Tante Käthe hat alles im Griff

Bayers Sportdirektor Rudi Völler führt den Klub ohne Hektik

Weltmeister 1990, Vize-Weltmeister 2002. Rudi Völler hat viele Erfolge gefeiert, gehört zu den beliebtesten deutschen Fußballern und hat Kultstatus. Seit 2005 leitet er als Sportdirektor die Geschicke von Bayer Leverkusen - mit Ruhe und Gelassenheit.

Rudi Völler
Rudi Völler Quelle: imago

Bei Bayern München ist immer etwas los. Borussia Dortmund bestimmt die Schlagzeilen wegen der herausragenden Leistung des jungen Teams in dieser Saison. Mainz und Hannover stehen im Fokus, weil sie niemand so weit oben in der Tabelle erwartet hätte. Eine Reihe weiterer Vereine der Liga macht durch ihr munteres "Trainer-wechsel-dich"-Spielchen von sich Reden. Aus Leverkusen hingegen hört man recht wenig. Und das, obwohl Bayer auf Platz zwei in der Tabelle steht und sieben Spieltage vor Saisonende als einziger ernstzunehmender Verfolger des BVB gilt.

Überlegte Offenheit

Das mag vielleicht an der Mentalität der handelnden Personen bei der Werkself liegen. Große Töne spuckt man hier selten. Womöglich ist man aber auch durch die Zeit zwischen 1997 und 2002 geprägt, in der Bayer vier Mal Vizemeister wurde und sich den spöttischen Titel "Vizekusen" einhandelte. Eventuell liegt es aber auch an Rudi Völler.

Eigentlich ist Völler jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Das ist spätestens seit dem legendären "Weißbier-Interview" mit Sport-Moderator Waldemar Hartmann bekannt. Aber in Vereinsbelangen ist der Bayer-Sportdirektor ein ruhiger, überlegt handelnder Mensch. Die vielen Trainerentlassungen und -wechsel in der Bundesliga und das damit vermeintlich geschädigte Ansehen der Liga sieht Völler entspannt: "Das gehört zum Profigeschäft. Und es gab Saisons, in denen mehr Trainer entlassen wurden."

Keine Bedenken bei Heynckes' Weggang


Selbst der Weggang von Trainer Jupp Heynckes nach der Saison zum FC Bayern und die Verpflichtung von Robin Dutt vom SC Freiburg als dessen Nachfolger wirken in Zeiten der turbulenten Trainerwechsel völlig normal und ohne Hektik. Auch wenn Heynckes zu dem Verein wechselt, der Leverkusen im Kampf um einen direkten Champions-League-Platz noch gefährlich werden könnte und gegen den man in der aktuellen Spielrunde noch mal antritt.

Doch Völler bleibt gelassen: "Wir sind davon überzeugt, dass Heynckes alles geben wird und wir mit ihm unsere Ziele erreichen. Er ist nicht nur ein Top-Trainer, er ist auch total korrekt, ein Sportsmann vom Scheitel bis zur Sohle." Keine Sorge also bei dem 50-Jährigen, dass Heynckes Bayers Teilnahme in der Königsklasse verspielt und dort nächste Saison mit Bayern international auftritt.

Erfolgsdruck im gemachten Nest

Den neuen Trainer, Robin Dutt, erwartet man in Leverkusen mit offenen Armen. Die Vereinsführung hält den Noch-Freiburger für die richtige Wahl. Dutt ist "immer unser erster Ansprechpartner" gewesen, sagt Völler über den 46-Jährigen. Der Verein hat seinen Favoriten bekommen. Und Dutt kommt in einen Verein, in dem er sich nach Aussage von Heynckes sozusagen in ein gemachtes Nest setzt: "Meinem Nachfolger übergebe ich ein intaktes Team, das sich in allen Bereichen des modernen Fußballs weiterentwickelt hat."

Aber auf dem Neuen wird auch Druck lasten. Auch von Seiten Rudi Völlers. Denn die Fußstapfen des erfahrenen und in seiner Karriere so v erfolgreichen Heynckes sind groß. Sollte Leverkusen nächstes Jahr in der Champions League spielen, werden die Erwartungen an Dutt nicht geringer werden. Trotz der Ruhe nach außen hin, zählt auch bei Bayer letztlich nur der Erfolg.

Eine Liaison für's Leben


Seine eigene Zukunft sieht Rudi Völler in Zeiten der Wechselarien bei Bayer Leverkusen. "Ich bin mit Unterbrechungen seit 1994 im Verein - als Spieler, als Trainer, als Sportdirektor. Da kann ich nicht einfach sagen: So, jetzt gehe ich mal woanders hin. Man kann sagen: Ich bin mit Bayer verheiratet", erklärt der Weltmeister von 1990 unlängst in einem Interview.

Wenn es mit der beruflichen Laufbahn irgendwann einmal zu Ende geht, zieht es Völler in Punkto Alterswohnsitz jedoch nach Italien. Dort spielte er fünf Jahre bei AS Rom - von 1987 bis 1992 - und betrachtet Rom als seine zweite Heimat.

Am Samstag ist Rudi Völler aber noch weit entfernt von seinem Ruhestand und ab 23 Uhr zu Gast im "aktuellen sportstudio" bei Wolf-Dieter Poschmann.

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