Instinkt-Fußballer fehlt in Südafrika

Das Knie bremst Simon Rolfes immer wieder aus

Simon Rolfes hat eine steile Karriere hinter sich - sein Ziel war die WM 2010. Doch daraus wird nichts. Der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen musste Bundestrainer Löw verletzungsbedingt absagen. Am Samstag ist er Gast im "aktuellen sportstudio".

"Die besten Szenen, die ich in einem Spiel habe", charakterisiert Rolfes sich selbst, "passieren immer aus dem Instinkt heraus." Im Grunde sei er so etwas wie ein "Fußball-Indianer". Ohne viel zu überlegen, aus dem Bauch heraus - und doch sicher und abgeklärt: Das kennzeichnet die Spielweise von Simon Rolfes. Doch der Bayer-Profi ist verletzungsanfällig.

Traum ist geplatzt


In Topform hätte Rolfes der deutschen Nationalmannschaft in Südafrika sicher weiterhelfen können, gerade auch nach den Ausfällen von Kapitän Michael Ballack und Christian Träsch. Doch der Bayer-Sechser, als feste Größe beim DFB-Team eingeplant, sagte Anfang Mai dem Bundestrainer ab.

Der 28-Jährige war Ende Januar wegen eines Knorpelschadens am rechten Knie operiert worden, ging danach acht Wochen an Krücken, ehe er wieder leichtes Muskelaufbautraining absolvieren konnte. An Lauftraining, geschweige denn Arbeit mit dem Ball, war gar nicht zu denken. Mittlerweile läuft Rolfes zwar wieder, die WM ist für ihn aber kein Thema mehr.

Fokus auf die kommende Saison

Nach dem Gespräch mit Löw sagte der Defensiv-Spezialist, der seinerzeit Torsten Frings aus der Nationalmannschaft verdrängt hatte: "Ich bin mit dem Heilungsverlauf sehr zufrieden. Aber bei dem Zeitplan ist es jetzt endgültig klar, dass die WM-Teilnahme für mich keinen Sinn ergibt. Mein Plan sieht nun so aus, dass ich bis zum Beginn der neuen Bundesliga-Saison voll belastbar sein möchte."

Die Absage für die WM sei ihm nicht leicht gefallen, so Rolfes, dessen Höhepunkt seiner Nationalmannschaftskarriere bis jetzt die Teilnahme an der EM 2008 war, wo er an der Seite von Thomas Hitzlsperger als Doppelsechs überzeugt hatte. "Es bleibt mir jetzt nichts anderes übrig, als der Nationalmannschaft viel Erfolg in Südafrika zu wünschen."

Unheimlich torgefährlich


"Mini-Ballack" hatte ihn seinerzeit Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler getauft, als Rolfes in der Saison 2005/06 von Alemannia Aachen zum Werksklub wechselte und sich damit seinen großen Traum Bundesliga erfüllte. Der Spitzname kommt nicht etwa von der optischen Ähnlichkeit mit dem Nationalmannschaftskapitän, sondern von der ähnlichen Spielweise, von der "unheimlichen Präsenz auf dem Platz", wie Völler es formuliert.

Eine weitere Parallele zwischen den beiden ist laut Völler, dass sie "immer wieder ihre Chance zum Torabschluss suchen". Das ist jetzt eine Weile her, die Vergleiche mit Ballack haben abgenommen, die Fähigkeiten des Simon Rolfes aber nicht. Die Torgefährlichkeit macht Rolfes, der zuvor für Werder Bremen und Aachen spielte, zur Stütze der Werkself.

Defensiv stark

Das macht ihn auch für seinen Trainer Jupp Heynckes nahezu unentbehrlich. "So wie Simon Rolfes trainiert, kommt kein Trainer der Welt an ihm vorbei", sagte Heynckes einst. Denn die Defensive ist für den alten Trainerfuchs das Mittel zum Erfolg. Und Rolfes mit seinem Spielverständnis, der defensiven Abgeklärtheit und der offensiven Begabung passt genau in sein taktisches Schema.


Wenngleich er fast die gesamte Vorbereitung der Saison 2009/2010 wegen einer Knieverletzung verpasste, kam er schnell wieder in Form. Bis ihn erneut eine Knieverletzung stoppte. Ausgerechnet beim Fitnesstest der Nationalmannschaft Ende Januar verletzte er sich, musste operiert werden und fehlte die gesamte Rückrunde. Mit ein Grund, warum Bayer am Ende im Titelrennen nicht mehr mithalten konnte.

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