Kölner Krisenherde

Soldo ist weg - Jetzt sind die Bosse in der Pflicht

Zvonimir Soldo ist entlassen! So bitter das klingt, es wurde höchste Zeit, dass sich in Köln etwas bewegt. Doch um das gleich klarzustellen: Soldo ist ganz gewiss ein absoluter Fußballfachmann. Aber, Soldo passte einfach nicht zum FC!

Wahrscheinlich, weil Soldo ein ruhiger, höflicher, angenehmer Geselle in diesem manchmal doch von allen guten Geschmäckern verlassenen Fußballgeschäft ist.

Der FC ist eine Herzensangelegenheit

Und damit sind wir schon bei den eigentlich Verantwortlichen der Kölner Misere. Die Frage muss erlaubt sein: Was macht eigentlich Wolfgang Overath? Keiner transportiert das "höchste Gut" des 1. FC Köln besser als der Präsident, nämlich Tradition. 409 Bundesligaspiele für seinen geliebten FC, wer weiß besser als Overath, dass dieser Verein eine Herzensangelegenheit ist? Ganz sicher er, Identifikationsfigur Lukas Podolski und natürlich die Fans.


Ich weiß wovon ich rede. Als gebürtige Rheinländerin gehörte mein Fußballherz seit den 70-ern diesem Klub, also seit jener Zeit, in der Wolfgang Overath als genialer Spielmacher Köln, der Bundesliga und auch dem internationalen Fußball besonderen Glanz verlieh.

Präsident ohne Präsenz

Für meinen Geschmack ist der Präsident zu wenig präsent. Inwieweit er die offensichtlich verfehlte Personalpolitik der letzten Jahre mitzuverantworten hat, bleibt rätselhaft. Klar ist jedoch: sowohl aktives Handeln, als auch passives Beobachten waren falsch.

Unbegreiflich, warum die regionalen Besonderheiten wie Tradition, Leidenschaft und Emotionalität so gar nicht berücksichtigt wurden. Diese tollen Narren - im positivsten Sinne - auf den Rängen haben diesen langweiligen, inspirationslosen Fußball einfach nicht verdient.

Ohne Konzept und Struktur

Lukas Podolski als alleinigen Heilsbringer zu präsentieren, war nicht nur fahrlässig, sondern auch eine Art Mogelpackung. Podolskis Kritik, dass beim FC keine Struktur erkennbar sei, trifft aus meiner Sicht den Kern. Eine Spielphilosophie, auf die das kickende Personal zugeschnitten wird, ist nicht erkennbar.


Stattdessen liegen alternde, mittelmäßige ausländische Profis ohne jegliche Identifikation dem Klub auf der Tasche. Die jüngsten Eskapaden um Novakovic oder Mondragon beschreiben diesen Umstand recht anschaulich.

Kampfgeist statt Glanz und Gloria

Ganz ehrlich: die gefühlten acht, neun Spiele des FC, die ich saisonübergreifend in den vergangenen Monaten gesehen habe, waren schrecklich. Allein die fehlende Qualität - unabhängig von der Punkteausbeute - hätte den Verantwortlichen viel früher die Augen öffnen müssen. So emotionslose Alibi-Darbietungen haben die fantastischen Kölner Fans nicht verdient.

Dann lieber mal mit wehenden Fahnen untergehen, dafür aber mutigen Offensivfußball bieten, so ist die Meinung der meisten Anhänger, denen die eingeschränkten Möglichkeiten ob der klammen Finanzlage durchaus bewusst sind. Keiner verlangt hier Glanz und Gloria, Titel und Triumphe - aber eben Leidenschaft und Kampfgeist.

Chefs in der Pflicht

Nun ist der ruhige, zuweilen stoische Soldo also weg. Bleibt die Frage nach der Gesundung der Chefs. Präsident Overath muss endlich Konturen zeigen, indem er häufiger Meinung darstellt. Und Manager Michael Meier sollte einsehen, dass auch er mit seiner öffentlichen Schönrederei maßgeblich verantwortlich war für Kölns fatale Außendarstellung.

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