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"RB Defensiv": Rangnicks Spätwerk bei RB Leipzig

Bundesliga: Leipzig - Hertha

Die Betonabwehr steht: Ralf Rangnick hat RB Leipzig nach der Toreflut der Vorsaison zu einem der abwehrstärksten Teams Europas ummedelliert. Doch vor dem Topspiel gegen Hertha forderte der 60-Jährige nun erstmals wieder mehr Offensivgeist ein.

Fußballtrainer Ralf Rangnick
Ralf Rangnick
Quelle: dpa

Um den Erfolg von RB Leipzig in dieser Saison zu beschreiben, genügen zwölf Buchstaben, drei kurze Worte: Gegen. Den. Ball.

Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick wiederholt das Motto dieser Spielzeit mantrahaft vor und nach jeder Partie. Das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft ist aktuell das Prunkstück bei Rasenballsport und Erfolgsgarant beim Dritten der Fußball-Bundesliga.

Kein Team im Fußball-Oberhaus führt im Schnitt mehr Zweikämpfe (121 pro Spiel) und gewinnt davon mehr (52,5 Prozent).

Europäische Spitze

Das Salzburg-Spiel hatte generell Einfluss auf das Zusammenwirken aller Spieler, sowohl im Training, auf dem Platz, als auch außerhalb.
Ralf Rangnick

Mit lediglich 20 Gegentoren gehören die Leipziger zur europäischen Spitze. Aus den großen fünf Ligen Europas haben nur Paris St. Germain (16), der FC Liverpool (18), Juventus Turin und Atletico Madrid (beide 19) bislang noch weniger Gegentore kassiert.

Vor dem Topspiel gegen Hertha BSC an diesem Samstagabend (18.30 Uhr/ erste Free-TV-Bilder im aktuellen sportstudio ab 23 Uhr) erinnerte sich Rangnick noch einmal daran, wie das Team die neue Defensivorder schmerzlich verinnerlichte.

Salzburg-Spiel als negatives Aha-Erlebnis

Nach dem bitteren 2:3 in der Europa League gegen den Schwesterklub aus Salzburg hatten sich Mannschaft und Trainer auf die radikale Umsetzung der Rangnickschen Pressing-Taktik eingeschworen. "Das Salzburg-Spiel hatte generell Einfluss auf das Zusammenwirken aller Spieler, sowohl im Training, auf dem Platz, als auch außerhalb", erklärte der Chefcoach.

Ein "negatives Aha-Erlebnis" sei das gewesen, "durch das jeder gemerkt hat, dass wir so nicht weiterspielen können". Nach diesem Schockmoment entwickelte sich in der Mannschaft "eine Grundmentalität, dass die Jungs richtig Spaß am Ballerobern haben".

Mehrkampf statt Zweikampf

Seit dem Erweckungserlebnis musste das Team nur noch 13 Gegentreffer in 23 Bundesligapartien hinnehmen.

Das hängt zum einen mit der bedingungslosen Bereitschaft zum aufopferungsvollen Defensivverhalten zusammen. Rangnick brachte jüngst die Vokabel "Mehrkampf" ins Spiel, da der gängige Begriff Zweikampf oft zu kurz greift, um zu beschreiben, wie geschlossen die Leipziger den ballführenden Gegner attackieren.

Dazu kommt die individuelle Topform der Leipziger Abwehrspieler. Und das, obwohl der Beste – Dayot Upamecano – seit Ende Januar mit einer Knochenprellung im Knie ausfällt.

Rangnick auf den Spuren von Stevens

Aktuell, glaubt Rangnick, gebe es keinen Spieler in der Mannschaft, "auch nicht Emil Forsberg", der nicht auch sagt, dass die Konzentration auf die Beton-Abwehr der richtige Weg sei. "Wir wären ja bescheuert, wenn wir diesen Weg in den letzten zwei Monaten wieder ändern würden", sagte Rangnick.

Zwar hatten seine Teams immer eine ordentliche Abwehr, doch 20 Gegentore zum aktuellen Zeitpunkt der Saison sind auch für Rangnick Rekord. So defensiv ließ der Taktik-Tüftler noch nie spielen. Wenn man so will, ist es das Spätwerk des gereiften Rangnick, dessen "Die-Null-muss-stehen"-Fußball Züge von Huub Stevens trägt.

Mehr Offensive gegen Hertha

Doch auch Rangnick weiß, dass die jüngsten Arbeitssiege und zähen Remis nicht immer schön anzusehen waren. Zu Hause etwa erzielten die Leipziger im Jahr 2019 erst ein einziges Tor, da die Gegner wie zuletzt Augsburg teils mit einer Sechserkette verteidigten und RBL zu wenig Lösungen dagegen hatte.

Da gegen Hertha nun unbedingt der erste Heimsieg in diesem Jahr her soll, forderte Rangnick von seinem Team ausnahmsweise auch eine Prise mehr Offensivgeist als zuletzt üblich ein: "Es geht darum, noch mehr Möglichkeiten herauszuspielen, noch mehr Balleroberungen zu schaffen und somit die Zahl und Qualität der Torchancen zu erhöhen." Rangnick räumte ein: "In den Umschaltmomenten haben wir noch Luft nach oben: Spiele ich den Pass oder schieße ich? Sehe ich den besser postierten Mann oder nicht? Da können wir noch besser werden."

"Ein 1:0 am wertvollsten"

Dass sich in Winter-Zugang Amadou Haidara, Emil Forsberg und Bruma nach Verletzungen und Formtiefs gleich drei Spielmacher auf dem Weg zurück zu alter Topform befinden, spricht dafür, dass sich RB im Endspurt um die Champions-League-Qualifikation auch im Spiel nach vorn wieder steigert. Doch für Rangnick hat das nur nachrangige Bedeutung. Vor dem Duell gegen die Berliner betonte er noch einmal: "Die 1:0-Siege sind die wertvollsten. Die Höhe spielt am Ende keine Rolle."

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