"Kaiserin" Jones gibt sich die Ehre

Steffi Jones kommt ins "aktuelle sportstudio"

Im Fußball hat Steffi Jones alles erreicht: Sie ist Welt- und dreifache Europameisterin. Fast immer ging sie mit einem Lächeln vom Platz. Erfolgreich ist sie auch nach ihrer aktiven Karriere, als Chefin des Organisationskomitees der Frauen-WM 2011.

Als Spielerin des FFC Frankfurt wurde Steffi Jones einst vom ehemaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun mit Deutschland Fußball-Kaiser verglichen. "Steffi Jones auf dem Rasen zu sehen, das ist, als ob ich den jungen Franz Beckenbauer bewundern würde", sagte Braun damals.

In den Spuren des Vorbildes


Ein Vergleich, der schmeichelt, aber durchaus auch zutrifft. Denn nachdem Jone sdie Fußballschuhe an den Nagel gehängt hatte, tat sie es ihrem Vorbild gleich: Als Chefin des WM-Organisationskommitees und Botschafterin für den Frauenfußball holte sie die Frauen-WM nach Deutschland.


Deswegen wird sie auch heute noch oft als Kaiserin bezeichnet, ohne darüber glücklich zu sein: "Ich sehe einen Vergleich nur in Bezug auf meine Aufgabe als OK-Präsidentin. Den Ausdruck Kaiserin höre ich auch immer seltener. Nach der WM werde ich nicht mehr der weibliche Franz Beckenbauer sein, sondern Steffi Jones. Ich bin schon so selbstbewusst, meine eigene Identität zu haben."

Im Finale zugeschaut


Und daran arbeitet sie schon seit ihrem Amtsantritt im Januar 2008. Stephanie Ann Jones, Tochter eines US-Soldaten und einer Deutschen, wuchs unter schwierigen Verhältnissen im Frankfurter Problemviertel Bonames auf.


Sie kämpfte sich im Fußball bis in die Nationalmannschaft, war 2003 Weltmeisterin, auch wenn sie im Finale wegen eines Kreuzbandrisses draußen saß, dreimal Europameisterin und zweimal Olympia-Dritte. Ihren Lebensweg hat die 111-fache Nationalspielerin im Buch "Der Kick des Lebens" beschrieben.

Das Ziel ist noch weit weg


Mit der Aufgabe im Vorfeld der Frauen-WM begann ein neues Kapitel in ihrem Leben. "Das war und ist ein Lebensabschnitt, der einen prägt", sagte Jones. "Die Aufgabe hat mich vor allem auch menschlich weitergebracht. Für mich war das ein Reifeprozess. Ich habe sehr viel gelernt, wie beispielsweise Reden zu halten", sagte die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau.
Doch der Job hat auch seinen Preis. "Mit dem Privatleben ist es in dieser Zeit natürlich immer weniger geworden. Mein Bekanntheitsgrad hat sich gesteigert. Was aber gut ist, denn das wollen wir ja mit Blick auf den ganzen Frauenfußball", sagt die 38-Jährige.

Trotz der großen Anstrengungen hat Jones ihren Schritt an die OK-Spitze nie bereut. Doch nicht die persönliche Entwicklung, sondern ihre Mission steht für sie im Vordergrund. In ihre Rolle als Vorreiterin schlüpfte sie freiwillig: "Ich empfand mich ja schon vor meiner Berufung zur OK-Chefin zusammen mit etlichen anderen als eine Art Pionierin. Daher bin ich auch ein wenig stolz, dass wir inzwischen so weit sind. Der Frauenfußball ist längst noch nicht am Ziel."

Sommermärchen II nimmt Formen an

Jetzt läuft die WM und hat eine Begeisterung in Deutschland entfacht, die an das Sommermärchen 2006 erinnert. Sie habe noch kein Spiel ohne "La Ola" erlebt. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum Jones sich sogar nach ihrer aktiven Zeit im DFB-Trikot zurück sehnt: "Wenn ich drei Jahre jünger wäre, würde ich sofort zehn Kilo abspecken, damit ich nochmal ran darf."


Arbeitslos ist Jones nach der WM aber nicht: Sie wird Chefin einer neuen Direktion für Frauen- und Mädchenfußball im Deutschen Fußball-Bund (DFB) und tritt den Posten am 1. September 2011 an.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet