das aktuelle sportstudio vom 14. Oktober 2017

Pauline Schäfer: "Wie ein Traum"

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Turnerin Pauline Schäfer, frischgebackene Weltmeisterin am Balken, und die WM-Dritte Tabea Alt sprechen mit Jochen Breyer über ihren Erfolg in Montreal, hartes Training und den Schäfer-Salto.

Beitragslänge:
17 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.10.2018, 23:00
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017
Turnerinnen Pauline Schäfer und Tabea Alt auf dem WM-Podest
Pauline Schäfer (Mitte) und Tabea Alt (r.) auf dem WM-Podest. WM-Zweite wurde Morgan Hurd (USA) Quelle: ap

Pauline Schäfer war 15, als sie Familie, Freunde und Heimat in Saarbrücken hinter sich ließ, um in Chemnitz bei Trainerin Gabriele Frehse eine Weltklasse-Turnerin zu werden. Nach einer Woche wollte sie zurück nach Hause. So sehr plagte sie das Heimweh.

Aber Pauline blieb. Machte weiter. Und am vergangenen Sonntag eroberte die inzwischen 20 Jahre alte Athletin im kanadischen Montreal WM-Gold am Schwebebalken. Es war der erste WM-Sieg einer deutschen Turnerin seit 1987.

Keine halben Sachen

Tabea Alt steht jeden Morgen um 5.15 Uhr auf. Zwei Trainingseinheiten, Schule, Hausaufgaben – das alles muss in den Tag der 17-Jährigen aus Stuttgart passen. Halbe Sachen macht sie nicht. In der Schule: 1,5er-Schnitt, Abitur 2019 und anschließendes Medizinstudium angestrebt. Im Turnen: Dritte am Balken bei ihrer ersten WM-Teilnahme in Montreal, weitere Triumphe bei der Heim-WM 2019 in Stuttgart und den Olympischen Spielen 2020 in Tokio angestrebt.

Also WM-Gold und -Bronze am Balken – Ulla Koch, seit 2005 Damen-Cheftrainerin im Deutschen Turner Bund (DTB), kann auch einige Tage nach dem unglaublichen Wettkampftag in Montreal noch nicht recht glauben, was da passiert ist. Allein, dass zwei ihrer Schützlinge es ins Balken-Finale geschafft hatten, war für sie schon überraschend gewesen. Und dann gewinnen beide eine Medaille, ausgerechnet am Balken, dem fiesesten Gerät von allen? Gigantisch. Aber kein Erfolg, der aus dem Nichts kam.

Ein Plan musste her

Seit 2013 arbeitet Ulla Koch mit der kanadischen Balken-Spezialistin Carol-Angela Orchard zusammen. Damals war der Schwebebalken eine große Schwäche der deutschen Turnerinnen. Ein Plan musste her. Den brachte Orchard mit. Inzwischen gebe es in Deutschland beim Balken-Training eine einheitliche Linie, sagt Koch. "Aber es braucht halt Jahre, bis sich das durchsetzt."

Schon in der vergangenen Saison bei den Olympischen Spielen seien die Balken-Übungen von Schäfer (2015 immerhin schon WM-Dritte) und Alt (2014 Bronze bei der Jugend-EM) sehr gut gewesen. Aber eben noch etwas wackeliger als jetzt bei der WM in Montreal.

Unterschiedliche Typen

Große Konkurrentinnen hätten im Finale in Kanada gefehlt, monieren Kritiker. Weil die holländische Olympiasiegerin Sanne Wevers in der Qualifikation gescheitert und Titelverteidigerin Simone Biles aus den USA gar nicht angetreten war. Ulla Koch lässt das nicht gelten. Schließlich seien die großen Balken-Nationen China, Russland und die USA mit ihren jeweils aktuell besten Turnerinnen im Finale von Montreal vertreten gewesen.

Wenn sie ihre beiden Athletinnen beschreiben soll, muss Ulla Koch nicht lange nachdenken. Zunächst turnerisch: "Pauline ist die Elegantere, Tabea turnt inhaltlich schwerer." Und charakterlich: "Pauline fehlt es etwas an Beständigkeit, Tabea an Gelassenheit." Heißt: Pauline Schäfer verzweifele schon mal an sich selbst, breche das Training ab, wen sie nicht weiter kommt. Tabea Alt dagegen trainiere immer noch, "wenn die andere schon in der Regeneration ist. Sie ist unheimlich fleißig und arbeitet und macht und tut."

Keine Zeit für Beschwerden

Und das nicht nur in der Turnhalle, sondern auch in der Schule. In diesem Jahr verzichtete Tabea auf eine Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften, weil sie im Jahr nach Olympia ihre schulischen Defizite aufholen wollte. "Ihre vermeintlichen Defizite", sagt Koch. "Sie hat eigentlich gar keine."

Pauline Schäfer hat die Schule nach der Mittleren Reife beendet, um sich ganz aufs Turnen zu konzentrieren. Inzwischen holt die Sportsoldatin ihr Abitur in der Abendschule nach. Das bedeutet: An drei Tagen in der Woche von 17 bis 22 Uhr Schule, dazu Online-Kurse an den anderen Tagen. Gejammere oder Gemotze wäre bei diesem Pensum der beiden jungen Frauen nicht verwunderlich. Gibt es aber nicht. Sagt Ulla Koch. Denn das haben die beiden WM-Medaillengewinnerinnen gemeinsam: "Sie sind sehr fokussiert und zielorientiert. Sie lieben, was sie tun. Und sie haben keine Zeit für Beschwerden."

"das aktuelle sportstudio" berichtet von den Spielen der 1. Bundesliga, zeigt Ausschnitte des Abendspiels als Free-TV-Premiere und den Sport des Tages. Nicht fehlen darf die Torwand.

Hintergründig und informativ: Die Moderatoren talken mit Top-Sportlern, Newcomern und Weltstars, die sich auch an der Torwand beweisen müssen. Sechs Treffer hat noch keiner geschafft. In mehr als 50 Jahren nicht.

Stab

  • Moderation - Jochen Breyer

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