Pappnase für Frontzeck

Mit Gladbachs Trainer geht auch etwas Kontinuität

Natürlich werde er weitermachen und den Vertrag erfüllen. Mit Standhaftigkeit trat Michael Frontzeck am Tag nach der Niederlage gegen St. Pauli vor die Mikrofone. Ein paar Stunden später war er nicht mehr Trainer des VfL Borussia Mönchengladbach.

Sonntagabend, 18.07 Uhr. Die Zeilen für den Bundesligakommentar waren gerade geschrieben. Zeilen, die einerseits Überraschung, andererseits Bewunderung für Borussia Mönchengladbach ausdrücken sollten, auch nach der zweiten Niederlage nacheinander gegen einen direkten Mitkonkurrenten an Trainer Michael Frontzeck festhalten zu wollen.

Vertrauensausspruch ohne Dauer

Gut gespielt, aber ohne Disziplin

Nach dem permanenten Trainer- und Kaderwechsel in den vergangenen Jahren schien mit Frontzeck so etwas wie Kontinuität eingekehrt zu sein. Und nach dem Spiel auf St. Pauli sprach Sportdirektor Max Eberl dem Coach das Vertrauen aus.


Wer die Halbwertzeit solcher Aussagen kennt, hätte gewarnt sein müssen. Erst Recht als der Präsident der klubinternen Karnevalssitzung ferngeblieben war. Nun hat Frontzeck die Pappnase auf.
Man hätte sich sicher gewünscht, dass der Ur-Gladbacher Junge die Kurve mit der Borussia noch kriegt. Ich habe Gladbach in dieser Saison mehrfach gesehen und hatte selten das Gefühl, dass man einen wahrscheinlichen Absteiger vor sich hat. Oft gut gespielt und am Ende verloren.

Wo waren die Fehler des Trainers? Ein ganz wichtiger Punkt ist die Disziplinlosigkeit der Mannschaft. Fünf Mal glatt rot, zwei Mal gelb-rot. Das sind Dinge, die ein Coach abstellen lassen kann, ja, abstellen lassen muss.

Kleinigkeiten sind entscheidend

Der letzte Auslöser für eine Entlassung ist immer eine Kleinigkeit. Bei Frontzeck war es die Rote Karte gegen Igor de Camargo beim Stande von 1:0 für die Borussia gegen St. Pauli und die anschließende Niederlage in Unterzahl.

Neuaufbau nötig

Dass der Hamburger Matthias Lehmann bei de Camargos Attacke sich aufgeführt hat wie ein Schmierenkomödiant, ist wieder eine andere Geschichte. Ich sehne mir eine Schiedsrichterentscheidung herbei, die auch solche Peinlichkeiten mit Rot bestraft.
Die chronisch lange Verletztenliste ist einerseits Pech, andererseits müssen Fragen hinsichtlich Prävention und Trainingsarbeit diskutiert werden. Und wie sieht es mit der psychologischen Arbeit aus, wenn eine Mannschaft, wie zuletzt, zwei Mal nacheinander in Führung geht, gegen Stuttgart sogar mit zwei Toren, und danach die Nerven verliert? Lag es allein an den falschen Schiedsrichterentscheidungen?

Frontzecks Gelassenheit auch in kritischen Situationen war ausgesprochen sympathisch, aber möglicherweise die falsche Herangehensweise mit diesen Spielern. Schade. Es wäre dem Traditionsklub zu wünschen, dass er nicht in alte Gewohnheiten verfällt und die Verantwortlichen der Mannschaft durch ständige Trainer- und Spielerwechsel die Identität raubt.

Mit dem Abstieg muss man sich wohl abfinden. Der geduldige Neuaufbau sollte jetzt schon eingeleitet werden.

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