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Der Wegbereiter

Para-Sportler Markus Rehm

Prothesen-Weitspringer Markus Rehm ist der erste Para-Sportler, der mit der Weltspitze der Nicht-Behinderten mithalten kann. Das hat ihm viele Diskussionen eingebracht, aber auch eine Vordenkerposition. Am Samstag kommt er ins Sportstudio.

Markus Rehm - Aktion im Weitsprung
Markus Rehm
Quelle: dpa

Anfang Juli hat Markus Rehm erst wieder einen Weltrekord aufgestellt. Der unterschenkelamputierte Para-Weitspringer vom TSV Bayer 04 Leverkusen hat seine eigene Bestmarke von 8,40 Metern auf 8,47 Meter gesteigert. Auch ohne Beinprothese sind nur drei Deutsche bislang jemals weiter gesprungen als er: Lutz Dombrowski 1980 in Moskau (8,54 Meter, Deutscher Rekord), Sebastian Bayer 2009 in Ulm und Christian Reif 2014 in Weinheim (beide 8,49 Meter). Aber diese Leistungsfähigkeit hat dem 29-jährigen Orthopädiemechaniker nicht nur Bewunderung eingebracht, sondern auch reichlich Kritik.

Auf Augenhöhe mit den Weltbesten

Rehm beschrieb das kürzlich in einem Spotify-Interview mit Christian Bischoff so: Erst sei ihm sehr viel Bewunderung entgegengeschlagen. "Toll, wie du springen kannst", habe es geheißen. Bis er den nicht-behinderten Profis davonflog. Denn anders als der südafrikanische "Blade-Runner" Oscar Pistorius schafft Rehm nicht nur internationale Normen, sondern springt auch auf Augenhöhe mit den Besten der Welt. Er hat das Potential, ihnen die Goldmedaillen streitig zu machen. "Auf einmal war es ein Problem. Plötzlich wurde mir nicht mehr auf die Schulter geklopft, sondern ich wurde mit Kritik überhäuft", so Rehm. Seine elastische Carbon-Prothese verschaffe ihm einen Vorteil gegenüber Athleten mit zwei gesunden Beinen, hieß es.

Und als Rehm dann 2014 bei den Deutschen Meisterschaften der Nicht-Behinderten mit 8,24 Metern vor dem ehemaligen Europameister Christian Reif (8,20 Meter) gewann, kochten die Diskussionen so richtig hoch. Rehm hatte die Qualifikationsnorm für eine EM-Teilnahme erfüllt, doch der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) nominierte ihn nicht für die Titelkämpfe in Zürich. Es bestünden "deutliche Zweifel" daran, dass Sprünge mit und ohne Beinprothese vergleichbar seien. Ende des Jahres änderte der DLV seine Regeln: Seither dürfen Behindertensportler bei erfüllter Norm zwar an Deutschen Meisterschaften teilnehmen, werden aber getrennt gewertet.

Vergleichbarkeit ist schwierig

Die Diskussionen rund um Rehm hielten an und beruhigten sich erst, als er im Sommer 2016 die Ergebnisse einer internationalen, wissenschaftlichen Studie vorstellte, die zu dem Ergebnis kam: Es gibt keinen klaren Vorteil für Rehm, aber die Vergleichbarkeit der Sprünge mit Prothese und ohne ist schwierig. Seither ist es ruhiger geworden um den Para-Weltrekordler. Er sagte im Interview mit Bischoff: "Diskussionen hin oder her, mein Ziel ist es, den Menschen zu zeigen, was man mit einem Handicap erreichen kann. Das ist mein Weg, meine Mission." Die nächste große Gelegenheit dazu hat er bei den Europameisterschaften der Para-Leichtathleten vom 20. bis 26. August im Jahnstadion in Berlin.

Markus Rehm war 14 Jahre alt, als sich sein Leben dramatisch änderte. Durch einen Wakebord-Unfall verlor er den rechten Unterschenkel. Anschließen habe er oft gehört, was er alles nicht mehr können werde, so Rehm. Doch für ihn sei das immer nur Motivation gewesen, es erst recht zu schaffen. Ein halbes Jahr nach dem Unfall stand er mit Prothese auf dem Snowboard, ein Jahr danach wieder auf dem Wakeboard. Und als er 19 Jahre alt war, lockte ihn der Leverkusener Behindertensportler Heinrich Popow zum TSV Bayer 04 - das war Rehms Beginn einer großen Karriere in der Para-Leichtathletik. Er wurde hierzulande zum Vordenker, und so haben in diesem Jahr einige seiner Kollegen ganz selbstverständlich an den Deutschen Meisterschaften der Nicht-Behinderten in Nürnberg teilgenommen.

Die Prothese als "Besonderheit"

Über seine Prothese sagt Rehm inzwischen: "Ich sehe sie heute als Besonderheit." Als ein Teil seiner selbst. Und nicht als Behinderung. Oft werde er gefragt, ob er seine Medaillen gegen sein gesundes Bein eintauschen würde. Die Antwort sei, betont Rehm: "Ganz klar nein!" Lieber träumt er weiter von diesem Ziel: "Vielleicht mal auf der internationalen Bühne, vielleicht mal bei einer großen Weltmeisterschaft gemeinsam mit den nicht-gehandicapten Profiathleten zu springen und möglicherweise den einen oder anderen zu ärgern."

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