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Popp: "Zu elft wäre mehr drin gewesen"

Durch ihren Platzverweis im CL-Finale wird die Wolfsburgerin zur tragischen Figur

Alexandra Popp spielt beim VfL Wolfsburg eine Schlüsselrolle. Ausgerechnet im Champions-League-Finale gegen Olympique Lyon (1:4 nach Verlängerung) unterläuft der 27-Jährigen ein folgenschweres Missgeschick. Am Samstag (ab 23 Uhr) ist die Nationalspielerin Gast im ZDF-Sportstudio.

Alexandra Popp ist frustriert nach der Finalniederlage in Kiew
Alexandra Popp hat mit dem VfL Wolfsburg das Triple verpasst. Quelle: imago/regios24

Es ist ja eigentlich nur gerecht, dass die Organisatoren der “Champions Gallery”, einer Art Ahnengalerie, mitten in der Kiewer Fanzone die Protagonisten aus dem Finale der Women’s Champions League nicht vergessen haben. Und so hängen an einer Wand neben dem prachtvollen Hauptstraße Kreschtschatik der ukrainischen Hauptstadt nicht nur Bilder von Cristiano Ronaldo oder Mo Salah, sondern auch das Konterfei von Alexandra Popp, der Schlüsselspielerin vom VfL Wolfsburg, und Ada Hegerberg, der Starstürmerin von Olympique Lyon.

Dass am Donnerstagabend im altehrwürdigen Walerij-Lobanowskyj-Stadion nur eine der beiden jubeln würde, war klar – aber musste der Kontrast gleich so gewaltig ausfallen? Die eine strahlende Torschützin, die andere die tragische Figur. Während Hegerberg nach dem Lyoner Finalerfolg gegen Wolfsburg (4:1 nach Verlängerung) in der Nacht zu Freitag erst sehr spät und mit ganz breitem Grinsen aus der Kabine kam, um ihre Goldmedaille einem norwegischen Kamerateam zu zeigen, hatte Popp ihre Erklärungen schon eine Stunde früher abgegeben. Niedergeschlagen und mit hängenden Mundwinkeln.

Unterzahl wird gegen Lyon zum Verhängnis

Ausgerechnet die gerade von einem Muskelfaserriss genesene deutsche Nationalspielerin, die am Samstag (ab 23 Uhr) zu Gast im ZDF-Sportstudio ist, brachte mit ihrer Gelb-Roten Karte nach 96 Minuten das bis dahin recht stabile VfL-Gebilde zum Einsturz. In Windeseile wurde aus einem 1:0 (Pernille Harder 93.) ein 1:4 (Amandine Henry 98., Eugénie Le Sommer 99., Ada Hegerberg 103. und Camille Abily, 116.). Popps Kollegin aus dem Nationalteam, Dzsenifer Marozsan, redete Klartext: „Wenn man so ungeschickt in den Zweikampf geht und eine solche Hinausstellung provoziert, passiert so etwas. Wir haben das gnadenlos ausgenutzt.“

Auch der Sportliche Leiter Ralf Kellermann stellte ohne Umschweife fest: „So wie wir die ganze Saison verteidigt haben, waren wir sehr optimistisch, dass wir das über die Ziellinie bringen können. Die Gelb-Rote Karte war der Knackpunkt.“ Direkte Vorwürfe gingen an Popp jedoch keine: „Das gehört dazu. Sie ärgert sich am meisten, dass sie in der gegnerischen Hälfte an der Außenlinie grätscht und den Platzverweis in Kauf nimmt.“

Entschuldigung bei der Mannschaft

Ihre kämpferische Natur hat sich Popp nicht nur an der Eliteschule des Fußballs in Gevelsberg angeeignet, wo sie sich als einziges Mädchen einer Fußballklasse behaupten und sogar gegen Talente des FC Schalke 04 beweisen musste. Sondern es gehört auch zu ihrem Naturell. Sie ist direkt, spricht ungeschminkt die Wahrheiten aus. Solche Charaktereigenschaften, sagte sie selbst einmal, seien im Frauenfußball seltener geworden. Kein Trainer, der daher nicht ihre Leaderqualitäten hervorhebt. Und es spricht ja für die Persönlichkeit Popp, dass sie um die Folgen ihres zu ungestümen Einschreitens wusste: „Die 1:0-Führung war eigentlich das Optimum – und dann kam mit meinem Platzverweis die Kehrtwende. Das fühlt sich einfach beschissen an.“ Es wäre zwar erst ihr drittes Foul gewesen, „aber ich hätte auch einfach oben bleiben können – das war wahrscheinlich unnötig.“

Dann richtete die 27-Jährige noch ein großes 'Sorry' an ihre Kolleginnen aus: „Ich muss mich bei der Mannschaft entschuldigen, mit dem Platzverweis habe ich uns in die Bredouille gebracht. Man hat man dann auch gesehen, dass wir nach den 120 Minuten in Köln ein bisschen platt waren. Meine Gedanke war gleich: ‚Scheiße, diese Karte kommt definitiv zu früh.‘ Wenn wir zu elft weitergespielt hätten, wäre mehr drin gewesen.“

Immerhin das Double ist perfekt

Das zweite Triple nach 2013 bleibt dem Verein also verwehrt, der dennoch eine bemerkenswerte Saison hinter sich hat. Die Meisterschaft ist schon vor dem vorletzten Bundesligaspiel beim FC Bayern unter Dach und Fach. Und nach dem letzten Heimspiel gegen den 1. FC Köln (3. Juni) soll denn auch das Double gebührend gefeiert werden.

Die in Witten geborene Popp, die anfänglich nach ihrem Wechsel nach Wolfsburg einen Doppeljob als Fußballerin und Tierpflegerin verrichtete, hat im Verein eine ganz andere Rolle als in der Nationalmannschaft. Wurde sie in der DFB-Auswahl meist als stürmende Hoffnungsträgerin gesehen und bei der EM 2017 in den Niederlanden wegen einer Sprunggelenksverletzung schmerzlich vermisst, hat sie sich bei den Niedersachsen als Doppel-Sechs gemeinsam mit der Isländerin Sara Björk Gunnarsdottir – die sich gegen Lyon vermutlich schwerer am Knie verletzt hat - wertvoll gemacht.

Bemerkenswert, wie sie sich etwa gegen Lyon in der lange umkämpften Begegnung  über Ballgewinne als defensive Mittelfeldspielerin definierte. Besondere Würdigung bekam beispielsweise ihre Grätsche gegen die einschussbereite Amandine Henry (67.). Doch unter dem Strich war das natürlich ebenso wenig ein Trost wie die Tatsache, dass ihr Plakat noch bis Sonntag von abertausenden Fußballanhängern in der Kiewer Fanzone bewundert wird.

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