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Kampf um Platz 16: Aufbruch gegen Starre

Fußball-Bundesliga, 33. Spieltag

In diesem Fall lügt die Tabelle: Im Kampf um den Relegationsplatz in der Bundesliga liegt der VfL Wolfsburg noch zwei Punkte vor dem HSV. Aber während in Wolfsburg nach der Niederlage gegen die Hamburger Schockstarre herrscht, dominiert beim Liga-Dino Aufbruchstimmung.

Lewis Holtby (l.) und Christian Titz
Lewis Holtby (l.) und Christian Titz
Quelle: ap

Franz-Josef „Bubi“ Hönig ist mit 62 Toren immer noch sechstbester HSV-Torschütze aller Zeiten. Nach seiner Karriere hat es ihn wieder in seine Heimat in den Rheingau gezogen, doch sein Fußballer-Herz schlägt immer noch für die Raute, und sein ehemaliger Sturmpartner Uwe Seeler zählt immer noch zu seinen besten Freunden. Kein Wunder, dass die Hamburger ihn gern als Maskottchen beim Spiel bei Eintracht Frankfurt (Samstag, 15:30 Uhr) dabeigehabt hätten. „Aber das tue ich mir in meinem Alter nicht mehr an“, sagt Hönig zu zdfsport.de. „Das halten meine Nerven nicht aus. Ich gucke mir das Spiel gemütlich vor dem Fernseher an.“

Erster Sonderzug seit vier Jahren

Das werden mindestens 5000 andere HSV-Anhänger nicht machen und sich stattdessen auf den Weg an den Main machen. Erstmals seit vier Jahren hat der Supporters Club wieder einen Sonderzug gechartert, mit dem allein 800 Anhänger anreisen werden. „Unsere Fußball-Bundesligamannschaft braucht in den letzten beiden Saisonspielen jede erdenkliche Unterstützung“, verkünden die Supporters auf ihrer Website.

Vier Jahre – das ist nach den Worten von Mittelfeldspieler Lewis Holtby genau die Zeitspanne, in der der HSV keinen richtigen Fußball mehr gespielt hat. Für diese Aussage hat sein Trainer Christian Titz ihn zwar gerüffelt, sie trifft aber genau die Wahrnehmung der Fans, die plötzlich wieder eine Mannschaft mit Gesicht und Konzept sehen.

Mutige Entscheidung

Vor sechs Wochen hätte wohl keiner mehr von ihnen geglaubt, dass eine Mobilisierung für das Spiel in Frankfurt noch Sinn machen würde. Nach der 0:6-Niederlage bei Bayern München und der Entlassung von Trainer Bernd Hollerbach betrug der Rückstand auf den Relegationsplatz bereits sieben Punkte.

Dann traf die gerade vom neuen Aufsichtsratschef Bernd Hoffmann installierte Interims-Führung mit Finanzchef Frank Wettstein und Nachwuchschef Bernd Peters eine mutige Entscheidung. Statt wieder einen Feuerwehrmann zu holen, der mit kompaktem Kampfsport versucht, ein paar Pünktchen aufzuholen, verpflichtete sie einen Trainer, der sofort damit begann, den Fußball zu spielen, den die Anhänger von ihrem Klub sehen wollen.

Aus der Lethargie gerissen

Christian Titz übertrug die offensive, ballbesitzergreifende, kurzpass-orientierte Spielweise aus dem erfolgreich von ihm trainierten U23-Team auf die Profis. Er scheute sich nicht, Stammkräfte wie Mergim Mavraj und André Hahn, die er dafür nicht geeignet hielt, zurückzustufen. Dafür zog er die passenden jungen Spieler hoch oder holte sie vom Abstellgleis, wie Matti Steinmann oder Lewis Holtby.

Nach etwas holprigem Auftakt führte der neue Stil nicht nur zur Aufholjagd, sondern riss auch die Fans aus ihrer Lethargie. In der stecken nun dagegen die Anhänger des VfL Wolfsburg fest. Die Niederlage gegen den HSV am letzten Samstag liegt immer noch wie Mehltau über Stadt und Verein. Noch beträgt der Vorsprung auf den HSV zwar zwei Punkte, aber wesentlich schwerer wiegt, dass der Trainer und die Mannschaft nichts ausstrahlen, was in die Zukunft weist.

Führungschaos und Abschottung

Im Gegenteil: Das, was die Wölfe auf den Platz bringen, wirkt wie eine Verlängerung des Führungschaos, das sich ausgerechnet dieser konzerngesteuerte Klub in den letzten Wochen leistet. Vor den Augen der Öffentlichkeit platzten in der entscheidenden Saisonphase die Verhandlungen mit Horst Heldt, dem Wunschkandidaten für den vakanten Posten des Sportvorstandes. Unmittelbar danach wurde der mit-blamierte Sportchef Olaf Rebbe entlassen.

Für die Vorbereitung aufs Spiel in Leipzig (Samstag, 15:30 Uhr) schottet Trainer Bruno Labbadia das Team in einem Trainingslager in Thüringen ab – ein Modell, mit dem er vor zwei Jahren beim HSV schon mal erfolgreich war. Sogar die von der DFL vorgeschriebene Spieltagspressekonferenz am Donnerstag sagte Labbadia ab, um die nötige Ruhe zu finden. Die Kraft, in die sie am Samstag umschlagen soll, muss die Mannschaft aus sich schöpfen.

Küstenduell in der Relegation?

Bislang gibt es keine Anzeichen für ein Aufbäumen der Fans. Wer von ihnen nicht in Schockstarre verfallen ist, machte seinem Unmut Luft - nach dem Spiel gegen den HSV oder tags darauf beim Training. Anders sieht es ausgerechnet beim Gegner aus Leipzig aus: dessen Anhänger rufen zum Fanmarsch auf, um ihre Ziele, die Champions League, noch zu erreichen. „Arsch hoch für Europa“, lautet das Motto.

Falls der HSV den Hintern doch noch rechtzeitig hochbekommen hat, wird ihn die Relegation möglicherweise zu Holstein Kiel führen, dem Klub, der Bubi Hönig vor 54 Jahren vom Rheingau an die Küste holte. „Dann komme ich zum Spiel“, verspricht er, „entweder nach Kiel oder nach Hamburg.“

Der Spieltag im Überblick

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