Dominik Kaiser: Abschied auf Raten

Bundesliga: Leipzig - Schalke

Wie kein Zweiter steht Dominik Kaiser für das rasante Ligahopping von RB Leipzig. Der Rekordspieler hat von der Regionalliga bis in die Champions League alle Levels durchlaufen. Doch nun ist die Identifikationsfigur ein Auslaufmodell.

Dominik Kaiser
Dominik Kaiser Quelle: imago

Wenn RB Leipzig am Samstagabend zum Rückrundenauftakt den FC Schalke 04 empfängt (18.30 Uhr), wird Dominik Kaiser wohl zunächst dick eingepackt auf der Bank Platz nehmen. So wie in den meisten Spielen in dieser Saison. Doch sollte der 29-Jährige in der Schlussphase eingewechselt werden, werden die Fans wieder seinen Namen skandieren und seine Aktionen mit Raunen und Szenenapplaus begleiten.

Dominik Kaiser gehört gewiss nicht zu den Auffälligsten im Bundesligazirkus. Doch bei RB Leipzig, steht er ikonographisch für all das, was der Klub in seiner kurzen Historie erreicht hat. In 167 Spielen hat der gebürtige Schwabe das Trikot von Rasenballsport getragen. Als hierzulande einziger Fußballer hat er es mit ein- und demselben Klub von der Regionalliga bis in die Champions League geschafft – eine märchenhafte Karriere.

Emotionale Einwechslung

Als Kaiser gegen Besiktas Istanbul eingewechselt wurde und 16 Minuten in der Champions League auflaufen durfte, vergaßen die meisten im Stadion für einen Moment das bittere Ausscheiden in der Gruppenphase. „Ich weiß, dass die Fans sich freuen, wenn ich auflaufe und mir das gönnen”, sagt Kaiser. „Gerade die Einwechslung in der Champions League war ein besonderer Höhepunkt, etwas sehr Emotionales.”

Der Werdegang des bodenständigen Spielers ist auch deswegen so bemerkenswert, weil er anders als die meisten Profis kein Internats-, sondern ein Bolzplatzfußballer ist. Seinen langen Marsch durch die Ligen startete der Mittelfeldregisseur bei Oberligist Normannia Gmünd – gehobenes Amateurniveau. „Der Weg, den ich gegangen bin, ist kein selbstverständlicher und in Zukunft vermutlich der immer schwierigere”, weiß Kaiser. „Die Jungs werden in den Leistungszentren so früh und so gut ausgebildet, dass es für andere Spieler, die den Umweg über untere Ligen machen, immer schwieriger wird, im Profifußball Fuß zu fassen.”

Unbekümmerter Aufbau

Doch für Kaiser war der zielstrebige, aber dennoch behutsame Aufbau – Level für Level – genau das Richtige. „Ich habe mir nie den Druck gemacht, dass ich unbedingt Fußballprofi werden muss”, berichtet er. „Erst später mit dem Schritt nach Hoffenheim habe ich mir selbst gesagt: Okay, diese Chance will ich jetzt richtig anpacken.” In der Hoffenheimer U23 unter Trainer Markus Gisdol machte er fußballerisch den größten Schritt. Mit dem Neustart bei RB Leipzig in der vierten Liga 2012 unter seinem Förderer Alexander Zorniger reifte er als Persönlichkeit auf und abseits des Platzes.

Fünfeinhalb Jahre später ist der 1,71-Meter-Mann neben Reservekeeper Fabio Coltorti der einzige von damals, der immer noch dabei ist. „Profifußball ist eine Ellenbogengesellschaft, und natürlich wird der Konkurrenzkampf immer größer, je weiter oben man sich bewegt”, sagt Kaiser. „Man muss vom Kopf her sehr stabil sein und darf sich nicht so einfach von seinem Weg abbringen lassen. Dafür braucht es das Zutrauen, sich auch auf der nächsten Ebene wieder durchzusetzen.”

Stellenwert hat abgenommen

Dieses Zutrauen hat Dominik Kaiser noch immer, doch unter Trainer Ralph Hasenhüttl nahmen erst seine Einsatzzeiten ab, dann sein Stellenwert im Team. In der Hinrunde stand der Musterprofi lediglich 192 Minuten auf dem Platz. „Ich traue mir zu, dass ich dieser qualitativ sehr hochwertigen Mannschaft mit meinen persönlichen Stärken immer noch weiterhelfen kann. Das hätte ich in der Hinrunde gern öfter gezeigt”, sagt er diplomatisch. In den meist kurzen Einsätzen hinterließ der gute Standardschütze und Vorbereiter einen stabilen, wenn auch nicht zwingenden Eindruck.

Auf seiner Abschiedstournee hat er sich nun vorgenommen, „bis zum Sommer voll durchziehen”. Für die Zeit danach hat Kaiser zum ersten Mal in seiner Profikarriere noch keinen Plan. Eine Rückkehr zu seinen Ex-Trainern Gisdol (HSV) oder Zorniger (Bröndby Kopenhagen) kann sich Kaiser ebenso vorstellen wie ein Engagement in England oder in der Major League Soccer bei New York. „Ich bin auch selbst gespannt, wie sich das entwickelt”, sagt er lächelnd. Seinen Rekord – von der Regionalliga bis in die Champions League – kann ihm eh keiner mehr nehmen.

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