Servus Schale!

Dortmund läuft den Bayern den Rang ab

Dortmund wird Deutscher Meister! Bei solch einem großen Vorsprung auf Bayer und Bayern erübrigt sich jede Rechnerei. Der BVB hat die meisten Punkte - und das wird auch am 34. Spieltag so sein.

Der Triumph in München ist ein Meilenstein in dieser Dortmunder Saison der Superlative: Die meisten Tore; die wenigsten Gegentreffer, elf Auswärtssiege (Rekord), 2011 noch unbesiegt.

Kraftwerk BVB

Die Dortmunder sind zum Inbegriff der Erfolgs-Magie mutiert! Seit Klopp das Zepter schwingt, ist eine neue Mentalität gewachsen: Der BVB wirkt körperlich, geistig und verbal (BVB-Boss Watzke: "Wir wollen Meister werden!") wie ein Kraftwerk.


Dass die jüngste Dortmunder Mannschaft aller Zeiten (22,3 Jahre) die Bayern vorgeführt hat, ist in erster Linie eine taktische Meisterleistung des Trainers. So stimmen die Fans zu Recht Meisterhymnen an, in München heißt es "Servus Schale".

Brandbeschleuniger Defensive

Was ist nur mit den Bayern nach der magischen Nacht von Mailand passiert? Dass sie vor allem in der Offensive richtig gut Fußball spielen können, ist unstrittig - dass sie es dann drei Tage später nicht mehr tun, ist ein Rätsel dieses Spieltags. Das Grundübel ist die Defensive, die auch ZDF-Experte Oliver Kahn im "aktuellen sportstudio" aufs Korn nimmt: "Ein Hühnerhaufen!"

"Haben individuelle Fehler gemacht"Dass es beim Rekordmeister mal kracht, ist völlig normal. Dass es aber schon seit Monaten hinter den Kulissen brodelt, ist bedenklich. Nun hat sich das Aus im Titelrennen als Brandbeschleuniger erwiesen. Nach etlichen fragwürdigen Personal- und Systemwechseln steht Louis van Gaal in der Kritik. Die vielen Umstellungen haben in den eigenen Reihen mehr Verwirrung gestiftet als bei den Gegnern, und der "Fun" unter van Gaal ist auch auf der Strecke geblieben. Der Holländer wirkt dünnhäutig wie lange nicht mehr.

Van Gaal - und dann?

16 Punkte Rückstand auf den Tabellenführer machen die Säbener Straße zu einem Pulverfass, das jederzeit explodieren kann. Das jüngste verbale Nachbeben rund um das Dortmund-Spiel belegt die großen Sorgen der Bayern. Sollten die Münchner im Pokalhalbfinale gegen Schalke ausscheiden und in der Liga das Minimalziel Rang zwei verpassen, würde aus einer bislang durchwachsenen eine blamable Saison. Kaum vorstellbar, dass van Gaal dann weiterarbeiten dürfte. Denn schon jetzt gilt er intern nicht mehr als unantastbar.


Jürgen Klopp, der von den Münchner Bossen in den letzten Jahren auffällig oft gelobt wird, würde im Sommer nicht zu den Bayern wechseln, wie ich aus sicherer Quelle weiß. Und Traineralternativen sind rar. Die im Sommer wohl zur Verfügung stehenden Skibbe, Frontzeck und Veh passen ganz sicher nicht ins Anforderungsprofil der Bayern. So bleibt der Topfavorit Matthias Sammer, der bei einer möglichen Anfrage sicher nicht nein sagen würde.

Bayern-Image bröckelt

Doch wenn der zweifellos renommierte Erfolgstrainer Louis van Gaal mit den Bayern die Champions League gewinnt, was ich für nicht unrealistisch halte, erübrigen sich all diese Spekulationen. Dann bliebe der unbequeme, aber fachlich hoch angesehne Fußballlehrer wohl in München.

Losgelöst von den Spekulationen in der Trainerfrage hat die schwarz-gelbe Machtdemonstration vom Samstag vieles verändert. Der FC Bayern ist vorgeführt worden wie selten zuvor und verlor mehr als drei Punkte: "Das war ein Imagespiel. Und wir haben an Image verloren", konstatierte Karl-Heinz Rummenigge. Dabei waren die Bosse vorher so selbstsicher. Am Ende behielt wieder einmal nur Präsident Hoeneß Recht. Er sagte vor der Begegnung, dass es einen Sieg mit zwei Toren Unterschied geben würde. Nur eben für die "falsche" Seite. Neben dem Abschiednehmen vom Tippglück heißt es nun auch Abschiednehmen vom Meistertitel. Servus Schale!

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