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Der SV Werder - geräuschlos erfolgreich

Die Meisterschale des DFB ist einst in einer Bremer Silberschmiede gegossen worden - in dieser Saison präsentiert sich auch Werder Bremen als Klub aus einem Guss. Das Führungspersonal des Überraschung-Vierten arbeitet so vertrauensvoll zusammen wie zu Rehhagel-Zeiten. Heute, 18.30 Uhr, tritt das Kohfeldt-Team bei Schalke 04 an.

5.10.2018: Bremens Davy Klaassen (m.) kämpft gegen Wolfsburgs Jerome Roussillon (l.) um den Ball.
Einer der Erfolgsgaranten: Davy Klaassen
Quelle: dpa

Wie jeden Donnerstag bei der Presserunde saßen sie so einträchtig nebeneinander, dass man trotz der zwei Armbreite Abstand an das sprichwörtliche Blatt Papier denken musste, das nicht dazwischen passt: Werder-Trainer Florian Kohfeldt und sein Sportchef Frank Baumann. Diesmal flankiert von Davy Klaassen, dessen Verpflichtung das Glanzstück ihrer bisherigen Zusammenarbeit darstellt.

Klaassen ist nicht nur Werders teuerster Einkauf aller Zeiten, sondern ein wesentlicher Grund für die Werder-Euphorie, die Bremen nach einer langen Durststrecke wieder befallen hat.

Gut riechender Fischkopf

Schon vor dem ersten Spieltag lautete einer der meist gehörten Sätze in der Hansestadt: "Ich hab‘ so einen Bock auf diese Saison." Nach sieben Spieltagen, 14 Punkten, Platz vier und einer Reihe überzeugender Auftritte sieht es so aus, als habe der Werder-Anhang mit seiner Gefühlslage wiedermal richtig gelegen.

Der Optimismus hat viel mit dem Zutrauen in die handelnden Personen zu tun. "Das wirklich Wichtigste ist ja, dass Werder - Achtung grün-weiße Metapher - auch vom Kopf her gut riecht", sagte der Schriftsteller Moritz Rinke im "Weser Kurier" und meinte das Dreigestirn Marco Bode (Aufsichtsratschef), Baumann und Kohfeldt. In diesem Führungstrio verfügt nicht nur jeder Einzelne über große soziale Intelligenz - es arbeitet auch noch vertrauensvoll zusammen.

Mit neuem Stil nach oben

So hatten Bode und Baumann im Herbst 2017 den Mut, das Trainertalent Kohfeldt gegen viel Skepsis aus der U23-Mannschaft ins Profiteam zu befördern. Kohfeldt überraschte die Bundesliga damit, seine Mannschaft nicht wie sonst im Abstiegskampf üblich auf destruktiven Ergebnisfußball einzuschwören, sondern eine offensive, kreative Spielidee zu propagieren.

Diese erklärte er den Spieler dann auch noch so verständlich, dass die Quadratur des Kreises gelang: spielerischer Fortschritt bei gleichzeitiger Rettung in gesicherte Tabellen-Regionen.

Werders neuer Stil gewinnt vor der Folie der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft noch an Bedeutung: Ihm ist sowohl der ballschiebende Überlegenheitshabitus spanischer und deutscher Herkunft, als auch das schlichte Underdog-Rezept aus langen Bällen und gewonnenen Zweikämpfen fremd. Er ähnelt eher dem abwechslungsreichen Kombinationsfußball, den die WM-Lieblinge Belgien und Frankreich zelebrierten.

Action statt Berechenbarkeit

Mit großer Konsequenz sucht sich Werders sportliche Leitung seit letztem Winter das Personal für diesen Stil zusammen. Gefragt sind Individualisten mit Drang zum Tor, wie sie das einförmige Nachwuchssystem in Deutschland kaum noch hervorbringt.

Milot Rashika, Martin Harnik, und Yuya Osako sind in der Lage, mit ihren Läufen und Dribblings, Löcher in enge Abwehrverbünde zu reißen, Davy Klaassen und Nuri Sahin können sie richtig in Szene setzen. Dazu machte Kohfeldt den Spieler mit dem größten Eigensinn zum Kapitän: Max Kruse. Die Botschaft: Action statt Berechenbarkeit.

Rückholaktion

Als i-Tüpfelchen auf die mutigen Entscheidungen holten Baumann und Kohfeldt noch zwei Legenden in ihren jeweiligen Wirkungskreis zurück. Ex-Trainer Thomas Schaaf arbeitet jetzt als technischer Direktor an der Trainerausbildung mit, der mittlerweile 40-jährige Rekordtorschütze Claudio Pizarro firmiert als Edeljoker und Mentor der jungen Stürmer.

Es zeugt von Souveränität, dass sie sich nicht von der Angst leiten lassen, die beiden Alpha-Tiere könnten ihnen die Show stehlen oder an ihren Stühlen sägen.

Absolute Experten am Werk

Die augenblickliche Konstellation erinnert an das Führungstrio Böhmert (Präsident), Lemke (Manager) und Rehhagel (Trainer), das über ein Jahrzehnt so geräuschlos wie erfolgreich zusammenarbeitete - mit dem Unterschied, dass heute alle drei auch absolute Fußballexperten sind.

Der Intellektuelle Bode repräsentiert sympathisch und integer die Werte des Vereins nach außen, der Stratege Baumann plant mit ruhiger Hand und Weitblick den Kader und hält die Profiabteilung zusammen, der emotionale Werder-Fan Kohfeldt entwickelt Mannschaft, Spieler und Stil auf hohem Niveau weiter.

Vorbild für die Mannschaft

Dabei leben sie den Teamgedanken vor, den die Mannschaft braucht, um sich in der Spitze zu halten. "Wo wir jetzt stehen, ist für den Moment sensationell und weit über unseren Erwartungen", sagte Kohfeldt am Donnerstag: "Unser Anspruch ist, unsere Leistung kontant weiterzubringen." Frank Baumann saß daneben und sah aus, als ob er genau das gleiche gesagt hätte.

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