Respekt, Herr Löw!

Der Bundestrainer verfolgt konsequent seine Linie

Der Fall Frings mag auch dem letzten Träumer die Augen geöffnet haben. Das Klischee vom "lieben Jogi" oder "netten Herrn Löw" war von Anfang an ein Märchen. Alle Befürchtungen, Löw sei als Bundestrainer zu weich, haben sich in Wohlgefallen aufgelöst.

Joachim Löw
Joachim Löw Quelle: dpa

Akribische Arbeit

Gut so! Joachim Löw muss sich zu Beginn seiner Ära als oberster Übungsleiter ohnehin gewundert haben über diese Außenwirkung, die er offensichtlich hinterließ. Der Mann ist höflich, besitzt außerordentlich angenehme Umgangsformen und ist in seinen öffentlichen Aussagen stets korrekt und konsequent. Kein Lautsprecher, kein Polemiker - aber eben auch kein Umfaller!
Jogi Löw hat seine konsequente Linie vom ersten Tag in der Verantwortung an verfolgt. Der Bundestrainer hat - ähnlich wie sein früherer Vorgesetzter Jürgen Klinsmann zuvor - exakte Vorstellungen vom Spiel seiner Mannschaft, den entsprechenden Voraussetzungen seiner Protagonisten und von seiner eigenen Methodik.

Löw arbeitet - gemeinsam mit seinem Kompetenzteam - so konzeptionell wie kein anderer Bundestrainer zuvor. Auch die aktuellen Störfälle werden ihn auf dem eingeschlagenen Weg nach Südafrika nicht aus der Spur bringen, wohlwissend, dass mancher Interessenskonflikt nicht ausbleiben kann.

Aktuelle Daten unerlässlich

Bayern-Trainer Louis van Gaal bezeichnet den mittlerweile auf zwei Tage reduzierten Nationalmannschaftslehrgang inklusive Leistungstest als "Wahnsinn", weil das Vereinstraining durch die Abstellung der Profis gestört sei. Und Torsten Frings hält sich selbst natürlich noch für leistungsstark genug, um eine Weltmeisterschaft erfolgreich zu spielen. Selbstverständlich kann man für die subjektiven Einwände der Herren van Gaal und Frings Verständnis aufbringen.

Aber Jogi Löw muss im Interesse seines Auftrags handeln - und das tut er beeindruckend gradlinig. Zumal alle DFB-Termine mittlerweile sorgfältig abgestimmt werden mit Ligaverband und Vereinen. Für eine sinnvolle, langfristig angelegte Leistungsdiagnostik braucht Löw regelmäßig aktuelle Daten.

"Umschalter" bevorzugt

Torsten Frings ist fraglos ein Spielertyp, der in der Vergangenheit durch sein strategisches Kampfspiel überzeugte. Der Bundestrainer indes bevorzugt nun handlungsschnelle, technisch exzellente "Umschalter" im Mittelfeld. Nachvollziehbar, dass er andere Spieler für geeigneter hält. Für mich ist es auch kein Widerspruch, dass er an jüngeren, in der Vergangenheit leistungsstarken Spielern trotz momentaner Formkrise festhält.


Dass Löw in der Personalie Frings zudem schlechter Stil vorgeworfen wird, ist geradezu grotesk. Was bitte ist respektvoller als ein persönliches Gespräch in Bremen? Auch der Zeitpunkt der endgültigen Entscheidung ist absolut korrekt, wenn man Löws Personalplanung insgesamt betrachtet.

An den früheren Konfliktfällen Ballack und Kuranyi war Löws Führungsstil schon gut zu beobachten. Der Bundestrainer analysiert und handelt, das ist seine Aufgabe, das ist sein Recht und seine Pflicht!

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet