Rote Karte für den "Fehlstart"

Das Unwort des Spieltags

Die Fußball-Bundesliga hat ihren Betrieb aufgenommen und die Jagd auf die Punkte ist eröffnet. Damit einher geht aber auch die Suche nach dem Überraschungsteam, dem neuen Jungstar, nach Trainerpleiten und gerade am Anfang: den Teams mit Fehlstart.

Wann ist ein Fehlstart ein Fehlstart


Alles auf Anfang! Hochzeit, erster Schultag, Bundesliga. Im August stehen für viele die Zeichen auf Start. Doch speziell beim Anstoß zum Abenteuer Fußball wird deutlich, dass sich in der Kicker-Branche besonders vieles wiederholt. Vor allem Formulierungen. Ganz oben auf der Liste der verbalen Umweltverschmutzung ist der inflationär benutzte Begriff "Fehlstart". Für mich das Unwort rund um den ersten Spieltag!
Die Auftaktniederlage des mit 44 Millionen aufgepeppten Bayern-Ensembles ist bitter für den neuen alten Münchner Coach Jupp Heynckes. Dass ein Fehlgriff des Keepers Manuel Neuer die "Fehlstart-Debatte" eingeleitet hat, birgt besondere Brisanz, da der Nationaltorwart der teuerste Neuzugang ist und von vielen Bayern-Fans immer noch äußerst kritisch gesehen wird. Doch deshalb München jetzt schon als einen Brennpunkt der Liga anzusehen, ist nach dem ersten Spieltag übertrieben.

Wie kann man nach einem verlorenen Match überhaupt von einem "Fehlstart" sprechen? Und vor allem: Was ist überhaupt ein "klassischer Fehlstart"? Auf vielen Kanälen, in fast allen Zeitungen, in jedem zweiten Kommentar macht das "F-Wort" die Runde. Nicht nur in der Berichterstattung über den FC Bayern.

Bayers Torwart-Problem

Problematischer als in München ist die Lage bei einem anderen selbst ernannten Titelkandidaten. Auch Leverkusen hat durch einen Torwartfehler verloren, doch im Gegensatz zu den Münchnern hat der Werksklub ein echtes Torwart-Problem. Beide bislang eingesetzte Schlussmänner (Yelldell in Dresden, Giefer in Mainz) sind nach Fehlern schon früh in der Saison "verbrannt".

Stammkeeper Adler wird wohl noch bis Oktober ausfallen. Dass kein adäquater Ersatz geholt wurde, ist eine krasse Fehlplanung des Managements, das damit einem drohenden "Fehlstart" Tür und Tor öffnet. Doch die Torwart-Debatte ist ein vergleichsweise harmloses Problem.

Bayers Ballast Ballack

Denn Bayer hat ein viel größeres Thema zu bewältigen: Den Umgang mit Michael Ballack, der immer mehr zum Ballast wird. In Mainz 90 Minuten auf der Bank, im Pokalspiel nur ein Teileinsatz. Die Geduld des Topstars scheint langsam aufgebraucht zu sein. Vieles deutet daraufhin, dass es bald zum großen Krach kommen wird. Mit Ballack und seinem Trainer in der Hauptrolle.


Robin Dutt ist einem atmosphärischen und sportlichen "Fehlstart" schon sehr nahe. Sein Team wirkt wie ein großes Provisorium, das nach der Devise "trial and error" (Versuch und Irrtum) verändert wird. Keine eingespielte Mannschaft (Kapitän Simon Rolfes: "Ich hätte mich nicht ausgewechselt!") und dazu das peinliches Aus im Pokal bei einem Zweitligisten. Sollte der Negativtrend weitergehen, wird es ungemütlich für Dutt, der dann auch die bisweilen brutale Medienwelt außerhalb des Breisgaus kennenlernen wird.

Dortmunder Dominanz

Einen großen Bogen um die "Fehlstart-Diskussion" macht Dortmund. Die totale Dominanz und geniale Technik des Meisters ist auch ein Phänomen dieses Spieltages. Es scheint zu einem Naturgesetz geworden zu sein, dass die Borussia spielerische Trends und taktische Innovationen in der Liga vorgibt und vorlebt.


Doch der beste Klub 2011 hat in der neuen Saison auch erst drei Punkte geholt. Deshalb: "Traumstart" oder "Fehlstart" sind große Worte - zu groß für einen ersten Spieltag!

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