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VfL Wolfsburg - in jedem Fall großspurig

Im Fall eines Abstiegs wären der Hohn und Spott groß: Der teure Doppelpass zwischen Volkswagen und dem VfL Wolfsburg ist nicht für die 2. Liga gedacht. Doch der Wille, einen solchen Betriebsunfall mit Wucht zu korrigieren, kommt schon in Sicht.

Kinder schwenken im Wolfsburger Stadion Fahnen vor dem Spiel gegen Augsburg
Fahnenschwenkende Kinder im Wolfsburger Stadion
Quelle: dpa

Kaum jemand spricht öffentlich darüber. Aber was wird bloß aus einem Verein, den der VW-Konzern großzügig finanziert, im Fall eines Abstiegs? In der Theorie bleibt dem VfL Wolfsburg ein sündhaft teurer Spielerkader erhalten. Nur drei Profis haben auslaufende Verträge. Und wie der Verein bestätigt, sind alle anderen Spieler auch in der 2. Liga an ihn gebunden.

Identifikation fehlt

Siegfried Reich (2. v.r.) im Zweitligaspiel 1996 gegen Arminia Bielefeld gegen Peter Hobday. Rechts Jens Keller.
Siegfried Reich (2. v.r.) im Zweitligaspiel 1996 gegen Arminia Bielefeld im Zweikampf mit Peter Hobday. Rechts Jens Keller.
Quelle: imago/Rust

Doch mit Macht an etwas festzuhalten, das in der Saison 2017/18 gar nicht funktioniert hat, wäre naiv bis kontraproduktiv. "Ich fände es auch unangemessen", sagt Mittelfeldspieler Yannick Gerhardt, "wenn man sich jetzt als Spieler Gedanken über die eigene Zukunft macht."

Dass die Verantwortlichen des VfL darüber nachdenken müssen, ob sie Städte wie Sandhausen, Regensburg und Heidenheim in ihre Navigationsgeräte einspeichern können, ist ein Trauerspiel. Wie im Vorjahr kämpft der Meister von 2009 und Pokalsieger von 2015 trotz millionenschwerer Investitionen nur um den Klassenerhalt.

Seinen aktuellen Spielern mangelt es Einsatzbereitschaft, Qualität, Mut und etwas Grundlegendem. "Die Identifikation mit dem Verein fehlt", findet Siegfried Reich. Der ehemalige Torjäger des VfL, in den 90er Jahren ungemein treffsicher, gehört wie der unermüdlich kämpfende Roy Präger bis heute zu den Kultfiguren des Vereins.

Hohe Ziele in Liga 1 und 2

Reich und Präger blicken auf eine Zeit zurück, in der der VfL Wolfsburg noch ein normaler Fußballverein war. Seit dem Einstieg des VW-Konzerns als Klub-Eigner und Hauptsponsor sind die Ziele und Buchungsposten extrem großspurig. Daran soll sich im Fall eines Abstiegs wenig ändern.

"Am Ende des Tages werden wir uns gemeinsam - notfalls auch in der 2. Liga - schütteln und versuchen, möglichst schnell wieder in die 1. Liga zu kommen", erklärt Frank Witter.

Der Finanzchef von VW ist vor Kurzem an die Spitze des Aufsichtsrates der VfL Wolfsburg Fußball GmbH gerückt. Sie ist jene Firma, die den Verein lenkt und aktuell den Eindruck erweckt, als ob kein Rädchen mehr in das andere greifen will.

Führungspersönlichkeit fehlt

Ein simpler Punkt am 34. Spieltag gegen den 1. FC Köln würde ausreichen, um wie im Vorjahr zumindest noch die Relegationsspiele zu erreichen. Aber der Rückhalt für ein Team, das sich einfach nicht aufbäumt und in diesem Jahr noch kein einziges Heimspiel gewonnen hat, schwindet immer mehr.

Der harte Kern der Fans ist frustriert und wendet sich ab. "Wir können auch nichts einfordern", sagt Chefcoach Bruno Labbadia. Er ist schon der dritte Wolfsburger Trainer innerhalb der Saison 2017/18. Immer mehr Spieler lassen durchblicken, dass sie verunsichert sind. Führungspersönlichkeiten lassen sich auf und neben dem Platz nicht entdecken.

Geschäftsführer gesucht

Der Absturz in die 2. Liga würde für den VfL Wolfsburg eine Chance beinhalten. Denn der vom VW-Konzern dirigierte Verein könnte sich grundlegend sortieren. Ein neuer Geschäftsführer wird schon gesucht. Einen Nachfolger für Labbadia zu engagieren, wäre die logische Folge. Angeblich soll ein Budget in Höhe von 60 Millionen Euro für einen Spieleretat in der 2. Liga zur Verfügung gestellt werden. Die Summe wäre rekordverdächtig hoch, aber eben auch keine Garantie, dass aus dem VfL Wolfsburg wieder ein Erfolgsmodell wird.

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