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Zwischenprüfung für Favres Azubis

Der Bundesliga-Klassiker BVB - Bayern

Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund zeigt ausgerechnet vorm Gipfeltreffen gegen den FC Bayern (Samstag, 18.30 Uhr) eine Delle in der steilen Lernkurve. Doch nicht einmal der Trainer ist beunruhigt.

Abdou Diallo, Lukas Piszczek, Aksel Witsel (verdeckt), Paco Alcacer, Dan-Axel Zagadou, Jadon Malik Sancho und Manuel Akanji (von links)
Abdou Diallo, Lukas Piszczek, Aksel Witsel (verdeckt), Paco Alcacer, Dan-Axel Zagadou, Jadon Malik Sancho und Manuel Akanji (von links) Quelle: imago

Der Auftritt vor den Medien ist nicht so Lucien Favres Ding. Vermutlich sind Pressekonferenzen für den Schweizer ähnlich reizvoll wie Zahnarzt-Termine. Doch vor dem Topspiel gegen Rekordmeister Bayern München entwickelt selbst Borussia Dortmunds schüchterner Trainer Freude am öffentlichen Diskurs.

Im Entwicklungsprozess

Vielleicht, weil er aktuell als Pädagoge so gefragt ist. "Ob wir gewinnen oder verlieren - wir lernen immer etwas", sagt der leidenschaftliche Fußball-Lehrer beinahe freudig und lässt durchklingen, dass sein Team gerade in einem wichtigen Entwicklungsprozess steckt.

Vier Tage nach der Champions-League-Niederlage bei Atletico Madrid will der BVB beweisen, dass die erste Niederlage im 16. Saisonspiel nur ein Dämpfer war, kein Rückschlag. Ein Resultat, das die Sinne schärft und die Mannschaft letztlich sogar weiterbringt. Favres schlichter Lehrplan für das 99. Bundesliga-Duell mit den Münchnern, ganz unabhängig vom Ergebnis: "Clever angreifen und konzentriert verteidigen."

Spielphilosophie erkennbar

Viele wichtige Lernziele hat Dortmund ohnehin schon erfüllt: Es ist wieder eine Spielphilosophie erkennbar, die schwache Vorsaison ist vergessen, die Fans sind versöhnt. Mit einem Heimsieg ginge der BVB mit sieben Punkten Vorsprung auf die Bayern ins zweite Saisondrittel.

Selbst bei einer Niederlage bliebe Schwarz-Gelb Spitzenreiter. Dazu steht Borussia in der dritten Pokalrunde und liegt in der Champions League auf Kurs. Dass Glücksmomente dazugehörten, in Brügge und Hoffenheim oder zu Hause gegen Augsburg und Union Berlin, wird kein BVB-Fan bestreiten. Dass Favres Azubis schon etliche Ausbildungsmonate übersprungen haben, ist aber genauso offensichtlich.

Reus blüht auf

Vermutlich wird Dortmund nicht die geplanten zwei Jahre für den Umbruch brauchen. Die Gründe für den raschen Aufschwung sind vielfältig, im Zentrum aber steht der neue Trainer:

Der ins Detail verliebte Favre hat eine klare Idee vom Offensivfußball. "Die Mannschaft vertraut und folgt ihm komplett", sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

Mit 30 Treffern stellt der BVB den stärksten Angriff der Liga, insgesamt stehen 43 Tore zu Buche. Marco Reus, schon in Gladbach Favres Zögling, blüht als Kapitän weiter auf. Selbst die Sorgenkinder Raphael Guerreiro oder Mario Götze scheint der Coach zu stabilisieren.

Favre fördert die Jugend. Davon profitiert ein  Tempodribbler wie Jadon Sancho. Der erst 18 Jahre alte Jung-Nationalspieler aus England kommt schon auf 13 Scorerpunkte. So einen hätten nun selbst die Bayern gerne.

Hinten dicht

Grundlage für Favre-Fußball ist aber die kompakte Defensive, auch da zeigt der BVB im Vergleich zur Wackel-Saison 17/18 Fortschritte. Die ersten drei Spiele in der Champions League überstand der BVB ohne Gegentor. In der Bundesliga kassierte nur Leipzig weniger Tore.

Keeper Roman Bürki spielt eine tolle Saison. Auch die Viererkette steht sicherer. In Manuel Akanji, Abdou Diallo sowie Comeback-Kid Dan-Axel Zagadou hat der BVB gleich drei junge Innenverteidiger mit viel Potenzial. Und in die Flankenläufe von Real Madrids Leihgabe Achraf Hakimi ist die gesamte schwarz-gelbe Gemeinde verliebt.

Königstransfer

"Wir haben die eine oder andere richtige Entscheidung getroffen", sagt Zorc. Der-Sportdirektor darf sich beim Kader-Design für die gute Mischung aus Routiniers und Jungstars gratulieren. Und dafür, Belgiens WM-Helden Axel Witsel aus Chinas Operettenliga befreit zu haben. "Bester Transfer der Welt", lobte Belgiens Nationaltrainer Roberto Martinez überschwänglich.

Auch bei der Besetzung des Sturms hatte Zorc ein gutes Händchen: Paco Alcacers Startbilanz mit acht Toren in 369 Spielminuten ist unvergleichlich. Dass der Spanier jüngst blass blieb, ängstigt keinen beim BVB. "Es fehlte die Bindung ans Spiel und die richtige Bewegung. Aber das kommt schnell wieder", sagte Favre.

Trotzdem gibt es noch genug Lektionen zu meistern. Das Spiel bei Atletico zeigte Defizite auf: Der BVB ist anfällig für hohes Pressing. Es fehlt ein Plan B, wenn die Schaltzentrale nervige Bewacher bekommt. Dann werden hohe Ballbesitzquoten zum unnützen Selbstzweck.

Auch der zweite Anzug sitzt nicht. Die enorme Kader-Qualität drückt sich zwar in zahlreichen Jokertoren aus. Die umfangreiche Startelf-Rotation funktioniert aber eher mäßig. Besonders in der von Verletzungen geplagten Abwehr, in der zuletzt einige Akteure ihren Rhythmus suchten. Wenn Münchens Lewandowski und Co. im früheren Westfalenstadion mal ihre alte Offensivpower entfachen, könnte es für Favres Azubis eine lehrreiche Zwischenprüfung werden.

Statistiken zum Spitzenspiel

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