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Der BVB hat einen neuen Abwehr-Chef

Fußball - Bundesliga, 6. Spieltag

Zuletzt glänzte Dortmunds Offensive, doch die Abwehr steht beim BVB-Spiel unter Trainer Lucien Favre im Zentrum. Ein Spieler ganz besonders: Manuel Akanji, der viele Fans an Mats Hummels und Julio Cesar erinnert.

Manuel Akanji
Stabilisator in der BVB-Defensive: Manuel Akanji. Quelle: reuters

Falls es noch Zweifel an Borussia Dortmunds Wertschätzung für Manuel Akanji gab - seit dem Kantersieg über den 1. FC Nürnberg sind sie beseitigt. Wie selbstverständlich streifte sich der Schweizer die Spielführer-Binde um, als BVB-Kapitän Marco Reus nach einer Stunde den Rasen verließ. Nach lediglich acht Monaten in Schwarz-Gelb ist Akanji nicht nur zum unumstrittenen Abwehrchef der Westfalen aufgestiegen, sondern auch in der Team-Hierarchie in die Spitze vorgerückt. Er ist jetzt ganz offiziell einer der neuen BVB-Bosse.

"Ich will auch ohne Kapitänsbinde ein Führungsspieler sein", sagt Akanji, gleichzeitig demütig und angriffslustig. Mit Ruhe und Übersicht, Robustheit und Zweikampfstärke, Leidenschaft und einem Auge für die Spieleröffnung erinnert der Innenverteidiger viele Fans an den jungen Mats Hummels, ältere Borussen mögen an Julio Cesar denken: Dank der 1,87 Metern Länge und 91 Kilo Kampf-Gewicht lässt Akanji die Gegenspieler im Duell beizeiten einfach an seinem Körper abtropfen, so wie Cesar in den 90ern. Allein damit ist er auf dem Weg zum Publikumsliebling.

Favre rotiert an Akanji vorbei

Wie Hummels kommt Akanji nahezu ohne Fouls aus, ein einziges steht aktuell in der Bundesliga-Statistik. Mit der Passquote von fast perfekten 96 Prozent beim 7:0-Schützenfest über Nürnberg schaffte er sogar Liga-Bestwert. Dabei begnügt sich Dortmunds Nummer 16 nicht mit sicheren Kurzpässen. Er probiert sich auch an Spielaufbau und riskanten Seitenwechseln, selbst wenn zu Hummels’ Klasse noch einiges fehlt.

Kein Wunder, dass der wechselfreudige Trainer Lucien Favre an seinem Abwehrchef bislang vorbei rotiert. Dauerbrenner Akanji hat 2018/19 noch keine der 660 Pflichtspiel-Minuten verpasst. Auch für die nächsten Highlights gilt er als gesetzt: Im Bundesliga-Topspiel gegen die offenbar wieder in Schwung kommende Leverkusener Offensive am Samstag (18.30 Uhr, erste Free-TV-Bilder im aktuellen sportstudio ab 23.30 Uhr) sowie am Mittwoch im wichtigen zweiten Spiel der Königsklasse gegen AS Monaco kann er sich richtig beweisen.

Leitspruch im Spind

"Er übernimmt Verantwortung auf dem Platz", lobt Michael Zorc. Der BVB-Sportdirektor gratuliert sich vermutlich gerade selbst, Akanji schon Anfang des Jahres im Vorgriff auf die aktuelle Spielzeit geholt zu haben - nach zähen Verhandlungen und mit 21 Millionen Euro deutlich über Marktwert, weil plötzlich weitere Topklubs Interesse bezeugten.

Nach souveränem Start in Dortmund und einer guten WM mit der Schweiz dürfte Akanji bereits wertvoller sein. Bis zum Vertragsende 2022 vielleicht noch mehr, da er auch die richtige Einstellung für das Geschäft mitbringt. "Harte Arbeit schlägt Talent, wenn Talent nicht hart arbeitet", hing einst als Leitmotiv in Akanjis Spind in Basel.

Nervenstark vor großer Kulisse

Obwohl er selbst erst 23 Jahre alt ist und noch in der Entwicklung steckt, wirkt Akanji im neuen Dortmunder Jugendstil wie ein Routinier, an dem sich andere Youngster aufrichten können. Trotz gelegentlicher Wackler gehört Akanji sicher nicht zu jenen Spielern, die BVB-Chef Hans-Joachim Watzke kritisierte, sie würden am Druck der heimischen Großkulisse zerbrechen.

Vor gerade mal drei Jahren spielte der Rechtsfuß mit seinem Stammverein FC Winterthur beim FC Le Mont noch vor 350 Zuschauern, aber die Nervosität auf großer Bühne ist dem selbstbewussten Kicker fremd. Auch teamintern geht der ehrgeizige Schweizer voran. Seit Sommer gehört er zum sechsköpfigen Mannschaftsrat. Ob auf Deutsch, Englisch oder Französisch: Seine Stimme wird gehört.

Der neue BVB Kinder-Riegel

Natürlich ist Akanji nicht allein verantwortlich dafür, dass Favres wichtigstes Etappenziel greifbar ist: Stabilität und Sicherheit durch eine gefestigte Abwehr. Drei Zu-Null-Spiele und vier Mal nur ein Gegentreffer in den ersten sieben Partien - dazu bedarf es einer Mannschaftsleistung.

Im ein Jahr jüngeren Abdou Diallo, der nach Rotsperre nun gegen Bayer Leverkusen zurück ins Team rücken dürfte, könnte Akanji einen perfekten Partner für die Innenverteidigung gefunden haben. Das Duo hat das Zeug, die BVB-Defensive zu prägen - wie einst der so genannte Kinder-Riegel Hummels/Neven Subotic.

In Torjägermanier

Torhüter Roman Bürki beweist ebenso Frühform wie Außenverteidiger Marcel Schmelzer - Kritik an beiden ist vorerst verstummt. Oldie Lukasz Piszczek steht defensiv sicher. Zuletzt konnten die 19 Jahre alten Dan-Axel Zagadou und Achraf Hakimi ihr Potenzial zeigen. Zu guter Letzt war auch Glück ein treuer Partner der BVB-Abwehr - etwa beim holprigen Champions-League-Auftakt in Brügge oder in Hoffenheim, als TSG-Stürmer Ishak Belfodil den Ball über das leere Tor jagte.

Das kann sogar Akanji besser, wie bei der Nürnberg-Gala zu bestaunen war. Bei einem seiner seltenen Ausflüge in den gegnerischen Strafraum erkämpfte sich der Verteidiger lässig den Ball und schloss in Torjägermanier ab. Sein Debüt-Treffer für Schwarz-Gelb war über alle Zweifel erhaben.

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