Rakitic - der Künstler wird zum Kämpfer

Schalkes Mittelfeldspieler kriegt die Karrierekurve

Ivan Rakitic war drauf und dran, seine Karriere bei Schalke an die Wand zu fahren. Doch in der Winterpause durchlebte der Kroate sein persönliches Weihnachtswunder. Der 22-Jährige erkannte, dass sein Talent nicht ausreicht - und änderte sich radikal.

Ivan Rakitic
Ivan Rakitic Quelle: reuters

Kopfballduell? Zweikampf? Lieber nicht. Mittelfeldkünstler Ivan Rakitic, im Sommer 2007 vom FC Basel für drei Millionen Euro nach Gelsenkirchen gewechselt, ging in seinen ersten zweieinhalb Spielzeiten bei den Königsblauen nicht gerne dahin, wo es wehtut. Lieber verließ sich der in der Schweiz geborene Kroate auf sein von allen Seiten beschiedenes Talent und seine starke Technik am Ball.

Doch nach einem passablen ersten Jahr auf Schalke, als er unter Mirko Slomka Stammspieler geworden war, geriet Rakitic unter Fred Rutten aufs Abstellgleis. Auf seiner neuen Position linksaußen im offensiven Mittelfeld kam Rakitic nicht zurecht und verlor seinen Platz in der Startelf der Knappen. Felix Magath setzte noch eins drauf und degradierte Rakitic in der Hinrunde dieser Saison zum Stamm-Auswechselspieler. Einer durchgespielten Partie standen vier Einwechslungen und sieben Auswechslungen gegenüber.

"Was muss ich verändern?"

Rakitic, der nach torreicher Anfangsphase bei Schalke in den folgenden fast zweieinhalb Jahren nur drei Tore erzielte, war für Magath keine Alternative mehr. Entsprechend frustriert war der kroatische Nationalspieler. "Ich habe mich gefragt, was ich verändern muss", fasst Rakitic seine weihnachtliche Erkenntnisfindung zusammen.

Offensichtlich fand er die richtige Antwort, denn zur Rückrunde erlebten Trainer, Mitspieler und Fans einen wie ausgewechselten Ivan Rakitic. Der 22-Jährige hatte verstanden, dass sein Talent allein auf Dauer nicht reicht, sondern dass Fitness, Kraft und Laufbereitschaft unbedingt dazugehören. Die Folge: Rakitic schob Überstunden auf dem Trainingsplatz und bolzte Kraft. "Er hat die richtigen Schlüsse gezogen", freute sich Magath.

Nur Kuranyi trifft besser

Als Belohnung nahm der Trainer das Sorgenkind in die Startelf und gab ihm auf dem Rasen mehr Platz. Magath versetzte Rakitic halblinks nach hinten. Die vermeintliche positionelle Degradierung entpuppte sich als nächster cleverer Schachzug Magaths. Denn aus der Tiefe heraus konnte Rakitic mit mehr Anlauf seine brandgefährlichen Pässe spielen. Der Spieler dankte es dem Trainer mit einer enormen Leistungssteigerung, tödlichen Pässen und wichtigen Toren.

So war es Rakitic, der das 2:1 gegen Dortmund erzielte, und gegen den Hamburger SV behielt er bei einem Elfmeter die Nerven. Nach Kevin Kuranyi ist Rakitic der beste Schalker Torschütze der Rückrunde. Eine statistische Tatsache, die noch vor wenigen Monaten keiner von dem Kroaten erwarten konnte.

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