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Der geleaste Übergang

Fußball-Bundesliga | Bayern München - Schalke 04

Die kostengünstige Leihe von Rechtsverteidiger Odriozola zeigt vorm Topspiel gegen Schalke, dass sie diese Saison beim FC Bayern als Zwischenjahr begreifen und ihre Transferstrategie auf die geplanten Großeinkäufe des kommenden Sommers ausrichten.

Alvaro Odriozola (r.) und Hasan Salihamidzic
Alvaro Odriozola (r.) und Hasan Salihamidzic
Quelle: dpa

Zehn Monate ist es her, dass Uli Hoeneß einen Kaufrausch ankündigte. "Das ist das größte Investitionsprogramm, das der FC Bayern je hatte", sagte der heutige Ehrenpräsident im März 2019. Es ging ums geplante Sommershopping, für das auch Manchester Citys Flügelspieler Leroy Sané vorgesehen war und für den eine Ablöse jenseits der 100 Millionen Euro veranschlagt wurde. Doch dann verletzte sich Sané am Kreuzband - und die Transferbilanz belief sich auf vergleichsweise überschaubare rund 90 Millionen Euro, trotz des Rekordeinkaufs Lucas Hernández (Atlético/80 Mio. Euro). Hinzu kamen Benjamin Pavard (Stuttgart/35), Michaël Cuisance (Gladbach/12) und Jann-Fiete Arp (HSV/3).

Demgegenüber standen 54 Millionen Euro an Einnahmen durch die Verkäufe von Mats Hummels (Dortmund/30,5), Renato Sanches (Lille/20) und Marco Friedl (Bremen/3,5). Die Kaufoption für Real Madrids Leihspieler James Rodríguez wurde nach zwei Jahren nicht gezogen.

Leihrekord bei den Bayern

Wenn der FC Bayern an diesem Samstag (18:30 Uhr) den FC Schalke empfängt, wird der Kader von Trainer Hansi Flick schon beim Anpfiff des Topspiels der Bundesliga einen Rekord einstellen. Gleich drei Leihspieler werden mit von der Partie sein, neben Philippe Coutinho (Barcelona/8,5) und Ivan Perisic (Inter/5) auch Rechtsverteidiger Álvaro Odriozola, 24 Jahre alt, den sich die Münchner am Mittwoch für kolportierte drei Millionen Euro Gebühr von Real Madrid bis zum Saisonende geborgt haben.

So viele Leihkräfte gab es beim FC Bayern bisher nur 2009, als Massimo Oddo (AC Mailand), Zé Roberto (Nacional) und Landon Donovan (LA Galaxy) für die Münchner kickten. Allerdings auch nur für sehr kurze Zeit, weil Winterzugang Donovan bereits nach zwei Monaten als Flop verabschiedet wurde.

Großeinkäufe erst im Sommer

Derartiges soll Odriozola nun nicht unterlaufen. "Er hat Fähigkeiten, die wir brauchen", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic bei der Präsentation des Basken und hob hervor, dass dieser "viel Druck ausüben" und "90 Minuten lang Tempo machen" könne. Damit begann Odriozola bereits bei seiner Vorstellung, wohl auch, weil er wahrscheinlich nur übergangsweise die Gelegenheit dazu bekommen wird. "Ich bin bereit und möchte keine Zeit verlieren", sagte er nach seinem ersten Training in München in der Hoffnung auf sein Debüt gegen Schalke.

Odriozola steht auch für den Eindruck, dass die Bayern diese Saison inzwischen als Übergangsjahr begreifen und ihre Transferstrategie auf die geplanten Großeinkäufe des Sommers 2020 ausrichten. Neben Sané wird Leverkusens Mittelfeldspieler Kai Havertz als Topkandidat gehandelt. Beide zusammen dürften allein an Ablösen mehr als 200 Millionen Euro verschlingen, weshalb es nachvollziehbar ist, dass sie beim FC Bayern bisher nur den ablösefreien Schalker Torwart Alexander Nübel, 23, fest verpflichtet haben und teure Einkäufe vermeiden, um genug Reserven zu behalten. Ähnlich zu verstehen waren bereits die Leihen von Coutinho und Perisic, die statt Sané kamen und im Sommer eher nicht gekauft werden.

"Leihhaus FC Bayern"

Der geleaste Übergang ist eine Strategie, die in den mittlerweile irrwitzigen Ablösesummen begründet liegt und sich als risikoärmeres Modell neben wenigen Großtransfers etablieren könnte. Allerdings mit dem Nachteil, vielleicht etwas zu sehr im Hier und Jetzt zu agieren. Ein Zusammenwachsen einer Mannschaft in einem Zyklus wie auf dem Weg zum Triple 2013 könnte schwieriger werden. Betrachtet wird das Vorgehen der Münchner bereits kritisch als Korrektur ohne klare Linie.

Deutlich werde durch Odriozolas Leihe, "dass die Personalpolitik dieser Saison eher Flickschusterei denn strategische Ausrichtung für die kommenden Jahre ist", urteilte das Magazin "kicker" über das "Leihhaus FC Bayern". Die "Süddeutsche Zeitung" beschlich "das Gefühl, die Bayern bauen nicht wirklich, sie reparieren eher". Der Mia-san-mia-Klub sei "im Moment eher ein Schaun-mer-mal-Verein, der sich alle Optionen offenhält". Flick ist über die zusätzliche Option Odriozola aber erst einmal froh, zumindest bis zum Sommer. Länger ist ja auch der Trainer vorerst nicht gebunden.

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