Vom "Feierbiest" zum Krisenmanager

Bayern-Trainer van Gaal glaubt noch an die Meisterschaft

Louis van Gaal hat schon bessere Zeiten beim FC Bayern erlebt. Im "aktuellen sportstudio" äußert sich der Niederländer, neben dem historischen Fehlstart des Rekordmeisters, zu seiner Zukunft als Trainer und seiner Zweitkarriere als Buchautor.

Bei seinen letzten zwei Besuchen im "aktuellen sportstudio" konnte Aloysius Paulus Maria (genannt Louis) van Gaal gelassen auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga schauen - da stand er mit dem FC Bayern München weit oben. Aktuell muss er das Geschehen aus für Bayern-Verhältnisse ungewohnter Position betrachten: nach sieben Spieltagen liegen die Münchner auf Platz zwölf, mit 13 Punkten Rückstand auf Tabellenführer Mainz und nur drei Punkte von der Abstiegsrelegation entfernt.

Alarm und "Politik der ruhigen Hand"


Es ist der schlechteste Saisonstart der Vereinshistorie. Zwar herrscht Alarmstimmung beim Rekordmeister, aber Panik bricht bei den Verantwortlichen noch keine aus. Im Gegenteil: der Vertrag von Trainer van Gaal wurde gerade verlängert. Ein Bekenntnis zum niederländischen Strategen und zu mehr Konstanz.

Zwar verfolgen die Bayern-Oberen um Präsident Uli Hoeneß gemeinsam mit dem Trainer eine "Politik der ruhigen Hand", aber sie wissen auch, dass gehandelt werden muss. Daher fordert van Gaal, dass alle Beteiligten, und besonders die Mannschaft, "hart zusammenarbeiten" und "mehr Einsatz" zeigen, um aus der Krise zu kommen. Und ergänzt, dass alle "an einem Strang ziehen" müssen.

Training statt Wiesn-Feier

Die aktuelle Situation ist ungewohnt für den Perfektionisten van Gaal. Letzte Saison gewann er mit dem FC Bayern das Double und erreichte das Finale der Champions League. Als selbsternanntes "Feierbiest" hatte der 59-Jährige somit allen Grund zu feiern. Jetzt, nur ein paar Monate später, muss er sich als Krisenmanager beweisen und den Karren mit seinem durch Verletzungen reduzierten, teilweise WM-müden und form- und glückbefreiten Kader wieder aus dem Dreck ziehen.

Als eine erste Maßnahme wurde nach der 0:2-Pleite gegen Borussia Dortmund der obligatorische Besuch auf dem Münchner Oktoberfest abgesagt - zum ersten Mal! Training statt Wiesn-Feier lautete die Devise von van Gaal.

Glauben an die Meisterschaft

Trotz der derzeitigen Misere bleibt van Gaal optimistisch. Er glaube noch an die Meisterschaft. Der Rückstand sei aufzuholen, auch "wenn das nicht einfach ist". Vor allem dann nicht, wenn man in dieser Phase kein gewohntes Training durchziehen kann. Am Mittwoch stand van Gaal nur mit einer handvoll Spielern auf dem Trainingsplatz. Der Rest ist abgestellt für die Nationalmannschaften, die am Wochenende in der Europameisterschafts-Qualifikation antreten, oder verletzt.

Erfolgreich arbeiten geht anders. Aber eine "Mission impossible" ist die Meisterschaft dennoch nicht. Noch liegen 27 Spieltage vor den Bayern und ihrem niederländischen Coach. Mit einer Siegesserie könnte man den Vorsprung auf die oberen Tabellenplätze verkürzen.

Nebenjob: Buchautor


Der FC Bayern steckt in der Krise - Louis van Gaal hätte sich durchaus einen besseren Zeitpunkt gewünscht, um seine zwei Bücher in Deutschland zu veröffentlichen. Trotzdem stellte er am Mittwoch in München seine "Biographie" und seine "Visionen" vor. Unterstützt wurde er dabei von "sportstudio"-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein.

Seine "Biographie" handelt - natürlich - von seinem Leben, "Visionen" beschreibt seine Auffassung von Fußball. Van Gaal ist ein Mann, der es als "Pflicht eines jeden Menschen" ansieht, "sein Wissen zu vermitteln". Und sein Wissen hat er in diese zwei Bücher gepackt, auf über 400 Seiten. Lebensweisheiten und Fußballphilosophien, von denen Louis van Gaal hoffentlich auch ein paar im "aktuellen sportstudio" verraten wird.

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