Mit Kunst und Kalkül nach oben

Phänomen Dortmund: Alles andere als eine Momentaufnahme

Die Borussia thront an der Spitze der Tabelle und mischt die Liga auf. Noch verfolgt die Konkurrenz den Höhenflug mit einem kleinen Lächeln. Doch Platz eins ist kein Zufall und viel mehr als eine flüchtige Momentaufnahme.

Die neue Rolle, statt Jäger nun plötzlich der Gejagte zu sein, beeindruckt kaum jemanden im BVB-Ensemble. So unfassbar abgeklärt wie auf dem Rasen ordnen sie auch ihren Traumstart ein. Klopp und seine Kerle scheinen vor der Gefahr des Abhebens immun zu sein.

Selbstbewusstsein und Bescheidenheit

Problematisch wird es nur, wenn derzeit Medienvertreter das Wort "Meisterschaft" in den Mund nehmen. Jegliches Titelgerede wird von den Borussen-Bossen im Keim erstickt. Dortmund boomt, aber die Bescheidenheit boomt noch mehr im Tabellenführerland.


Doch es gibt zwei Wahrheiten. Die zurückhaltende Außendarstellung und die geheime Binnensicht. Natürlich wollen Erfolgstypen und Macher wie Klopp, Zorc und Watzke zählbaren Erfolg. Intern ist die Sehnsucht nach Triumphen riesengroß. Zumal der Klub die Schale zuletzt vor über acht Jahren holte. Und das Team 2010 ist personell und spielerisch sogar stärker einzuschätzen als die Meisterelf von 2002.

Vater des Erfolges

Auf der Suche nach aktuellen Gründen für das phänomenale Abschneiden landet man immer bei einem Namen: Jürgen Klopp. Seine kommunikative Art, seine kompromisslose Mannschaftsführung und enorme Führungsstärke sind der Schlüssel zum Erfolg.

Seine Spielidee beruht auf Leidenschaft, hoher Laufbereitschaft (bis zu 120 Kilometer rennt das Team pro Spiel - Spanien lief im WM-Finale 102 Kilometer) und kultiviertem Offensivfußball. Beim Personal fürs Tore schießen ist Barrios nicht mehr der Alleinunterhalter wie in der Vorsaison. Die Verantwortung lastet auf vielen Schultern: Sahin, Großkreutz, Kagawa.

Gesunde Mischung

Unter Klopp wurde das Pressing-System perfektioniert. Es ist eine Art Überfalltaktik entstanden, die dem Gegner kaum Raum und Zeit lässt, sich zu sortieren. Die Umsetzung dieser Fußball-Philosophie fußt auf einer herausragenden Physis. Auch ein Grund dafür, warum Dortmund so viele Spiele in den Schlussminuten dreht.


Mit Kalkül und Kunst ganz nach oben - auch weil der von Jürgen Klopp und Sportdirektor Michael Zorc zusammengestellte Qualitätskader eine gesunde Mischung aus Routiniers (Weidenfeller, Owomoyela,) und Nachwuchskräften mit DFB-Elf-Perspektiven (Schmelzer, Hummels, Götze, Bender) besitzt.

Donnerschläge als Ganzjahresmotto

Viele Gründe also, wieso Dortmund im Moment Erster ist. Ein Zustand, der alles andere als Zufall ist. Selbst die Musikauswahl in der Arena hat System. Beim Einlaufen des Teams in Deutschlands größte Stimmungshochburg dröhnt neuerdings der AC/DC-Hit "Thunderstruck". Übersetzt heißt der Titel: "Vom Blitz getroffen". Donnerschläge am Tabellengipfel könnten zum Ganzjahresmotto der Borussia werden.

Ein schöner Knalleffekt aus BVB-Sicht ist auch, dass Erzrivale Schalke vom selbsternannten Ziel Meisterschaft so weit entfernt ist, wie Felix Magath von der Charakterisierung, ein "Feierbiest" zu sein.

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