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Krisenstimmung bei Leipzig vor Spitzenspiel

Fußball-Bundesliga

Vor dem Bundesliga-Spitzenspiel zwischen RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach herrscht bei den Leipzigern hausgemachte Unruhe. Auslöser war die forsche, öffentliche Kritik von Trainer Julian Nagelsmann an seinem Team.

Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann (li.) mit Timo Werner
Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann (li.) mit Timo Werner
Quelle: ap

RB-Trainer Julian Nagelsmann hätte auch ohne den Wirbel in dieser Woche genug zu tun gehabt. Tabellenführer Leipzig spielt im Topspiel am Samstag gegen den Dritten Borussia Mönchengladbach (18.30 Uhr). Eine der spielerisch-taktisch interessantesten Begegnungen der Rückrunde, die Nagelsmann gewohnt kreativ und akribisch vorbereitet.

Euphorie in Leipzig ist dahin

Doch statt sich und seine Mannschaft voll auf das Duell gegen die "Fohlen" zu fokussieren, hatte er unter der Woche alle Hände voll zu tun, die Unruhe im Klub zu bändigen. Denn der Trainer selbst, seine Spieler und Ex-Sportdirektor Ralf Rangnick haben sich in dieser Woche mehr hausgemachte Nebenkriegs-Schauplätze geschaffen, als dem Herbstmeister im Titelrennen lieb sein kann.

So entstand selbst bei Nagelsmann der Eindruck, dass statt Spitzenplatz-Euphorie gerade Krisenstimmung beim Tabellenersten herrsche.

Einzelgespräche zur Klärung

Nach seiner deftigen Kritik nach dem 0:2 in Frankfurt an "Elan und Einstellung" seiner Profis in den entscheidenden Trainingseinheiten musste er seinen irritierten Spielern unter der Woche in Einzelgesprächen erklären, was genau er gemeint hatte.

"Wir sind kurz vorm Gipfel und die Frage, die wir uns stellen müssen, ist diese: Wollen wir ans Gipfelkreuz oder drunter parken, was essen und trinken und dann wieder runtergehen? Ist auch schön, dann kommen wir unter die ersten Vier, wenn es gut läuft, und hatten eine ganz ordentliche Aussicht", hatte er vor laufenden TV-Kameras gesagt und seinem Team zu verstehen gegeben, dass es zu wenig im Training investiert, um Deutscher Meister oder DFB-Pokalsieger werden zu können.

Nagelsmann: "Mannschaft nicht schlechtgeredet"

Seine Ansprache sei keineswegs "eine Wutrede und auch keine Generalkritik" gewesen, musste er sich am Donnerstag rechtfertigen. "Ich habe meine Mannschaft nicht schlechtgeredet", stellte der Chefcoach klar. "Aber wir müssen uns von einer sehr guten zu einer Spitzenmannschaft entwickeln. Es reicht nicht, wenn man den Plan zu 94 Prozent umsetzt."

Nagelsmann glaubt: "Die Jungs haben verstanden, was ich damit meine." Weil jedoch zudem neun Profis am Abend vor dem verlorenen Spiel einen Starfriseur hatten einfliegen lassen, worüber sich wiederum Red-Bull-Fußballberater Ralf Rangnick echauffierte und sich beteiligte Führungsspieler wie Yussuf Poulsen persönlich zur Brust nahm, verselbständigte sich die Affäre zum kraft- und zeitraubenden Skandälchen.

Sportpsychologe Linz: "Intensives Mittel auf der Eskalationsskala"

Dass sie in Leipzig nach verlorenen Punkten und Spielen schnell unruhig werden, liegt in der Natur des auf Erfolg getrimmten und nur Erfolg gewohnten Klubs. Schon nach einem 1:1 in der Hinrunde gegen Wolfsburg hatte Klubboss Oliver Mintzlaff Druck aufgebaut.

Nach dem 1:2 in Freiburg redete Sportdirektor Markus Krösche den Spielern ins Gewissen. Und nach dem 2:2 in Lyon in der Champions League ließ Nagelsmann stocksauer Frust darüber ab, dass einige Spieler "Freestyle" spielten, anstatt seine Anweisungen zu befolgen. Immer mit dem Tenor: Ich bin bereit für Titel. Seid ihr es auch?

Der Sportpsychologe Lothar Linz, Dozent an der Trainerakademie der Sporthochschule Köln und Psychologe des Deutschen Handball-Bundes (DHB), bewertet: "Das macht man ja nicht zum Selbstzweck, sondern der Trainer hat das Gefühl, dass andere Mittel, zu denen er zuvor gegriffen hat, nicht genug Wirkung entfaltet haben. Auf der Eskalationsskala ist das Mittel der deutlichen, öffentlichen Kritik ein recht intensives."

Öffentliche Kritik verstärke den beabsichtigten Effekt, sagt Linz: "Der Druck auf die Mannschaft nimmt zu. Doch jede Schraube, die man anzieht, führt auch zu mehr Spannung und damit potenziell zu Konflikten."

Nagelsmann: "Ich reiße halt immer die Fresse auf"

Der 54-Jährige gibt zu bedenken, dass ein Trainer mediale Schelte nur "sehr gezielt" einsetzen dürfe. "Sonst hätte das keine hinreichende Wirkung mehr auf eine Mannschaft, sondern bringt die Spieler eher gegen den Trainer auf. Die Kunst dabei ist, dass man es nicht überzieht, weil zu häufige medial geäußerte Kritik nicht motivierend wirkt, sondern kontraproduktiv ist."

Allerdings betont Linz, dass sich ein Typ wie Nagelsmann, "der auch im täglichen Kontakt mit den Spielern sehr direkt rüberkommt", sich auch öffentlich etwas mehr erlauben könne, "ohne dass ihm das übel genommen wird. Das ist bei Jürgen Klopp genauso"”, schätzt der Experte ein.

Und Nagelsmann? Nimmt die Schuld für die schlechte Stimmung am Cottaweg auch auf seine Kappe. "Ich bin total selbstkritisch. Es liegt an mir", sagte der Trainer-Jungstar. "Ich reiße halt immer meine Fresse auf und sage, was ich denke. Ich will mich für den Trainerjob eben nicht verstellen." Nachdenklich schob er hinterher: "Vielleicht muss ich‘s lernen."

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