Mit irdischen Mitteln bis ganz nach oben

Magath kann gar auf göttlichen Beistand gänzlich verzichten

Stellen wir uns vor: Der Fußballgott, der seit 52 Jahren einen Bogen um Gelsenkirchen macht, stattet Felix Magath einen Besuch ab und bietet ihm für 2010 den Titel an. Und einen neuen Rasen zum Bayern-Spiel gleich dazu. Doch Magath lehnt dankend ab.

Schalke-Trainer Felix Magath
Schalke-Trainer Felix Magath Quelle: dpa

Der Schalke-Coach nimmt die Geschenksankündigung gleichmütig zur Kenntnis und antwortet dem verdutzten Heiland: "Wer hat Sie geschickt? Uli Hoeneß? Wir brauchen keinen Beistand!"

Magath wittert überall Gefahren

ZDF-Sportreporter Boris Büchler
ZDF-Sportreporter Boris Büchler Quelle: ZDF


Der Fußball-Gott ist sichtlich schockiert. Mit soviel Kühle und Misstrauen hätte er nicht gerechnet und macht sich enttäuscht auf den Heimweg. Magath ruft ihm noch schroff hinterher: "Und lassen sie bloß den Rasen in Ruhe! Der bleibt jetzt bis zum Ende meines Vertrags liegen! Da wird bis 2013 nicht ein Grashalm mehr erneuert! Basta!"


Diese fiktive Geschichte ist im Grunde genommen völliger Quatsch. Aber sie zeigt ein wenig, wie Magath wirklich tickt: Er wittert im Berufsleben überall Gefahren, Verschwörungen, glaubt nicht an Zufälle und glückliche Fügungen. Magath vertraut in erster Linie nur sich selbst, seiner eigenen Stärke.

Spätestens seit er bei den Bayern trotz des doppelten Double-Gewinns vom Hof gejagt wurde, hat Magath erkannt, dass man sich in dieser Branche nur selbst helfen kann. Seitdem schlummert in ihm eine Art "Rache-Gen". Er wird dies nie öffentlich zugeben, aber es scheint für ihn eine innere Freude zu sein, das teure Starensemble der Bayern mit bescheidenen finanziellen Mitteln zu demütigen.

Münchner Ballett der Verfehlungen

Jene Münchner, die nach zwei Pleiten nun mit dem Rücken zur Wand stehen. Schalke dagegen steht ganz oben. Magaths Aussagen nach dem 2:0-Triumph bei Bayer stehen aber im fundamentalen Missverhältnis zum Ist-Zustand der Mannschaft. Schalke ist Erster, doch was macht Magath? Er nimmt das Wort Meisterschaft bewusst nicht in den Mund und lässt sich lieber über die kleinen und relativ unwichtigen Systemfehler im Bausatz der Königsblauen aus ("Wir sind nicht gut in die zweite Halbzeit gestartet"). Felix Magath spielte schon immer gerne mit den Absurditäten des Fußballs. So spricht er seinen Spielern sogar immer noch die Titelreife ab. Eine Tiefstapel-Taktik, die er auch schon in Wolfsburg praktiziert hatte.

Was sie in diesen Tagen bei den Bayern mit großer Sorge wahrnehmen sollten, ist Magaths unaufgeregtes Auftreten, seine taktische Cleverness und seine große Erfahrung im Titelkampf. In München, wo die lange Zeit heile Rückrunden-Existenz auf der Kippe steht, droht es ein besonders grauer Frühling zu werden: Denn innerhalb weniger Tage droht nicht nur das Aus in der Königsklasse, sondern auch ein Hinterherhecheln im Titelkampf.

Das nächste Treffen auf dem Acker

Bei einem Sieg am kommenden Samstag wäre Magath fünf Punkte vor den Bayern, was einer Vorentscheidung gleichkäme. Und auf die Münchner wartet jetzt ausgerechnet eines der besten Teams der Welt: Manchester United. Und mit dieser Zusatzbelastung in den Gliedern geht es dann wenige Tage später zu den Magath-Schützlingen, die acht Tage regeneriert haben und die einen Rasen haben, der landwirtschaftlicher Nutzfläche gleicht und der für reichlich Zündstoff gesorgt hat. Sämtliche Würdenträger des nationalen Fußballs hatten den Untergrund als unwürdigen "Acker" bezeichnet. Nicht auszudenken, wie die Bayern-Bosse reagieren werden, sollten sie wegen des maladen Platzes am Ostersamstag in der Schalker Arena verlieren.

Zum Schluss noch die nächste Episode der erfundenen Geschichte: Felix Magath, der in München wohnt und nach den Spielen direkt nach Hause fliegt, trifft den Fußball-Gott in einer Gastwirtschaft am Stadtstrand der bayerischen Metropole wieder. Es ist Ostersonntag, der Tag nach dem 1:0-Sieg gegen die Bayern (Butt trat bei einem harmlosen Rückpass von Lahm in einen Erdhügel und der Ball kullerte ins Tor).

Fassungsloser Fußballgott

Magath, mit wesentlich mehr Sanftmut in der Stimme als bei der ersten Begegnung, ergreift das Wort: "Sehen Sie, lieber Fußball-Gott, hier in diese Stadt gehören Sie und nicht ins Ruhrgebiet. Hier kann ein Verein jetzt sicher Ihren Beistand gebrauchen. Und Schalke wird auch ohne Ihr Zutun Meister." Der Fußballgott ist fassungslos und Magath fährt süffisant fort: "Gilt eigentlich das Angebot mit dem neuen Rasen noch? Den würde ich jetzt doch gerne nehmen. Das Bayern-Spiel ist ja rum." Sagt es und bestellt eine Schale. Verzeihung: Schorle!

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