Schalker Schunkelstunden

Königsblau bringt sich in Stellung

Die Trabrennbahn in Gelsenkirchen-Rotthausen liegt nur einen Steinwurf entfernt vom Stadtteil Schalke. Die Ereignisse des letzten Fußball-Wochenendes weisen einige Parallelen auf zu der typischen Dramaturgie beim Pferdesport.

Spieler von Schalke 04 jubeln
Spieler von Schalke 04 jubeln Quelle: dpa

So müssen sich die großen Favoriten aus Bayern und dem Rheinland bei der Titeljagd momentan vorkommen wie Trabrennpferde, die auf der Zielgeraden einen Schwächeanfall verspüren.

Neue "Fohlen"

Dies wäre nicht weiter schlimm, denn der Vorsprung der lange Zeit souveränen Galopper schien komfortabel zu sein. Doch mit Einbiegen in die letzten Kurven rauscht jetzt plötzlich hinter ihnen eine Horde frischer Jungpferde heran.


Das Getrampel der neuen "Fohlen-Elf" der Liga (Schalke stellt die jüngste Truppe) wird immer lauter und kommt immer näher. Die Gefahr aus den hinteren Regionen des Teilnehmerfeldes haben Leverkusen und München lange nicht ernst nehmen wollen! Jetzt rollt Königsblau das Feld von hinten auf und scheint im Schlussspurt viele Kraftreserven zu haben.

Freistoß, Kopfball, Tor!


Das mag auch daran liegen, dass sie in den 25 Runden zuvor mit ausgeprägtem Energiesparverhalten aufgefallen sind. Denn Schalker Siege waren in den seltensten Fällen ein Hochgenuss. Ob im Derby gegen Dortmund oder am vergangenen Spieltag - die Knappen bringen den Fußball häufig auf eine einfache Formel: Freistoß, Kopfball, Tor! Dazu jede Menge Kampf und eine erstaunlich abgeklärte Spielweise mit hoher taktischer Disziplin.

Dahinter steckt der Baumeister Felix Magath, der offensichtlich ein großes Vergnügen an der Darstellung der eigenen Außenseiterrolle verspürt. Die Schalker waren in den Augen vieler Experten eigentlich nie ein ernsthafter Titelkandidat - und wahrscheinlich genau deshalb sind sie es doch.

Felix Magath bleibt aber auch nach dem Erfolg in Frankfurt ein Meister der Ablenkung: "Der Sieg erscheint klarer als er letztlich war." Mit den Partien gegen den VfB, den HSV und Bayer gebe es jetzt die Wochen der Wahrheit: "Erst danach können wir sagen, wohin wir uns orientieren können", erklärte Magath seine Zurückhaltung.

Den Boulevard widerlegen

Doch wer vor dem 26. Spieltag so dicht hinter der Spitze steht, zählt zwangsläufig zu den Topfavoriten, zu denen nach wie vor auch die schwächelnden Wunderknaben des Werksklubs gehören. Trotz der Pleite in Nürnberg sind Altmeister Jupp Heynckes und sein Kinderriegel keine "abgestürzten Winterhelden", wie einige unreflektierte Reporter-Kommentare angedeutet haben.


Leverkusen hat bislang eine starke Saison hingelegt. Heynckes wird seine Mannschaft schon seit Wochen auf die erste Niederlage und die medialen Folgen vorbereitet haben. Keiner im Team wird überrascht sein, wie hart der Boulevard heute losledert. Jetzt müssen Spieler und Trainer eben die "Vizekusen"-Spötter widerlegen.

Gefährliches Bayern-Spiel

Auch die Bayern bekommen in den Medien ihr Fett weg. Die seit Wochen von sich selbst überwältigten Münchner spielen ein gefährliches Spiel, wenn sie zu sehr auf die Karte "Königsklasse" setzen und die Pflichten im Liga-Alltag allzu nachlässig angehen. Das Bayern-Remis in Köln und die Bayer-Blamage in Nürnberg bedeuten das vorläufige Ende der unbeschwerten Schunkelstunden, die für Felix Magath jetzt so richtig beginnen könnten.

Neun Titelprüfungen stehen noch an. Das Wort "Meisterschaft" nimmt Magath nach wie nicht in den Mund. Das hat er im vergangenen Jahr auch nicht getan und am Ende holte er doch die Schale. Wenn es im Titelrennen ähnlich verläuft wie manchmal auf einer Trabrennbahn, wo der Schlussspurt mehr wert sein kann als ein guter Start, dann hat Magath klare Vorteile, denn er weiß, wie man eine Aufholjagd durchzieht.

Idealer Platz zum Feiern

Mit Wolfsburg ist er vom neunten Platz aus in die Rückrunde gestartet und hat dann doch noch das Finale der Veranstaltung gewonnen. Jetzt ist er sogar schon zweiter und ganz dicht dran an den Bayern. Übrigens: Das Rathaus in Gelsenkirchen, ein idealer Platz für meisterliche Schunkelstunden im Mai, liegt im Stadtteil Buer und damit weniger als einen Steinwurf entfernt von der Arena.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet