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Ein Wutausbruch und seine Folgen

Bundesliga | Dortmund - Bremen

Borussia Dortmund ist vor dem Spiel gegen Werder Bremen (18.30 Uhr/ab 22 Uhr Ausschnitte im Sportstudio) noch immer mit den Folgen der Wutattacke von Marco Reus beschäftigt. Die Bosse stärken dem Kapitän demonstrativ den Rücken.

Lucien Favre und Marco Reus
Lucien Favre (li.) und Marco Reus
Quelle: dpa

Da sage noch einer, Spieltagspressekonferenzen bei Borussia Dortmund haben den niedrigsten Unterhaltungswert der Liga. Am Donnerstag war alles anders. Als sich Lucien Favre und Michael Zorc im Schulungsraum des Nachwuchsleistungszentrum an der Adi-Preißler-Allee den Fragen zum Bundesliga-Heimspiel von Borussia Dortmund gegen Werder Bremen (Samstag 18.30 Uhr/ab 23 Uhr Ausschnitte im ZDF-Sportstudio) stellten, sorgten Cheftrainer und Sportdirektor mal für Abwechslung.

Weil beide irgendwann ziemlich genervt davon waren, dass den aktuellen Tabellendritten noch immer die Mentalitätsdebatte umkreist wie ein Haifisch seine Beute. Das Thema hält den selbst ernannten Titelanwärter gefangen. „Es ist einfach zu sagen, es liegt an der Mentalität“, erklärte Favre und verwies auf die facettenreiche Interpretation dieses Begriffs. „Es ist kompliziert“, sagte der 61-Jährige. Zorc bügelte die These gleich barsch ab, dass der BVB von einem Qualitäts- oder Mentalitätsproblem geplagt sei. Der 57-Jährige findet, dass gerade auf „hohem Niveau“ kritisiert werde und die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gewährleistet sei. „Ich habe das Gefühl, dass wir am Ende der Saison stehen und sämtlich Ziele verfehlt haben.“

Der Kapitän steckt im Dilemma

Sicherlich nicht. Aber: Die bei Union Berlin (1:3) und Eintracht Frankfurt (2:2) liegen gelassenen Zähler und die schludrige Leistung beim 1. FC Köln (3:1) erinnerten fatal an den Einbruch in der Rückrunde der Vorsaison, als die zur Halbserie mit sechs Punkten führenden Überflieger aus Westfalen auf einmal einknickten wie Setzlinge auf der Streuobstwiese beim ersten Herbststurm. Dies sei, erläuterte Marco Reus damals, eine Mentalitätsfrage. Genau derselbe Spieler schimpfte nun vergangenen Sonntag wie ein Rohrspatz. Hat der 30-Jährige jemals so derbe Sätze benutzt wie in der Frankfurter Arena? „Das geht mir so auf die Euer mit euch, mit eurer Mentalitätsscheiße. Jede Woche immer dieselbe Kacke.“

Da vergaß einer mal eben seine Vorbildfunktion. Zum einen hatte sich der BVB-Kapitän über das späte Eigentor seines Mitspielers Thomas Delaney geärgert, zum anderen schien Reus aber auch mit sich selbst unzufrieden. Deutschlands Fußballer des Jahres setzte nur wenige Akzente in Frankfurt, nachdem ihm zuvor bei der Gala gegen Bayer Leverkusen seine Saisontore zwei und drei gelungen waren.

Der Manager zeigt „klare Kante“

Doch in der Champions League gegen den FC Barcelona verschoss er einen Elfmeter und war in den EM-Qualifikationsspielen gegen die Niederlande (2:4) und Nordirland (2:0) mal wieder nur Mitläufer in der Nationalmannschaft. Noch immer fehlt seiner Vita ein prägendes Turnier. Die WM 2014 verpasste er ebenso wie die EM 2016 auf fast schon tragische Weise. Generelle Zweifel an seiner Klasse sind kaum angebracht. Und dass Reus als Anführer der Borussia infrage gestellt wird, findet Zorc unerhört. Von ihm gab es deshalb "ganz klare Kante". Wörtlich erklärte er: „Marco ist Kapitän und bleibt unser Kapitän. Es gibt keinen Grund, etwas daran zu ändern."

Der Kader verfüge über eine „gesunde Hierarchie“ mit Reus an der Spitze - unterstützt von erfahrenen Kräften wie Lukasz Piszczek, Axel Witsel und Mats Hummels, dessen Mitwirken aber am Samstag wegen einer nicht näher definierten Blessur noch auf der Kippe steht. Auch Favre fand eine Diskussion über den Wert der Identifikationsfigur irritierend. „Ja! Warum? Ja!“ lautete seine Replik auf die Nachfrage, ob Reus einer guter Kapitän sei. „Er hat das letztes Jahr gut gemacht. Er macht das jetzt gut.“

Spieler mit beeindruckender Quote

Unbestritten, dass der gebürtige Dortmunder die Quote eines Topspielers aufweist. Die Nummer elf trifft in fast jedem zweiten Bundesligaspiel (265 Spiele/ 119 Tore), in beinahe jeder zweiten Champions-League-Partie (37/ 17) und auch fast jeder zweiten DFB-Pokalbegegnung (34/ 14). Ohne seine langen Fehlzeiten wäre die Bilanz noch besser. Doch Fakt ist auch: „Die Sphinx vom Borsigplatz“ (Fachmagazin Kicker) muss mehr Konstanz zeigen, um sich wirklich den Traum vom Titel von der Schale zu erfüllen. Interessant ist ja, dass Dortmund in der Vorsaison gegen die Europapokalteilnehmer so viele Punkte holte wie kein anderes Spitzenteam, aber im Gegenzug gegen die Mittelklasse und Abstiegskandidaten viel liegen ließ.

Schlechte Erinnerungen hat der BVB an den Gegner Bremen. Zunächst verlor der BVB im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen den SV Werder mit 2:4 nach Elfmeterschießen, dann bedeutete das merkwürdige 2:2 im Weserstadion am 32. Spieltag endgültig den Wendepunkt im Meisterschaftskampf zugunsten des FC Bayern.

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