Mit dem "Mad Dog" Richtung Europa

Emanuel Pogatetz ist Hannovers Abwehr-Säule

Als Emanuel Pogatetz zu Saisonbeginn vom FC Middlesbrough zu Hannover 96 wechselte, haftete ihm der zweifelhafte Ruf eines Raubeins an. Doch der Österreicher avancierte schnell zum Abwehrchef und ist einer der Garanten für Hannovers Höhenflug.

Es war ein Glücksgriff von Hannovers Sportchef Jörg Schmadtke, den ablösefreien Pogatetz aus der englischen zweiten Liga nach Niedersachsen zu holen. Mit dem Weltenbummler und "harten Hund" Pogatetz kam endlich wieder Stabilität in die gebeutelte Defensive des damaligen Fast-Absteigers, die Statistiken sowie der aktuelle Tabellenplatz sind der klare Beleg dafür.

Stabile Abwehr als Erfolgsgarant


In 18 von bislang 24 Saisonspielen stand Pogatetz für Hannover auf dem Platz, dabei gab es zwölf Siege, zwei Unentschieden und nur vier Niederlagen. In den sechs Spielen, die der Österreicher wegen Sperre oder verletzungsbedingt fehlte, setzte es vier Niederlagen - und es gab fast so viele Gegentore (14) wie in den 18 Spielen mit ihm (17).

Zudem stellte Hannover in den letzten beiden Spielzeiten jeweils die anfälligste Abwehr der Liga (67 bzw. 69 Gegentreffer nach 34 Spieltagen). In dieser Saison ist das ganz anders: Lediglich 31 Gegentore haben die Roten bislang auf ihrem Konto. Mit ein Verdienst von Pogatetz.

Lautstark und kompromisslos

"Wenn ich mich charakterisieren müsste, würde ich sagen: Ich bin ein Leader. Allerdings gebe ich hier in Hannover nicht den Ton an", beschreibt sich der Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft im Interview mit dem Magazin "11 Freunde" selbst. Wer Pogatetz auf dem Platz beobachtet, merkt schnell: Der Österreicher weiß, was er tut. Kopfballstark, kompromisslos im Zweikampf, lautstark in der Organisation seiner Abwehr, immer mit dem Blick für den Gegner und den eigenen Mitspieler.


Dass Pogatetz kein Kind von Traurigkeit ist, belegt sein bisheriger Werdegang. Und auch sein Spitzname, der ihm in England verpasst wurde, spricht Bände: "Mad Dog" wurde der Abwehrmann bei Middlesbrough genannt. Und der "verrückte Hund" kommt nicht von ungefähr. "Ich liebe das Toreverhindern - so wie andere es lieben, Tore zu schießen", sagte Pogatetz einst im Interview mit der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

Beinharter Verteidiger

Und das macht er mit Bravour, wenngleich auch ohne Rücksicht auf Verluste. "Ich bin ein unangenehmer Gegenspieler", sagt der gebürtige Grazer. Wie unangenehm, das bekam einst ein russischer Gegenspieler im Jahre 2005 zu spüren. Im Trikot von Spartak Moskau, wohin er damals ausgeliehen war, fügte Pogatetz seinem Gegner Kharitonskij einen doppelten Beinbruch zu. Daraufhin wurde er vom russischen Verband zunächst für 24 Pflichtspiele gesperrt, das Strafmaß wurde aber später nach einer Anhörung auf drei Pflichtspiele reduziert.

Doch wer austeilt, kann auch einstecken. Mehrere Gesichtsverletzungen sowie ein Jochbeinbruch im UEFA-Cup-Halbfinale 2006 (nach Zusammenprall mit dem damals noch für den FC Basel spielenden Mladen Petric) hat er in seiner Krankenakte stehen, dazu einen Knorpelschaden im Knie aus dem Jahr 2007. Dieser verhinderte seinen Wechsel zum AS Rom, nicht aber, dass der Abwehrrecke wieder zurückkam und nun bei Hannover den Chef der Defensive gibt.

Umgewöhnung an die Bundesliga


In Hannover fühlt sich "Mad Dog" mittlerweile sehr wohl, versteht sich mit seinen Mannschaftskameraden gut, und auch an die Spielweise in Deutschlands Eliteklasse hat er sich nach einigen Startschwierigkeiten inzwischen angepasst. "Vor allem bei Kopfballduellen musste ich mich erst an das schnelle Pfeifen der deutschen Schiedsrichter gewöhnen. Ich war es gewohnt, mich mit voller Wucht in den Ball zu werfen", so Pogatetz.

Dabei kennt er die Bundesliga noch von früher. In den Jahren 2001/'02 stand Pogatetz bei Bayer Leverkusen unter Vertrag, konnte sich aber nicht durchsetzen und machte kein einziges Spiel für Bayer. Jetzt ist er wieder da, und in der Form wäre er sicherlich auch ein Kandidat für Bayers Startelf. Doch diese Zeit ist vorbei: Jetzt ist er mit Hannover auf Europa-Kurs und Bayers ärgster Verfolger. Und am Samstag zu Gast im "aktuellen sportstudio".

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