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Der milde Berti und die Cowboy-Stiefel von Dallas

Stefan Kuntz kommt ins aktuelle sportstudio

Wie kann das sein? Der Mann, der 2004 kein Trainer mehr sein wollte, ist 15 Jahre und einige U-21-Länderspiele später der Star der deutschen Coachingszene? Es gibt Dinge, die lassen sich nicht erklären – oder doch? Dass Stefan Kuntz selbst entspannt mit dem Hype um seine Person umgeht erzählt er am Samstag im Aktuellen Sportstudio (ab 23 Uhr). 

Stefan Kuntz
Stefan Kuntz
Quelle: imago

Spielerflüsterer, Menschenfänger, Spaß-Trainer und Nachfolgekandidat von Joachim Löw – auf Stefan Kuntz prasseln derzeit Einschätzungen und Voraussagen aller Art ein.

Das mag daran liegen, dass ihm 2016 kaum einer zutraute, sich als Trainer der deutschen U21 lange zu halten. Aus dem Ersatzkandidaten aber wird ein Erfolgsmodell: EM-Titel 2017, Finaleinzug 2019. Kuntz entwickelt sich zur Vaterfigur für den DFB-Nachwuchs, die die perfekte Mischung zwischen Strenge und Nachsicht findet. 

Die U21 gilt mit dem Dreisäulenmodell (Erfahrener Ex-Profi als Chef/Altersgruppen-Spezialist und Strategie- und Innovations-Experte als Assistenten) als Trendsetter für den gesamten DFB. Und Kuntz wird bereits als Nachfolger von Bundestrainer Löw gehandelt.

Zweite Chance als Trainer

Dabei schien das Kapitel Trainerberuf für den ehemaligen Polizisten 2004 nach mehr oder weniger erfolgreichen Stationen beim Karlsruher SC, Waldhof Mannheim und LR Ahlen abgeschlossen. Es folgten zwei Jahre als Manager in Bochum und knapp acht als Vorstandvorsitzender des FCK.

Die Berufung als U21-Coach, 13 Jahre nach dem letzten Trainerjob, war eine unverhoffte zweite Chance und eine Idee des damaligen Nationalmannschafts-Managers Hansi Flick. Wie aber lässt sich das Phänomen Kuntz erklären? Der Versuch einer Spurensuche.

Ob es im Trikot des 1. FC Kaiserslautern war als er lernte, dass es nie zu spät ist? Rückblende 3. Mai 1991:  Der FCK, eine Mannschaft ohne große Stars, ist die Überraschung der Saison und Tabellenerster. Gegen den KSC mit Oliver Kahn und Mehmet Scholl steht es nach 90 Minuten nur 2:2 – bis Kuntz vier Minuten später der 3:2 Siegtreffer gelingt. Nicht zum einzigen Mal.  

Team-Spirit steht über allem

Die Pfälzer mit dem Saarländer Kuntz werden deutscher Meister. Eine Sensation - und Resultat von Teamgeist und Leidenschaft. Den Titel gewannen nicht die technisch besten Kicker, sondern die beste Mannschaft. Nach diesem Credo sucht Kuntz sich heute seinen Kader zusammen.

Laptop-Trainer oder Wissenschaftsfetischist wird er sicher selten genannt. Kuntz spricht lieber von seinem Bauchgefühl, den Rest steuern seine Assistenten Antonio Di Salvo und Daniel Niedzkowski bei, denen er aufmerksam zuhört. Denn er ist für die Gesamtstimmung verantwortlich.  

Die scheint von Nachsicht und Verständnis geprägt. Kuntz könne Chef sein und trotzdem nah bei der Mannschaft, erläuterte Schalkes Torwart Alexander Nübel. "Er erreicht jeden Spieler durch seine Emotion, Gestik und Mimik", berichtet Felix Uduokhai (VfL Wolfsburg). Es gelingt ihm, jedem das Gefühl zu vermitteln, wichtig zu sein und auf jeden individuell einzugehen.

"Ich habe Rotz und Wasser geheult"

2008 offenbarte sich Kuntz in Bochum als überaus emotionaler Typ und berichtete von Tränen ("Ich bin nah am Wasser gebaut") bei romantischen Kino-Schnulzen und einer TV-Show, in der sich zwei Brüder nach 40 Jahren Trennung wieder fanden ("Ich hab Rotz und Wasser geheult.").

Manchen Charakter in seinem Kader nennt er "betreuungsintensiv". Seine Empathie könnte sich bei der WM 1994 entwickelt haben, als er in Dallas ohne Erlaubnis zu einem Stadt-Erkundungsausflug aufbrach und eine Spur zu spät mit einem Paar Cowboystiefeln zum Abendessen zurückkehrte.

Ob Bundestrainer Berti Vogts davon wusste (und Milde walten ließ) oder in einer flammenden Motivations-Rede nur zufällig "Cowboy-Stiefel" erwähnte, weiß Kuntz bis heute nicht. Aber er hat es nie vergessen.     

Gast: Stefan Kuntz
Fußballtrainer U21-Nationalmannschaft

Gast: Zeina Nassar
Boxerin

Frauen-Fußball-WM
Spiel um Platz 3 und Tag vor Finale

Fußball: Copa América
Spiel um Platz 3

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Triathlon-WM in Hamburg
ITU World Championship

Stab

Moderation - Jochen Breyer

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