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Qualifikant Koepfer rockt die US Open

Tennis

Die Erfolgsstory von Dominik Koepfer bei den US Open geht weiter: Der Qualifikant hat überraschend das Achtelfinale erreicht. Diese Leistung gelang einem deutschen Qualifikanten zuletzt vor 13 Jahren.

Dominik Koepfer jubelt
Dominik Köpfer bejubelt seinen Einzug ins Achtelfinale der US Open.
Quelle: usa today sports

Eigentlich hatte Dominik Koepfer am Wochenende nach New Haven fahren wollen. In der Stadt im US-Bundesstaat Connecticut findet das nächste Challenger-Turnier statt. Doch Koepfer hat besseres zu tun. Er spielt am Sonntag bei den US Open in New York, nachdem er am Freitagabend völlig überraschend ins Achtelfinale der mit rund 57,2 Millionen Dollar dotierten Veranstaltung eingezogen ist. Gegner dort: Die Nummer fünf der Welt, Daniil Medwedew (Russland).

"Es fühlt sich immer noch ein bisschen unwirklich an. Ich bin ein bisschen sprachlos", sagte Koepfer nach seinem 6:3, 7:6 (7:5), 4:6, 6:1 gegen den an Nummer 17 gesetzten Georgier Nikolos Bassilaschwili. Fassen konnte er seinen Coup nicht. "Ich habe sogar den Matchball vergessen, ich bin mir nicht sicher, was passiert ist", berichtete Koepfer.

Nur Djokovic bremst Koepfer aus

"Ich hatte gehofft, dass ich hier bei einem guten Los vielleicht ein Spiel im Hauptfeld gewinnen kann. Jetzt sind es schon drei", sagte der 25-Jährige nach seinem Sieg ungläubig.

Furchtlos und aggressiv rang Koepfer Basilaschwili nieder, unermüdlich rannte er jedem noch so unerreichbar scheinenden Ball hinterher. Zu stoppen war Koepfer erst, nachdem er den größten Erfolg seiner Karriere eingefahren hatte. "Ich habe erst einmal zehn Minuten draußen gewartet, weil Novak Djokovic und Denis Kudla ihr Interview gegeben haben und ich nicht in die Umkleidekabine konnte", erzählte Koepfer: "Also bin ich draußen rumgestanden, habe versucht, das zu realisieren und auf mein Handy geschaut". Aber dies, fügte er lachend hinzu, "macht keinen Sinn zur Zeit - zu viele Nachrichten."

Auf Beckers Spuren

Der Schwarzwälder überstand in Flushing Meadows als erster deutscher Qualifikant seit 13 Jahren die dritte Runde. Letztmals gelang dies im Jahr 2006 Benjamin Becker, der damals in der 3. Runde Andre Agassi besiegt und damit die Karriere des US-Amerikaners beendet hatte.

Becker und Koepfer haben auch sonst einige Gemeinsamkeiten. Beide spielten in den USA am College und holten sich da den Feinschliff für die Tennis-Tour. "Von daher ist Benjamin Becker schon so etwas wie ein Vorbild für mich", so Koepfer. "Er hat am College fast alles gewonnen und war auch danach sehr erfolgreich."

Dass kann Koepfer von sich bislang noch nicht behaupten. Bevor er nach New York kam, hatte er in diesem Jahr gerade einmal einen Sieg auf der ATP-Tour verbucht - in der ersten Runde von Wimbledon gegen den Serben Filip Krajinovic.

Kindheitstraum Top 100 wird wahr

Jetzt sind schon drei weitere dazu gekommen. Und diese werden das Leben von Koepfer komplett verändern. 280.000 Dollar Preisgeld hat er in New York bereits sicher. "Das nimmt mir den Druck. Auf der Challenger Tour ist es schwer. Man muss den Trainer, seine Miete, die Reisen bezahlen und verdient fast nichts. Jetzt ist auch das nächste Jahr schon gedeckt", berichtete die aktuelle Nummer 118 der Welt.

Durch seine Erfolge in New York wird Koepfer erstmals zu den 100 besten Spielern der Welt gehören. "Das war ein Kindheitstraum, der jetzt in Erfüllung gegangen ist", sagte er, mindestens auf Platz 84 der Weltrangliste wird er klettern.

Nervös wegen Becker

Doch noch ist das weit weg, schließlich sind die US Open für ihn noch nicht vorbei. Dass er inklusive den Partien in der Qualifikation nun schon sechs Spiele in den Knochen hat, soll am Sonntag gegen den Daniil Medwedew im Achtelfinale keine Rolle spielen. "Ich fühle mich gut, es tut nichts weh", sagte Koepfer, der wie vor jeder Partie wieder zu einem Italiener in Manhattan gehen wird - als Glücksbringer.

Kraft und Mut schöpft Koepfer auch immer durch einen Blick in seine Box auf der Tribüne. Dort strahlt sein Coach Rhyne Williams Ruhe und Gelassenheit aus, treiben ihn seine alten Freunde vom College in New Orleans immer wieder an. Und dann hatte sich am Freitag noch ein ganz besonderer Zuschauer auf die Ränge gesetzt. Boris Becker schaute sich den neuen deutschen Shootingstar an. "Als ich ihn da gesehen habe, bin ich schon ein bisschen nervös geworden", sagte Koepfer. So ganz ist er in seiner neuen Tennis-Welt eben noch nicht angekommen.

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