Vom Chancentod zum Vollstrecker

Robert Lewandowski ist für den BVB fast unentbehrlich

Robert Lewandowski ist endlich richtig angekommen. In seinem zweiten Jahr bei Borussia Dortmund macht der Stürmer das, was man von Anfang an von ihm erwartet hatte: Toreschießen.

Robert Lewandowski
Robert Lewandowski Quelle: ap

Und das mit Bravour. Den Giganten-Gipfel unter der Woche, das Duell des BVB gegen den ärgsten Titelkonkurrenten Bayern München um die Deutsche Meisterschaft, entschied der Treffer von Lewandowski. In einer Art und Weise, die die Fans völlig aus dem Häuschen brachte. Mit der Hacke lenkte er einen Schuss von Kevin Großkreutz unhaltbar für Nationalkeeper Manuel Neuer zum Siegtreffer ins Tor.

Eingewöhnung mit Problemen


Die Bayern abgeschüttelt, den Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung freigemacht - Lewandowski hat sich in der neuen Heimat richtig eingelebt. Nach einer solchen Erfolgsstory sah es allerdings zu Beginn seiner Dortmunder Zeit nicht aus. "Die erste Saison war schwer, das war keine schöne Zeit", sagte Lewandowski zum "kicker". "Ich kam in eine neue Stadt, ein neues Land, eine neue Umgebung, und auch der Fußball war neu. Ich wusste, ich brauche Zeit". Zeit, die er von Trainer und Verein bekam, auch wenn die Erwartungen an den im Jahr 2010 von Lech Posen mit viel Vorschusslorbeeren gekommenen Torjäger von Anfang an groß waren.

Doch der Pole tat sich schwer. Platzhirsch Lucas Barrios machte seine Netze und ließ keine Zweifel an seinem Nummer-eins-Status aufkommen. Und Lewandowski erspielte sich in seinen wenigen Einsatzzeiten eher den Ruf eines Chancentodes. Bei 18 seiner 33 Einsätze 10/11 wurde er nur eingewechselt, lediglich fünfmal spielte er von Beginn an im Sturm - und vergab etliche Großchancen. In der Endabrechnung des Meisterjahres standen acht Tore und zwei Torvorlagen zu Buche. Durchaus ausbaufähig, wenngleich die Quote der des zweitbesten Jokers der abgelaufenen Saison entsprach.

Mit Toren zum Stammplatz


Doch dann verletzte sich Barrios, und Lewandowski nutzte zur neuen Saison die Chance, sich von Beginn an auf seiner Lieblingsposition im Sturm zu präsentieren. Durch starke Leistungen, viele Tore und Torvorlagen sicherte er seinen Platz, und für den Meisterschafts-Helden Barrios blieb auch nach der Genesung nur der Platz auf der Bank - dort, wo sich Lewandowski in der letzten Saison so oft wiedergefunden hatte.

Mittlerweile stehen nach 30 Spieltagen 20 Treffer und acht Torvorlagen für Lewandowski in der Bundesliga zu Buche. Das freut nicht nur den Polen, sondern auch BVB-Sportdirektor Michael Zorc. "Er behauptet die Bälle unwahrscheinlich gut. Er befindet sich im Moment in einer Riesenverfassung", sagte Zorc zum "kicker". Und was ihn besonders glücklich macht: "Er haut die Dinger rein." Das tut ihm gut, hat auch Kapitän Sebastian Kehl beobachtet: "Bei ihm ist jede Menge Selbstbewusstsein aufgelaufen, und das macht ihn so unwahrscheinlich stark."

Pokern um den neuen Kontrakt


Doch kaum hat der polnische Nationalspieler sich in die Stammformation der Schwarz-Gelben und in die Herzen der Fans gespielt, könnten die Anzeichen schon wieder auf Abschied stehen.



Der Grund: Laut Lewandowskis Berater sei ein Angebot des BVB zur vorzeitigen Vertragsverlängerung unzureichend gewesen. "Wir sind enttäuscht. Das habe ich auch Herrn Watzke klar zu verstehen gegeben", sagte Cezary Kucharski dem polnischen Sender "Polsat". Dabei geht es um eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2017. Doch die Gehaltsvorstellungen des BVB passen dem Berater offensichtlich nicht.

Vertrag nicht von Interesse?

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bestätigte die Verhandlungen: "Es stimmt, dass wir ihm ein Angebot unterbreitet haben, mit dem Herr Kucharski nicht zufrieden ist. Trotzdem werde ich ihm auch noch persönlich sagen, dass es schlechter Stil ist, so etwas öffentlich zu machen", so Watzke zu "Bild". Sollten sich die Parteien nicht einig werden, könnte der Torjäger schon 2014 wieder weg sein.

Lewandowski gibt sich entspannt: "Ganz ehrlich, ich weiß nichts von einem Angebot oder Zahlen. Ich weiß nur, dass sich mein Berater mit den Bossen getroffen hat. Aber es interessiert mich zurzeit wirklich nur die Bundesliga und die EM." Und was ihn sonst noch so interessiert, kann er am Samstag von 23 Uhr an im "aktuellen sportstudio" kundtun.

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