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Giovanni Trapattoni wird 80

Zum Geburtstag am 17. März: Die berühmte Wutrede des ehemaligen Bayern-Trainers

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Die deutsche Sprache war sein härtester Gegner. Und dennoch wurde er in Deutschland zur Legende. Der italienische Trainer Giovanni Trapattoni mag seine alte Wahlheimat. Inzwischen feiert der Ex-Bayern-Coach im Netz statt auf dem Rasen Erfolge.

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Es gibt nicht viele Menschen, denen nach einer dreiminütigen Schimpftirade die Herzen in ganz Deutschland zufliegen. Giovanni Trapattoni ist es gelungen. Seine Pressekonferenz beim FC Bayern München, bei der er in wildestem Deutsch begleitet von italienischem Gestikulieren über Spieler wie Thomas Strunz oder Mehmet Scholl schimpfte, ist längst Kult. Für den Italiener schier unglaublich, dass man mit Satzkonstrukten wie "schwach wie eine Flasche leer", "Was erlauben Strunz?" oder "Ich habe fertig" zur Legende werden kann.

Giovanni Trapattoni im Jahr 2016
Giovanni Trapattoni im Jahr 2016
Quelle: Andreas Gebert/dpa

Zu seinem 80. Geburtstag an diesem Sonntag wundert sich der Ex-Bayern-Trainer immer noch über den Erfolg seiner Wutrede. "Ehrlich gesagt hätte ich mir nie vorstellen können, dass so eine Pressekonferenz auch noch nach 20 Jahren so populär ist", sagt er. "Tragikomisch" sei die Rede gewesen, vielleicht habe man ihn deshalb in die Herzen geschlossen? Mit seinem Ruhm brüstet er sich jedenfalls nicht. "Wie kann ich stolz auf einen Wutausbruch sein, in dem ich einen Haufen grammatikalischer Fehler gemacht habe?"

Einer der erfolgreichsten Trainer der Welt

In Deutschland hat er neben dem FC Bayern auch den VfB Stuttgart trainiert. Und er fühlte sich trotz des "knallharten Gegners" - nämlich der deutschen Sprache - wohl. "In Italien wurde ich schon als einer angesehen, der den Job als Trainer sein lassen sollte. In Deutschland habe ich mich dagegen vom ersten Moment an wertgeschätzt gefühlt." Doch "Il Trap" ist auch in Italien eine Legende. Mit mehr als 20 Titeln gilt er als einer der erfolgreichsten Trainer der Welt.

Geboren in Cusano Milanino bei Mailand versuchte er sein Glück zuerst in einer Buchdruckerei. Doch der Traum vom Profifußball ließ ihn nicht los. Als Spieler wurde er mit dem AC Mailand zweimal Meister und Pokalsieger. Dort begann er auch seine Karriere als Trainer, in der er fast alles gewann, was es zu gewinnen gab. Mit Milan und Juventus Turin wurde er allein siebenmal Meister in Italien. Als Nationaltrainer der "Azzurri" blieb ihm allerdings der Traum vom Titel verwehrt. Bei der WM 2002 scheiterte das Team im Achtelfinale, zwei Jahre später schied Italien gar in der EM-Vorrunde aus. Mit Irland schaffte er immerhin die Qualifikation für die EM 2012, flog aber in der Vorrunde raus.

Der heutige Fußball ist Trapattoni zu schnelllebig. So bräuchte die italienische Nationalmannschaft nach der blamablen Nicht-Qualifikation für die WM vergangenes Jahr in Russland einfach "Zeit zum Wiederaufbau", sagt er. "Heutzutage tun alle so, als würden sich Erfolge in null Komma nichts einstellen. Aber man braucht Geduld." Geduld ist jedoch ein Fremdwort in der Erfolgwelt des geldgetriebenen Fußballs. "Der Fußball ist immer mehr zu einem Markt geworden, der riesige Investitionen anzieht", sagt Trapattoni über die Rekordtransfers, die für Spieler wie Cristiano Ronaldo gezahlt werden. "Ich fürchte aber, dass dadurch die erzieherischen Werte des Sports für die jungen Generationen verloren gehen."

Trapattoni ist heute ein Influencer

Für Trapattoni war der Fußball quasi eine Droge, bis er auch auf Druck seiner Frau den Job aufgab. Heute genieße er mit seiner Familie in seinem Geburtsort den Ruhestand. "Ich muss zugeben, dass ich als Trainer kein vorbildlicher Großvater war. Ich war immer unterwegs und auch wenn ich zuhause war, habe ich immer an Fußball gedacht. Jetzt versuche ich dagegen, diese Zeit zurückzugewinnen", erzählt er.

Heute wird er gemanagt - von seinem Enkel Riccardo Felici. Der hat ihm auf Instagram Follower-Zahlen beschert, die sonst nur erfolgreiche Influencer haben. Das Tornetz hat er mit fast 80 gegen das weltweite Netz getauscht. In kurzen Videos schmunzelt einen Trapattoni da an, ergraut, aber verschmitzt erzählt er in knappen Sätzen seine Lebensweisheiten. "Es überrascht mich immer mehr, wie diese Technologie dich sofort mit so vielen anderen Menschen in Kontakt bringt." Weil er und seine Frau mittlerweile nicht mehr viel reisen könnten, folge er Fußballkollegen eben in den sozialen Netzwerken: Lothar Matthäus oder Oliver Kahn zum Beispiel. Die vielen Fanbotschaften wolle er am liebsten alle beantworten, "aber es sind wirklich so viele".

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