Sie sind hier:

Werner über St. Brown: "Er hat alles"

Der Ex-NFL-Profi im Interview

Björn Werner spielte drei Jahre selbst in der NFL. Im Interview spricht der frühere Football-Profi über den steinigen Weg in die Liga und die Chancen von Sportstudio-Gast Equanimeous St. Brown bei den Green Bay Packers.

Björn Werner
Björn Werner
Quelle: dpa

zdfsport.de: Sie waren einer der wenigen deutschen Spieler, denen der Sprung in die NFL gelang. Wie haben Sie das geschafft?

Björn Werner: Es gab damals ein internationales Programm, welches durch die NFL Europe gefördert wurde. Junge Talente hatten die Möglichkeit, an Privatschulen und Internaten an der Ostküste der USA zu gehen. Die sind eigentlich sehr teuer. Ich wurde aufgenommen und unterstützt. Anders hätte ich – der Junge aus Berlin-Wedding – das nicht finanzieren können.  Von da ging es über die Florida State University und den Draft in die NFL.

Wie schwer ist der Weg als deutscher Spieler in die amerikanische Profiliga?

Sehr schwer. Der amerikanische Weg ist schon verdammt schwierig. Es gibt eine Million Highschool-Football-Spieler und nur ein Prozent davon schafft es aufs College. Von den 120 Colleges mit je rund 85 Spielern im Team schaffen es wiederum nur ein Prozent in die NFL. Als Deutscher ist der Weg noch viel schwerer. Mit allen Spielern, auch denen, die nicht aus Deutschland kommen, sondern nur einen deutschen Pass haben wie Equanimeous, sind es vielleicht um die zehn, die es überhaupt geschafft haben.

Björn Werner bei den Indianapolis Colts
Björn Werner im Trikot der Indianapolis Colts
Quelle: imago/Icon SMI

Equanimeous St. Brown beschritt den gängigen Weg über das College in die NFL. Er hätte noch ein Jahr länger auf dem College Notre Dame spielen können. Kam die Anmeldung für den Draft zu früh?

Im Nachhinein kann man natürlich sagen, es war vielleicht eine Fehlentscheidung. Hätte er noch ein Jahr gewartet, wäre er auf jeden Fall früher gedraftet worden. Aber er ist jetzt bei den Packers, einem der besten Teams der Liga. Mit Aaron Rodgers hat er einen der besten Quarterbacks in der Mannschaft. Davon träumt jeder Receiver.

Waren Sie erstaunt, dass er erst so spät gedraftet wurde?

Ein bisschen schon. Er hat eigentlich alles, was man als Wide-Receiver braucht: Er ist groß und kräftig, sehr schnell und hat gute Hände.

In der ersten Saison kam er nun auf zwölf Einsätze, hatte 21 Receptions für 328 Yards. War das eine gute Rookie-Saison?

Die erste Saison war auf jeden Fall okay. Je später man gedraftet wird, umso niedriger sind die Erwartungen. Aber die Packers sind ein Team, das gerade jungen Spielern mehr Zeit gibt. Das ist nicht die Regel in der NFL. Normalerweise spielst du einmal schlecht oder bist verletzt - dann bist du sofort raus. Ich bin mir sicher: Wenn er weiter Gas gibt und verletzungsfrei bleibt, wird er noch eine Weile in Green Bay bleiben.

Was fehlt ihm noch, um Starter zu werden?

Er braucht einfach noch Zeit, um sich an die Geschwindigkeit in der Liga zu gewöhnen. In der NFL ist alles deutlich schneller als auf dem College. Mit einem Jahr Erfahrung wird er im nächsten Jahr sicher noch besser.

Die Qualität der Liga ist enorm hoch. Was benötigt ein Spieler, um lange bei diesem Konzert der Großen dabei zu sein und nicht gleich aus dem Kader zu fallen?

Mentale Stärke ist sehr wichtig. Als Spieler durchlebst du nicht nur Höhen, sondern auch viele Tiefen. Jeder Football-Spieler hat Verletzungen, von denen er sich zurückkämpfen muss. Außerdem benötigt man unglaublichen Ehrgeiz. Es gibt den Spruch: Es ist einfach in die NFL zu kommen, aber noch schwerer zu bleiben. Hört sich absurd an, da es nur wenige dorthin schaffen. Spieler mit sechs bis acht Jahren in der Liga haben eine lange Karriere hinter sich. Der Durchschnitt einer NFL-Karriere liegt bei gerade einmal drei Jahren.

Für deutsche Spieler ist der Weg noch steiniger. Sie haben das Projekt "Gridiron Imports" mit ins Leben gerufen. Wie genau helfen Sie damit talentierten Spielern?

Das Schwerste für uns Europäer ist der Sprung über den großen Teich. Die Talente haben nicht das nötige Geld, um es auf eine Highschool oder ein College zu schaffen. Wir helfen, genau diesen Weg einzuschlagen. Wir wollen den großen Talenten die Möglichkeit für diese Karriere geben. Was sie daraus machen, liegt an ihnen.

Haben Sie mit ihrem Projekt schon erste Erfolge erzielt?

Unser Programm existiert seit zwei Jahren, ist also noch recht jung. Um die zwölf Spieler haben es bisher auf ein College geschafft. Dort müssen sie sich zunächst beweisen. Die Jungs stehen noch am Anfang ihrer Karriere. Aber es ist wirklich schwer, bei jungen Talenten zu sagen: 'Das wird ein NFL-Spieler'. Im Football weiß man nie, wie sich ein Spieler über die Jahre weiterentwickelt, ob er verletzungsfrei bleibt oder einen Schub bekommt.  Wir können erst in ein paar Jahren ein erstes Fazit ziehen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.