Stanislawski - auf die Pflicht folgt nun die Kür

St. Paulis Trainer will Kultklub in der Bundesliga halten

Innerhalb von vier Spielzeiten hat Holger Stanislawski den FC St. Pauli von der Regionalliga in die Bundesliga geführt. Nun will er mit dem Kultklub im Oberhaus bestehen. Wie er das machen will, verrät er als Studiogast im "aktuellen sportstudio".

Seine erste Saison als Trainer in der Eliteliga hat nicht gut begonnen. Noch vor dem ersten Bundesligaspiel gab es für Holger Stanislawski und seine Mannschaft eine erste peinliche Pleite. Gegen den Regionalligisten Chemnitzer FC flog der Aufsteiger gleich in der ersten Runde aus dem DFB-Pokal (0:1). Ein Weckruf, der für Stanislawski zur rechten Zeit kommt, um die Mannschaft vor Beginn der "Mission Klassenerhalt" wachzurütteln. "In den Wochen nach dem Aufstieg fühlte es sich so an, als währen wir auf der Spitze des Olymp. Jetzt sind wir von dort oben heruntergeholt worden", erklärte der Coach, der als Spieler (und Kapitän) mit dem FC St. Pauli bereits 1995 und 2001 in die Bundesliga aufstieg - und auch zweimal wieder abstieg (1997 und 2002).

Durchstarten aus der Regionalliga

Die Euphorie in Hamburg war nach dem Aufstieg - ausgerechnet zum 100-jährigen Vereinsjubiläum - enorm. Die Rückkehr ins Oberhaus ist jedoch alles andere als ein Zufallsergebnis. Sie ist vielmehr die logische Folge einer Entwicklung unter dem Trainer Holger Stanislawski.

Der gebürtige Hamburger hatte den Kiezklub im November 2006 als Trainer übernommen. Damals lag die Mannschaft abgeschlagen auf dem 12. Platz der Regionalliga Nord, noch hinter den Amateuren des Hamburger SV.

Hart wie Magath

Doch der ehemalige Libero Stanislawski impfte seinem Team ein offensives System mit Kombinationsfußball ein, verbesserte gleichzeitig das Defensivspiel der Mannschaft. Die Folge: Stanislawski führte St. Pauli noch in seiner ersten Saison in die 2. Liga. Dort angekommen mauserte sich der Klub zur Torfabrik des Unterhauses, in Sachen Gegentoren ging die Quote gleichzeitig nach unten.

Das Geheimnis des Erfolges war ganz einfach und doch gleichzeitig so schwer: St. Pauli verbesserte sich spielerisch enorm. Und auch in Punkto Kondition zog der Trainer die Zügel an: Neuzugang Gerald Asamoah, unter Felix Magath auf Schalke an ein knallhartes Training gewöhnt, brachte es vor kurzem in einem "kicker"-Interview auf den Punkt: "Stani ist hart wie Magath. Er benutzt zwar keine Medizinbälle, aber die Intensität des Trainings steht dem von Magath in nichts nach."

Vom Spieler zum Manager zum Trainer

Gleich bei seiner ersten Trainer-Station hat Holger Stanislawski durchschlagenden Erfolg. Dabei musste der gelernte Masseur das Metier von der Pieke auf lernen. Nach dem verletzungsbedingten Ende seiner Karriere zu Beginn der Regionalligasaison 2003/04 (Bänderriss im rechten Knie), machte Stanislawski zunächst eine Umschulung zum Sportmanager und Sportfachwirt.

Ab Sommer 2004 bestimmte er als Vize-Präsident und Sportlicher Leiter die Geschicke des FC St. Pauli maßgeblich mit. Diese Funktion behielt Stanislawski auch bei, als er im November 2006 den entlassenen Andreas Bergmann auf der Trainerbank ersetzte. Mit dem Aufstieg in die zweite Liga musste Stanislawski zurück auf die Schulbank. Während sein Co-Trainer und Vertrauensmann Andre Trulsen die Übungseinheiten leitete, absolvierte Teamchef Stanislawski in Köln die Ausbildung zum Fußballlehrer (Jahrgangsbester) und kehrte auf die Trainerbank "seines" FC St. Pauli zurück. Nach der Pflichtaufgabe "Aufstieg" will Holger Stanislawski nun in der Bundesliga die Kür "Klassenerhalt" bestehen.

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