Schnelle Beine, schnelle Worte

Sprint-Hoffnung Gina Lückenkemper im aktuellen sportstudio zu Gast

Gina Lückenkemper rennt und redet flotter als viele, die 20-Jährige ist Deutschlands Sprint-Hoffnung bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London und am Samstagabend nach ihrem Vorlauf am Vormittag zu Gast im aktuellen sportstudio (Samstag, 22:55 Uhr im ZDF).

Gina Lückenkemper
Olympiafavoritin Gina Lückenkemper Quelle: dpa

Die verpasste Sensation machte Gina Lückenkemper nicht weiter zu schaffen. Sie zweifelt nicht an der Zehn vor dem Komma. Dass sie im Juli bei den Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten in Erfurt in 11,01 Sekunden über 100 Meter nur hauchdünn darüber blieb, dass sie den Lauf hatte austrudeln lassen, weil sie nicht ahnte, wie schnell sie war – vergessen und vergeben. Die Zehn wird kommen, da ist sich Lückenkemper sicher. Sie ist ja erst 20 Jahre, ein Alter, in dem das Leben unendlich und jede Grenze überwindbar scheint.

Die Frequenz, mit der Lückenkemper die Worte über die Lippen sprudeln, passt zu jener, mit der ihre Füße die Tartanbahn malträtieren. „Eine Zehn vor dem Komma wäre natürlich optimal gewesen. Aber es war heute einfach noch nicht meine Zeit, es hat heute einfach noch nicht sollen sein. Aber wir haben gesehen, da geht noch was, da ist noch eine Reserve. Denn das war nicht trallafitti ich knall da einmal durch, sondern das war bewusst auf Technik gelaufen“, ließ sie in Erfurt wissen. Die Fast-Sensation war Lückenkemper im Vorlauf passiert, das 100-Meter-Finale gewann sie souverän, aber weniger schnell.

Vorliebe für die Kurve

Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften ab Freitag in London tritt die für die LG Olympia Dortmund startenden Wirtschaftspsychologie-Studentin über 100 Meter und mit der deutschen 4 x 100-Meter-Staffel an. Eigentlich sind die 200 Meter ihre Paradestrecke. Lückenkemper liebt die Kurve. „Kurve laufen ist meine große Leidenschaft“, sagt die Junioren-Europameisterin 2015 über diese Distanz. Wieso? „Einfach mal machen. Egal wie schnell man durch die Kurve rennt, ich finde das einfach geil.“

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Und: „Okay, ich bin nicht gerade die Allergrößte, da fällt es vielleicht etwas einfacher.“ Gina Lückenkemper ist 1,70 Meter lang. Und bei der EM im vergangenen Jahr gewann sie Bronze über 200 Meter. Dennoch: In London wird sie nur als dritte Läuferin in der Staffel die Fliehkräfte der Kurve genießen dürfen. Ihren einen erlaubten Einzelstart (um noch genug Kraft für die Staffel zu haben) absolviert sie über 100 Meter. „Es scheint nicht ganz so mein 200-Meter-Jahr zu sein. Das ist schade, da blutet mir auch ein bisschen das Herz“, sagt sie.

Eine steile Karriere

Die Karriere der blonden Frohnatur verlief bislang in einer wunderbar aufsteigenden Kurve. 2012 war sie mit 15-Jahren die jüngste Teilnehmerin bei den U-20-Europameisterschaften. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2014 gewann sie ihre erste internationale Medaille – Bronze mit der 4 x 100-Meter-Staffel. Es folgten: Der Titel bei der Junioren-EM 2015 und in Peking die erste WM-Teilnahme bei den Erwachsenen. Lückenkemper verpasste über 100 Meter knapp das Halbfinale und wurde mit der deutschen Staffel Fünfte.

Nach 200-Meter-Bronze bei der EM 2016 in Amsterdam dann in Rio die Steigerung: 200-Meter-Halbfinale im Einzel und Platz vier mit der Staffel. Die Ziele für die WM in London sind damit klar: Mindestens das Halbfinale über 100 Meter und eine Medaille mit dem Quartett. „Dieses Mal wollen wir uns die Butter nicht vom Brot nehmen lassen“, sagt Lückenkemper.

Verletzungsprech bremst die Senkrechtstarterin

Aber auch sie hat bei allem Talent und allem Fortschritt schon erste Hürden meistern müssen. Nach den Spielen in Rio kämpfte sie lange Zeit mit unerklärlichen Schmerzen im Fuß. Röntgen, MRT, Änderungen im Training – sie kam dem Problem einfach nicht auf die Spur. Schließlich brachten die Spikes des Rätsels Lösung. Ihr Fuß hatte sich offenbar verändert und mit einem Schuhmodell, das eine halbe Nummer größer ist, läuft sie inzwischen wieder schmerzfrei.

Auch ein mentales Tief hat sie in dieser Saison schon erfolgreich überwunden. „Mein Körper ist nicht mehr richtig zur Ruhe gekommen, ich hatte Probleme, zu schlafen und sonst was“, erzählt Lückenkemper. Geholfen hat ihr Pferd Picasso. Eine Mischung aus Westfalenstute und Barockpinto. Der Ruhepol der aktuell vielversprechendsten deutschen Sprinterin.

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