Nordderby der grauen Mäuse

Hamburg gegen Werder - die Vorzeichen haben sich geändert

Noch vor ein paar Jahren begeisterten Nordderbys auch zahlreiche Fußballfans südlich der Weser. Seit fünf Jahren finden Begegnungen zwischen dem HSV und Werder Bremen meist im Liga-Keller statt – so auch die 107. Auflage am Samstag. Die Bundesliga-Dinos werden zu grauen Mäusen.

Filip Kostic (HSV) und Fin Bartels (Werder)
Filip Kostic (HSV) und Fin Bartels (Werder) Quelle: dpa

Welcher Fußball-Klub fällt Ihnen ein, wenn Sie den Begriff „Graue Maus“ hören? Wenn Sie jetzt an einen ehemals „unabsteigbaren“ Revierklub denken, liegen sie laut dem online-Lexikon Wikipedia richtig. „In der Bundesliga wurde oft der VfL Bochum als graue Maus bezeichnet, da er zwar über 20 Jahre lang die Klasse hielt, aber nur selten im oberen Tabellenfeld zu finden war, sondern zumeist gegen den Abstieg kämpfte“, heißt es dort.

Seit fünf Jahren fast immer unten dabei

Neuerdings schicken sich allerdings im hohen Norden zwei Klubs an, den Bochumern ihr Alleinstellungsmerkmal streitig zu machen. Der HSV und Werder Bremen haben jeweils nur einmal in den vergangenen fünf Jahren am Saisonende einen einstelligen Tabellenplatz erreicht und sind dabei mehrfach dem Abstieg nur ganz knapp entronnen.

Und auch jetzt wieder bescheren die Aussagen in Hamburger und Bremer Presseräumen ein Deja Vu-Erlebnis nach dem anderen. Es sei nicht alles so schlecht, wie die Ergebnisse glauben machen, man müsse nur etwas mutiger werden, aber vor allem ruhig bleiben – alles irgendwie schon mal gehört! Trotz kurzzeitiger Verschnaufpausen – bei Werder in der letzten Rückrunde, beim HSV beim diesjährigen Saisonstart - hängen beide Klubs wieder im Tabellenkeller fest.

Hauptsache kein Abstiegskampf

Früh in der Saison wären beide schon wieder damit zufrieden, in der Rückrunde nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben – womit das Hauptkriterium einer grauen Bundesliga-Maus erfüllt wäre. Dabei waren die Begegnungen zwischen den beiden Gründungsmitgliedern der Bundesliga noch vor nicht allzu langer Zeit Elefantentreffen des Fußballs.

Noch 2009 elektrisierten ihre vier Spitzenduelle innerhalb von neunzehn Tagen die Republik, inklusive Papierkugel-Eklat und Wiese-Tritt gegen Olic. Heute muss der HSV Aufrufe auf Facebook starten, um das Stadion überhaupt voll zu bekommen.

Sturmflaute an der Waterkant

Max Kruse
Werders Max Kruse.

Die Gemeinsamkeiten der beiden Klubs gehen weit über die bevorzugten Tabellenregionen hinaus. Sowohl HSV-Trainer Markus Gisdol als auch sein Bremer Kollege Alexander Nouri sind jetzt ein gutes Jahr im Amt – und wurden noch am Ende der letzten Saison dafür gepriesen, ihre Teams weiterentwickelt zu haben.

Im Sommer gab es weder an Elbe noch an Weser spektakuläre Neuverpflichtungen. Als Erfolg wurde hüben wie drüben gewertet, Topleute wie Kyriakos Papadopoulos, Nicolai Müller und Bobby Wood in Hamburg sowie Max Kruse und Zlatko Junuzovic in Bremen gehalten zu haben.

In dieser Saison mussten beide Vereine schon eine Reihe verletzer Leistungsträger wie Müller, Filip Kostic und Aaron Hunt sowie Kruse und Junuzovic beklagen, Die verbliebenen Stürmer wie Wood und Fin Bartels laufen ihrer Form noch hinterher. Der nachverpflichtete Sejad Salihović muss sich noch genauso integrieren wie Bremens Last-Minute-Einkauf Ishak Belfodil. Für das 107. Nordderby am Samstag stehen immerhin die Spielmacher Hunt und Junuzovic wieder zur Verfügung.

Kühne will Geldhahn zudrehen

Selbst HSV-Investor Klaus-Michael Kühne teilen sich die Hansestädte. Kühne hat in Bremen seinen Stamm- und in Hamburg seinen Hauptsitz. Dass der Logistik-Unternehmer aber nur in Hamburg sein Fußball-Herz verloren und dort in den vergangen sieben Jahren 60 Millionen Euro investiert hat, macht den wesentlichen Unterschied der beiden Klubs aus. Mit dem Ergebnis, dass Werder eine solide wirtschaftliche und sportliche Struktur besitzt, während der HSV von Kühne abhängig ist.

Aber auch die Hamburger sind gezwungen, ihr Geschäftsmodell auf eine breitere Basis zu stellen. Die Aussicht auf das Graue-Maus-Image hat Glamour-Freund Kühne offenbar so verschreckt, dass er angekündigt hat, erstmal kein weiteres Kapital in den Klub zu pumpen. Die Ablösesummen des letzten Sommers haben ihm wohl die Augen geöffnet, wieviel es ihn kosten würde, den HSV wieder auf die europäische Bühne zu bringen. Denn davon hat er wie viele Hamburger und Bremer lange geträumt – und nicht vom Dauerabstiegskampf.

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