Tommy Haas: Abgang nach seinen Regeln

Deutschlands Tennis-Oldie am Samstag zu Gast im sportstudio

Mit 38 Jahren ist Tommy Haas auf Abschiedstournee. Kaum ein Tennisprofi hatte so großes Verletzungspech wie er. Wie sein Schlussakkord auf der Tour aussehen wird, erzählt er am Samstag als Gast im aktuellen sportstudio.

Tommy Haas macht ein Selfie
Selfie mit Leguan: Tommy Haas will seine Abschieds-Tour bestmöglich genießen. Quelle: dpa

Seit Saisonbeginn sind sie wieder da, die Schulterklopfer. Und das Hallo ist groß, jedes Mal, wenn Tommy Haas eine der Umkleiden bei einem Tennisturnier betritt. Es ist mehr als bloße Wiedersehensfreude der Kollegen, nachdem Haas seit Oktober 2015 einmal mehr verletzt auf der Tour gefehlt hatte. Denn mittlerweile ist der 38 Jahre alte gebürtige Hamburger auch Turnierdirektor in Indian Wells, dem wichtigsten Event nach den vier Grand Slams. Und somit hat Haas die Hand auf den begehrtesten Wildcards der Tour.

"Die Situation ist schon ganz witzig", meinte Haas augenzwinkernd, "und ich werde tatsächlich oft deswegen in der Umkleide angehauen. Aber das kriege ich schon hin." Hinkriegen will er auch seine ungewöhnliche Doppelrolle, die Haas zumindest für die nächsten Monate inne haben wird - als Spieler und Turnierdirektor in Personalunion, das hatte es bisher äußerst selten gegeben. Aber irgendwie ist Haas ja auch eine Ausnahmeerscheinung im Tennis. Der Unkaputtbare, der sich in diesem Sommer für ein letztes Hurra wappnet.

In Stuttgart, Halle, Hamburg dabei

"Ich will nicht mit einer Verletzung von der Tennis-Bühne abtreten", das betonte Haas immer wieder. Er möchte unbedingt selbst bestimmen, wann Schluss ist. Und das tut er jetzt. "Ich bin ziemlich sicher, dass dieses mein letztes Jahr sein wird, in dem ich versuche, nochmal gutes Tennis zu spielen", kündigte Haas an: "Ich will noch ein paar Turniere spielen, die mir am Herzen liegen, auch in Deutschland."

In Stuttgart und Halle ist er im Juni dabei, im Juli in Hamburg spielt Haas ein Exhibition-Match gegen Turnierdirektor Michael Stich. Und danach hat Haas eine Bundesligapartie für Grün-Weiss Mannheim zugesagt. "Vor Freunden und Familie spielen, und es so gut zu genießen, wie ich kann", wünscht sich Haas, "und wenn ich noch ein paar Matches gewinnen kann, wäre das der richtige Abgang für mich."

Das Loslassen fiel Haas bisher schwer. Und das ist allzu verständlich. Zwar hat er 15 Titel gewonnen, war die Nummer zwei der Welt. Dennoch: geprägt ist seine Karriere vom Konjunktiv, von verpassten Chancen. Mal verdarb er sie sich selbst im jugendlichen Ungestüm, aber meist bremsten ihn Verletzungen aus. Roger Federer sagte einmal über seinen Freud Haas: "Tommy hatte das größte Pech aller Spieler-Generationen." Kaum ein Körperteil ist bei Haas im nun 21. Jahr als Tennisprofi noch unversehrt, seine Krankenakte dicker als das New Yorker Telefonbuch.

Schinden für die Familie

Im Juni 2014 hatte ihn seine vierte Schulteroperation ein Jahr Zwangspause gekostet, Haas kehrte dann beim Turnier in Stuttgart im Sommer wieder zurück. Für einen Sieg auf Rasen reichte es, anschließend verlor er - und zerlegte die Umkleide. "Danach fühlte ich mich viel besser - und meine Schulter hielt", scherzte Haas. Der Ehrgeiz ist immer noch der alte. Doch zwischen Juni und Oktober 2015 spielte Haas elf Partien auf Tour-Level, gewann nur zwei. Das wurmte ihn. Auf diese Art wollte er nicht abtreten. Und so biss sich Haas erneut zu diesem wohl letzten Comeback durch, als er sich Ende 2015 in der Wintervorbereitung am Fuß verletzte. Eine Operation wurde nötig und neun Monate Pause.

"Jetzt fühlt sich der Fuß gut an, ich konnte zweieinhalb Monate trainieren", erzählte Haas zum Saisonbeginn. Sein Lebensmittelpunkt ist schon lange in Los Angeles, wo er mit seiner Verlobten, der Schauspielerin Sara Foster, und zwei Töchtern lebt. Auch für sie schindet sich Haas so, die Familie gab ihm stets Rückhalt. Und es war immer sein größter Wunsch, seine Kinder würden ihn noch bewusst Tennis spielen sehen. Zumindest bei seiner sechsjährigen Tochter Valentina hat es geklappt. "Manchmal feuert sie mich schon an und ruft 'Go, Daddy, go!' oder nach einer Niederlage guckt sie mich an und sagt: "Das ist okay. Nächstes Mal machst du es besser", erzählt Haas: "Wenn ich sie sehe, weiß ich, wofür ich das alles hier mache."

"Chance, mit mir ins Reine zu kommen"

Er brennt noch für das Tennis, für den Wettkampf. Auch als Methusalem im Profitennis. Der Amerikaner Jimmy Connors schaffte es seinerzeit mit 39 Jahren noch sensationell ins Halbfinale der US Open. "Das hat mich immer inspiriert", sagt Haas: "Ehrgeiz und Wille sind noch da und ich habe die Frische im Kopf. Ich war so oft verletzt in meiner Karriere, daher fühle ich mich noch gar nicht wie 38. Höchstens wie 32."

Doch nun ist sein Körper an seine Grenze gestoßen, das musste Haas einsehen. Was bleibt, ist ein letztes Mal ein paar Gegner zu ärgern. Sich zu messen, das Adrenalin zu spüren. "Es ist jetzt meine Chance, mit mir ins Reine zu kommen", sagt Haas. Dann hätte er ihn am Ende doch noch geschafft, den Abgang nach seinen Regeln.

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