Tognoni kritisiert den "Männerbund"

Ex-FIFA-Mitarbeiter zu Gast bei Poschmann

Auch zwei Tage nach dem Votum von Zürich wird die WM-Vergabe weiter kritisiert. Im "aktuellen sportstudio" (23 Uhr) diskutieren Ex-FIFA-Mitarbeiter Guido Tognoni und Korruptionsbekämpferin Sylvia Schenk mit Wolf-Dieter Poschmann über die Machenschaften der FIFA.

In England wehen die Fahnen auf Halbmast. Das Mutterland des Fußballs hat die WM 2018 nicht zugesprochen bekommen - und ärgert sich nun über die FIFA.

Racheakt an England?

Von "Schiebung" ist bei "The Sun" die Rede, "eine Erniedrigung und schallende Ohrfeige für England" schreibt "The Guardian", von einer "Demütigung Englands" spricht die "Times" und beschreibt den Vergabeprozess als ein "schwarzes Loch aus Hinterzimmer-Machenschaften und politischem Eigeninteresse".

Der britische Sender BBC hatte am Montag vor der WM-Vergabe eine Dokumentation über Korruption bei der FIFA veröffentlicht. Es wird von nun einigen Stellen der Verdacht geäußert, dass die Vergabe der WM an Russland als eine Art Racheakt der FIFA an England gesehen werden könnte.

Jennings sagt ab

Der Autor der Berichts, Andrew Jennings, war als Gast ins "aktuelle sportstudio" eingeladen, um über die Korruptionsvorwürfe zu sprechen. Aus gesundheitlichen Gründen musste der Enthüllungsreporter seinen Besuch absagen.


Korruption bei der FIFA ist aber nach wie vor das Thema der Sendung. Moderator Wolf-Dieter Poschmann begrüßt Ex-FIFA-Mitarbeiter Guido Tognoni und Korruptionsbekämpferin Sylvia Schenk im Studio.

Bei Blatter in Ungnade gefallen

Tognoni war bei der FIFA, UEFA und National Hockey League in den USA tätig. Bei der FIFA war er Medienchef und Marketingmanager - somit ein Insider für Fragen zum Weltfußballverband. Als ehemals rechte Hand von Präsident Joseph Blatter musste Tognoni 1995 beim Verband seinen Hut nehmen, nachdem er bei Blatter in Ungnade gefallen war.

Der FIFA-Chef begründete die fristlose Entlassung des damals 44-Jährigen mit einem nicht mehr vorhandenen Vertrauen der Verbands-Oberen in seinen Mitarbeiter. Heute arbeitet Tognoni als Rohstoff-Broker und Projektberater.

"Ohrfeige für England"


"Die FIFA ist ein Männerbund und hat 208 Mitglieder, die sich alle zwei Jahre gegenseitig auf die Schulter klopfen. Es stimmt in der Wahrnehmung sehr vieles nicht mehr", sagte Tognoni im ZDF. Auch Im Schweizer Fernsehen äußerte er sich kritisch über die Entscheidung der FIFA gegen England. Es sei vermutlich eine "Retourkutsche für England", so der Schweizer und nennt die Wahl eine "Ohrfeige für England". "Das sieht nach einer Strafaktion aus", Tognoni weiter.


Sylvia Schenk ist seit 2007 Vorsitzende der Antikorruptionsorganisation Transparency International in Deutschland. Als solche beschäftigt sie sich auch mit Korruption im Sport. Die FIFA hat sie längst im Visier, gerade wegen der aktuellen Korruptionsvorwürfe gegen hochrangige Mitglieder des Exekutiv-Komitees. "Aufräumen in der FIFA ist jetzt dringend geboten. Ein Aussitzen eines solchen Falles ist nicht mehr möglich. Man muss jetzt ganz grundsätzlich herangehen und eine strukturelle Erneuerung des Weltverbandes anstreben", fordert die 58-Jährige im Interview mit der dpa.

Schenk, die sich zudem jahrelang für einen strikte Politik gegen Doping eingesetzt hat, war früher selbst aktive Leichtathletin. 1972 nahm sie an den Olympischen Spielen in München teil, lief 1971 mit der 4 x 800-m-Staffel sogar Weltrekord. Von 2001 bis 2004 war die Sportfunktionärin Präsidentin des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR). 2007 kehrte sie dem Sport dann indirekt den Rücken. Mit den Worten "Ich bin nicht mehr die Frau des Sports" übernahm Sylvia Schenk im Oktober 2007 den Vorsitz bei Transparency International in Deutschland.

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