Spielfreude ersetzt puren Rationalismus

Der FC Bayern begeistert mit schönem Offensiv-Fußball

Thomas Müller lernte gerade laufen im oberbayerischen Pfaffenwinkel. Helmut Kohl war Bundeskanzler, die deutsche Einheit keine zwei Monate alt. In der Bundesliga tummelten sich Teams wie Uerdingen, Wattenscheid oder Pauli. Es war im November 1990.

Thomas Müller, Franck Ribéry
Thomas Müller, Franck Ribéry Quelle: dpa

Im Norden Hollands, in einer kleinen Gemeinde bei Groningen, die bekannt ist für den Anbau von Weißkohl, übte ein kleiner Sechsjähriger den Ball mit dem schwächeren Fuß zu spielen. Seine Eltern riefen ihn Arjen.

Mal wieder 7:0

In Deutschland stand der 15. Spieltag der Saison 1990/91 auf dem Programm. Zwei mal Roland Wohlfarth, zwei Mal Brian Laudrup, Stefan Effenberg, Manfred Bender und Jürgen Kohler hießen die Torschützen des von Jupp Heynckes trainierten FC Bayern bei einem 7:0-Sieg gegen Wattenscheid 09. Zur Information: Wattenscheid liegt im Ruhrgebiet, eingebettet zwischen Gelsenkirchen, Essen und Bochum.


Es war der höchste Sieg der Bayern in den letzten 20 Jahren. Dann kam Hannover. Müller kann inzwischen mehr als Laufen, ist Nationalspieler. Robben ist zum beidfüßigen Ballflüsterer geworden. Sieben zu Null. Drei Mal Robben, zwei Mal Müller, zwei Mal Ivica Olic.

Mit Spaß Punkte einfahren

Ich habe selten einen so beeindruckenden Auftritt gesehen. Mal abgesehen davon, dass Hannover im Abstiegskampf die Arbeit verweigert hat, bleibt dennoch dieses rauschende Fest haften. Es ist ein anderer FC Bayern als man es gewohnt ist. Die pure Lust am Spielen, nicht die Erfolgsmaschine, die rational in der Bundesliga ihre Punkte schmucklos einfährt.

Louis van Gaal hat der Mannschaft offenbar eine Mentalität implantiert, die den Spaß gleichberechtigt neben die Punkteausbeute stellt. Wer hätte das nach den ersten Eindrücken des seltsam auftretenden Fussballlehrers gedacht?

Gutes Omen, schlechtes Omen?

Und das ausgerechnet vier Tage vor einem Champions-League-Halbfinale, vor dem man auch ein gewisses Verständnis für das Schonen der Kräfte aufgebracht hätte. Die zahlreichen Titel, die Bayern eingefahren hat, waren meist von einer sehr rationalen Art und Weise begleitet. Die große Fußballshow wird sicherlich auch Bayern-Kritiker begeistern. Das mit Robben endlich mal wieder ein richtiger Weltstar auftrumpft, kann unserer Liga nur gut tun.

In der Saison 1990/91 ist übrigens der 1. FC Kaiserslautern Meister geworden, Bayern München nur Zweiter. Nicht, dass dieses 7:0 vom Samstag noch zu einem schlechten Omen wird. Gilt übrigens auch für Hannover. Wattenscheid ist damals nicht abgestiegen. Sondern Hertha.

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