Not ohne Lösung

Nach Sammers Absage steht der HSV mit leeren Händen da

Wer gehofft hatte, die HSV-Führungskrise sei bald beendet, erkennt nach der Absage des DFB-Sportdirektors, wie gerade eine neue Peinlichkeitsstufe erreicht wird. Der Wunschkandidat bleibt ein Wunsch.

Um es harmlos auszudrücken: Für den HSV kommt der Rückzug Sammers einem Super-GAU gleich. So öffentlich vorgeführt wurde der Traditionsclub noch nie. Auch der Ruf ist stark beschädigt, zumal es schon die zehnte Fahndung nach einem neuen Sportchef war, die nun um eine unrühmliche Episode reicher geworden ist.

Es gibt nur Verlierer

Matthias Sammer wirft dem HSV unprofessionelles Verhalten vor und bezeichnet dieses als den Hauptgrund für seine Absage. Zugegeben: Der neue Aufsichtsratsvorsitzende, Ernst-Otto Rieckhoff, hat in den wenigen Tagen seiner Amtszeit mehr falsch als richtig gemacht. Der größte Fehler war, dass er die Verpflichtung von Sammer in den Medien großspurig angekündigt hatte. Doch dass Sammer jetzt öffentlich Rieckhoff die Schuld in die Schuhe schiebt, passt eigentlich nicht zu seiner Art.


Beim "Sammer-Theater" gibt es nur Verlierer. Allen voran Bastian Reinhardt, hinter dessen Rücken der Aufsichtsrat einen Nachfolger suchte. Ihm trauten die Funktionäre nicht die Umsetzung der notwendigen Reformen zu. Eine weitere Zeit in exponierter Stellung kann es für ihn nicht geben, dafür ist sein Name zu sehr beschädigt.

Führungslos auf Lösungssuche

Hamburg ist momentan ein Verein ohne Führung. Längst hat sich erwiesen, dass auch das Festhalten am Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann eine Notlösung war. Aber die Macher hatten nicht geahnt, dass von Lösung bald nichts mehr übrig geblieben ist. Nur noch von Not.

Hoffmann und Reinhardt sind nun derart "verbrannt", dass der HSV demnächst vielleicht nicht nur eine neuen Sportchef, sondern auch einen neuen Präsidenten braucht. Doch welcher Kandidat mit Format will überhaupt noch den Notdienst beim kränkelnden Nordlicht übernehmen? Sammer wäre die Ideallösung gewesen.

Bundestrainer oder auch Bayerncoach

Doch dass er jetzt seinen Vertrag beim DFB bis 2013 erfüllt, muss stark bezweifelt werden. Womöglich schielt er auf das Amt des Bundestrainers nach der EM 2012 oder den Trainerjob von Louis van Gaal, sollte der Niederländer nach dem erneuten Disput mit Uli Hoeneß nicht längerfristig arbeiten dürfen.


Vielleicht hat der mit seiner Familie in München lebende Sammer sogar schon von den Bayern Signale erhalten, dass er sich jetzt nicht an den HSV binden solle, weil nach der Saison eventuell eine Stelle frei werden könnte. Aber dies sind reine Spekulationen!

Doppelspitze Sammer und Kahn

Mit Sammer würde sich Hoeneß einen unbequemen Visionär mit Kompetenz und Leidenschaft ins Haus holen. Auch denkbar, dass Sammer dann Oliver Kahn als Sportdirektor vorschlägt.

Beide schätzen sich und Kahn schwärmt hinter den Kulissen seit Jahren von den Ideen und Meinungen des ehemaligen Nationalspielers. Beide sind erfolgsbesessen bis in die Haarspitzen und haben die nötige Aura und Autorität, um beim Rekordmeister neue Maßstäbe in den Kernfragen Vereinsführung und Zukunftskonzepte zu setzen.

Keine Lösung beim HSV

Ein "Titan" und ein "Motzki" beim FC Bayern hätte durchaus eine charmante Note und würde die Liga bereichern. Nach dem Wechsel von "Mr. Attacke" ins Präsidentenamt, wären Sammer und Kahn ein ideales Gespann, um in die großen Fußstapfen des erfolgreichsten Bundesliga-Managers aller Zeiten zu treten.

Das wäre eine sogenannte "große Lösung"! Von der sind sie in Hamburg meilenweit entfernt. Beim HSV herrscht stattdessen große Not und inhaltliche und personelle Lösungen sind nicht in Sicht.

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