Sportdirektor mit angekratztem Image

Volker Finke ist Studiogast im "aktuellen sportstudio"

Beim SC Freiburg genießt Volker Finke noch heute Kultstatus. Beim 1. FC Köln, wo Finke im Winter als Sportdirektor anheuerte, ist es bis dahin noch ein weiter Weg. Denn in seinem ersten halben Jahr bekam Finke die ganze Härte des Geschäfts zu spüren.

Volker Finke gilt als einer der ersten deutschen Konzepttrainer. In den 90er Jahren machte er mit seinen Ideen den damals kleinen Sportclub Freiburg über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, etablierte ihn im Profibereich mit frischem, attraktivem Fußball. Nach zwei Jahren Pause und einem einjährigen Gastspiel in Japan, wo er als Trainer bei den Urawa Red Diamonds mit mäßigem Erfolg tätig war, ging Finke zurück in die Bundesliga. Aber nicht als Trainer, sondern als Sportdirektor des abstiegsbedrohten 1. FC Köln.

Trennung im Unfrieden


Toller Fußball trotz kleinen Budgets war das Markenzeichen des SC unter Finke, bis heute hat sich Freiburg diese Philosophie bewahrt. Von 1991 bis 2007 war Finke im Breisgau tätig, bis er nach der Rekordzeit von 16 Jahren auf der Bank mehr oder weniger freiwillig seinen Hut nahm. In dieser Zeit war Finke mit dem SC dreimal in die Bundesliga aufgestiegen, dreimal auch wieder ab, und zwischendurch spielte man sogar zweimal im Europacup.

In Finkes letzter Saison im Breisgau taten sich dann angesichts einer sportlichen Talfahrt lange verborgene Gräben zwischen Vorstand und dem Trainer auf, sein Abschied zum Saisonende wurde einvernehmlich bekanntgegeben. Doch als es sportlich wieder lief, versuchte Finke, die Auflösung des Vertrags rückgängig zu machen - ohne Erfolg.

Aus dem Büro auf die Bank

Jetzt ist Finke wieder da. In der Bundesliga und seit Kurzem auch wieder auf der Trainerbank, auf der der mittlerweile 63-Jährige eigentlich nie mehr Platz nehmen wollte. Doch die Situation bei seinem Arbeitgeber, dem 1. FC Köln, erforderte diese Maßnahme. Denn statt, wie erhofft, sich um die Aufgaben eines Sportdirektors zu kümmern, ersetzte Finke für die letzten drei Saisonspiele den zurückgetretenen Frank Schaefer mit dem Ziel Klassenerhalt.


Um den ging es auch schon bei seinem Amtsantritt am 1. Februar. Der FC stand auf dem Relegationsplatz, Schaefer hatte relativ frisch den Cheftrainerposten vom erfolglosen und ungeliebten Zvonimir Soldo übernommen. "Er ist ein absoluter Fußballfachmann und ein wunderbarer Mensch, der sehr gut mit Spielern umgehen kann", war Präsident Wolfgang Overath bei der Amtseinführung Finkes guter Hoffnung, dass nun Ruhe bei den Geißböcken einkehren würde.

Mit Finke zum Klassenerhalt?

Die Hoffnung sollte sich erfüllen, es ging aufwärts. Zwischenzeitlich war der Abstieg kein Thema mehr in Köln, Mittelfeld-Platzierungen in der Tabelle gaben vorübergehend Sicherheit. Doch die Unruhe blieb. Und gipfelte an Ostern in der Erklärung Schaefers, zum Saisonende als Chefcoach aufzuhören. Der 47-jährige Fußballlehrer hatte sich zusichern lassen, erst nach Erreichen des Klassenerhalts über seine Zukunft entscheiden zu müssen, war dann aber immer heftiger zu einer Entscheidung gedrängt worden.

Finke ist sich keiner Schuld bewusst

Als Finke des Trainers religiösen Glauben in Zusammenhang mit seiner beruflichen Ausrichtung brachte, drängte sich Außenstehenden der Eindruck auf, der Sportdirektor habe eine aktive Rolle bei der plötzlichen vorzeitigen Demission Schaefers drei Spieltage vor Saisonende eingenommen. Ein Vorfall, der Finke ins Zwielicht rückte.
Finke jedenfalls weist alle Schuld von sich: "Für mich persönlich ist wichtig zu wissen, dass ich nicht der Königsmörder bin", sagte Finke im Interview mit der "Bild". Und fügte an: "Wenn es Irritationen gibt, wird es Momente geben, in denen ich dazu etwas sagen werde." Aktuell jedoch gelte seine ganze Aufmerksamkeit dem Klassenerhalt.

Im "aktuellen Sportstudio" am Samstag hat Volker Finke ab 23.00 Uhr im Gespräch mit Michael Steinbrecher die Gelegenheit, die "Irritationen" auszuräumen.

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