Sailer: Den Gold-Lauf im Kopf und in den Beinen

Die 100-m-Europameisterin zu Gast im sportstudio

"Ich hatte schon lange das Bild vor Augen, als Erste über die Ziellinie zu laufen", sagte Verena Sailer nach ihrem 100-Meter-Sensationscoup bei der EM in Barcelona. Als Studiogast im "sportstudio" spricht die 24-Jährige über den Lauf ihres Lebens.


Im Kopf hatte Sailer den EM-Triumph schon lange vor dem Finale von Barcelona gefeiert: "Ich wollte es absolut. Ich wollte es das ganze Jahr." Dieser unbändige Siegeswille war der Treibstoff, mit dem sie in 11,10 Sekunden zum EM-Gold rannte und den deutschen Sprintsport aus einem zwei Jahrzehnte langen Dornröschen-Schlaf riss.

Hitchcock-Thriller

Verena Sailer musste alles geben, um nach einem nicht ganz so starken Start am Ende die Französin Véronique Mang mit dem Wimpernschlag von einer Hundertstelsekunde noch auf Platz zwei zu verdrängen.

"Es war hart, aber ich habe einfach die Birne ausgeschaltet und bin gerannt", sagte die Athletin der MTG Mannheim, die 20 Jahre nach der ehemaligen DDR-Läuferin Katrin Krabbe erstmals wieder einen Titel für Deutschland gewinnen konnte. "Ein 100-Meter-Titel ist von ganz besonderem Glanz", freute sich auch Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). "Alfred Hitchcock hätte kein besseres Drehbuch schreiben können. Das war Spannung pur", meinte Cheftrainer Rüdiger Harksen.

Alles andere als eine Außenseiterin

Geärgert hat die aus dem bayerischen Illertissen stammende Sailer, dass ihr vor der EM von manchen Leuten nichts zugetraut wurde. "Da haben einige gesagt, was ich denn bei einer EM als deutsche Sprinterin überhaupt zu suchen hätte", sagte sie. "Doch ich habe mich nie als Außenseiterin gefühlt."

Schließlich hatte die Allgäuerin sich schon 2009 einen Namen gemacht: Bei der Hallen-WM holte sie Bronze über 60 Meter, führte die deutsche Sprintstaffel als Schlussläuferin bei der Heim-WM in Berlin auf den dritten Rang und war als Solistin schnellste Europäerin. "Verena hat den Bann gebrochen. Ich hoffe, es geht weiter bergauf", sagte Hürdensprinterin Carolin Nytra. "Sie hat gezeigt, dass im Frauen-Sprint in Deutschland etwas geht."

Angst vor dem eigenen Anspruch

Doch trotz des gewonnenen Vertrauens zur eigenen Stärke hatte sich bei Verena Sailer vor der EM auch Versagensangst in ihre Gefühlswelt gemischt. "Ich hatte immer Schiss davor, mir selbst etwas einzureden und am Ende enttäuscht zu sein, wenn es nicht klappt", bekannte sie. Deshalb habe sie sich vor der EM mit Prognosen öffentlich zurückgehalten, kein Wort von einer Medaille oder gar den Titel verloren. "Aber in Wirklichkeit wollte ich immer nur gewinnen, und das war auch das Einzige, das heute für mich gezählt hat." Ein kleiner Wermutstropfen bleibt, dass es in der Staffel nach einem Übergabe-Fehler zwischen Sailer und ihrer Vorläuferin Anne Möllinger nicht zu einer Medaille gereicht hat.

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