HSV - zur Not in die Zweite Liga

Der Bundesliga droht der Verlust eines großen Stücks Tradition

Es war die letzte Augustwoche 1963. In der Bundesrepublik Deutschland startete ein Erfolgsmodell, das heute 48 Jahre alt ist: die Fußball-Bundedsliga. Nur ein einziger Klub ist seitdem ununterbrochen vertreten: Der Hamburger SV.

Hamburger SV - Michael Oenning
Hamburger SV - Michael Oenning Quelle: dapd

Charly Dörfel schoss beim 1:1 in Münster das erste Tor der HSV-Ligageschichte. Seitdem hat dieser Verein über die Jahre sehr viel zum guten Ruf und der Attraktivität der höchsten deutschen Spielkasse beigetragen. Stars wie Uwe Seeler, Horst Hrubesch, Manfred Kaltz, Felix Magath oder Uli Stein, schillernde Figuren im Vorstand wie Dr. Krohn oder Günter Netzer, einzigartige Trainer wie Branco Zebec oder Ernst Happel.

Umbruch unabdingbar

Auch deshalb wird die heutige Situation in Hamburg nicht nur an der Elbe, sondern landesweit mit Sorge verfolgt. Der Bundesliga droht der Verlust eines großen Stücks Tradition. Der eigene Anspruch, abgeleitet von früheren Erfolgen, verführte in den letzten Jahren zur Großmannssucht. Teure Spieler, die keine Mannschaft bilden konnten oder wollten, jeder war sich selbst der Nächste. Dazu kamen finanzielle Probleme.


Der jetzt eingeleitete Umbruch war dringend nötig. Man sollte diesen Weg mit Sympathie begleiten, auch wenn die Erfolge noch ausbleiben. Zur Not findet die Konsolidierung eben in der 2. Liga statt. Siehe Hertha BSC.

Fehler über Fehler

Diskussionswürdig ist allerdings die Art und und Weise der Renovierung. Es war ein Fehler, einen Sportdirektor Frank Arnesen aus England zu holen, der zwar über einen guten Namen verfügt, aber den deutschen Fußball nur aus der Ferne und am Rande beobachtet hat. Fast ausschließlich Talente von seinem ehemaligen Arbeitgeber Chelsea zu verpflichten, zeugt nicht von einem fein gesponnenen Netz nationaler oder internationaler Kontakte.

Hier sei ausdrücklich das Gegenbeispiel Borussia Dortmund genannt. Auch der BVB musste sein Haus kernsanieren. Und man hat das mit Michael Zorc betrieben, der jede Etage in- und auswendig kannte. Dazu kommt, dass Michael Oenning, trotz hoher Fachkompetenz, bislang lediglich ein Trainertalent ist, ganz am Anfang seiner Laufbahn. Mit seiner Entlassung hat nun die gebräuchliche Konsequenz der Branche bei Misserfolg stattgefunden. Sie ist aber möglicherweise nur ein kleiner Mosaikstein im Sanierungsfall HSV.

Apathie statt Aufbruchstimmung

Fragwürdige Kaderzusammenstellung und ein Bundesliganeuling als Manager: Das sind weitere Zutaten, die den Klassenerhalt gefährden. Offenbar haben sich die Fans schon still und leise mit dieser Möglichkeit abgefunden. Nach dem unterirdischen Auftritt gegen Gladbach gab es nicht einmal mehr Pfiffe. Es herrscht nur noch Apathie. Stille im eigenen Stadion. Es ist die Höchststrafe.

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