Fremdeln in der eigenen Hütte

Trotz ihrer Schwierigkeiten im eigenen Stadion sind die Gladbacher bis in die Ligaspitze gestürmt. Am Samstagabend kommt Tabellenführer München zu Besuch - und die Borussen freuen sich schon darauf, zu Hause mal ein bisschen Auswärtsteam spielen zu können.

Lars Stindl (re.) und Dieter Hecking
Lars Stindl (re.) und Dieter Hecking Quelle: doa

Lars Stindl ist ein ausgesprochen mitteilsamer Mensch – doch wenn es um seine persönliche Bilanz bei Gladbacher Heimspielen geht, wird der Nationalspieler erkennbar missmutig. Das Thema behagt dem gebürtigen Speyerer („Ich bin froh, dass ich überhaupt treffe“) nicht sonderlich, aus verständlichen Gründen: Ansehnliche 16 Tore hat er in diesem Kalenderjahr erzielt, aber nur zwei davon im Borussia-Park.

Extrem reiselustig

Diese Quote ist weniger stattlich – und sie liegt, wenn auch in extremer Weise, im allgemeinen Trend der Niederrheinischen. Seit der Ankunft von Trainer Dieter Hecking im Januar sind die Fohlen zu wahren Auswärtstigern geworden, die einstige Heimstärke dagegen ist deutlich abgeflaut. Elf ihrer 21 Punkte in der laufenden Runde holten die Gladbacher in der Fremde, ihre Reiselust ist dabei vor allem in den letzten Wochen frappierend: Die jüngsten drei Auswärtspartien in Bremen, Hoffenheim und Berlin gewannen sie allesamt, der letzte Heimsieg datiert vom 30. September.

Heckings Mannschaft trägt schwer an der Favoritenbürde im heimischen Stadion. Beim 0:1 gegen Frankfurt und beim 1:1 gegen Mainz ließ sie sich vom Engagement des Gegners erst überrumpeln, ehe sie anschließend keinen Weg mehr aus ihrem Tiefschlaf fand. Beim schrägen 1:5 gegen Leverkusen führten die Borussen nach großartiger erster Hälfte zur Pause mit 1:0, rannten im zweiten Durchgang dann jedoch mit kindlicher Euphorie ins eigene Verderben. Und selbst die Heimsiege gegen Köln, Stuttgart und Hannover waren allesamt sehr zähe Angelegenheiten.

Stindls Plan

Das Duell mit Spitzenreiter München könnte dem Liga-Vierten, der in dieser Runde auswärts (14 Tore) doppelt so oft traf wie zu Hause, daher zupass kommen. Die Favoritenrolle liegt schließlich zur Abwechslung mal beim Gegner. „Wir werden sicher ein Stück weit anders spielen als sonst daheim – vielleicht kommt uns das gelegen“, sinniert Kapitän Stindl und denkt an die Blaupause aus der Vorwoche in Berlin.

Beim 4:2 in der Hauptstadt ließ die Hecking-Elf erst mal die Hertha machen, setzte bei ihren ersten drei Angriffen aber gleich drei Volltreffer. Gerade bei schnellen Kontern in die Tiefe fühlt sich Lars Stindl pudelwohl, er sagt vor der Herausforderung FC Bayern: „Das Spiel in Berlin gibt uns ein gutes Gefühl.“

Mitteilung an den Lehrmeister

Unter Heckings Vorgängern Lucien Favre und André Schubert glückte den Gladbachern der eine oder andere Überraschungserfolg über die Münchner, mitunter auch dank pfiffiger Einfälle bei der Mannschaftsaufstellung. Für waghalsige Manöver wie etwa Schubert ist der aktuelle Coach zwar nicht bekannt. Dafür ist er nach seinem Wochenend-Widerpart Jupp Heynckes, der vor seinem neuerlichen Engagement beim Rekordmeister mit Ehefrau Iris das Leben auf einem umgebauten Bauernhof in der Nähe von Mönchengladbach genoss, der Trainer mit der größten Erfahrung in der Bundesliga.

Vor 34 Jahren war Heynckes bei der Borussia, die nur eines ihrer letzten fünf Heimspiele gegen den FCB gewann, der erste Trainer des jungen Stürmers Hecking im Profibereich. Jetzt richtet der Schüler von damals seinem Lehrmeister aus: „Wir haben den Ehrgeiz, auch gegen die Bayern gewinnen zu wollen. Wenn wir einen guten Tag erwischen, haben wir auch eine realistische Chance.“ Und das Fremdeln in der eigenen Hütte wäre ebenfalls besiegt.

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