Vertragsverhandlungen mit den Führungsspielern Dennis Diekmeier und Gotoku Sakai deuten ebenfalls nicht in Richtung Geschlossenheit.

So waren auch von Hoffmann an einer Stelle leise Töne zu hören. "Wir sind ein Klub, der schon viele Krisen überstanden hat“, sagte er. „Selbst, wenn wir eine Runde in der 2. Liga drehen sollten, geht die Welt nicht unter."  

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