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Alles auf Umbruch beim BVB

Fußball-Bundesliga, 31. Spieltag: Dortmund - Leverkusen

Borussia Dortmund kämpft gegen Bayer Leverkusen (18:30 Uhr) um sein wichtigstes Saisonziel: den Sprung in die Champions League. Der würde den Neuanfang im Sommer erheblich erleichtern.

Nuri Sahin (BVB)
Nuri Sahin, Marcel Schmelzer, Sokratis (v.l.n.r.) Quelle: imago

Es dämmert den Fans von Borussia Dortmund, dass diese Seuchensaison vielleicht eine letzte Gemeinheit bereithält. Nach der Champions-League-Blamage gegen Nikosia, dem Riss der stolzen Heimserie gegen Leipzig, der Klatsche in München, dem Europa-League-Aus in Salzburg und dem Doppel-Debakel im Derby droht dieses Schreckensszenario zum Abschluss: Ein Endspiel um Rang vier bei der ungeliebten TSG Hoffenheim, während zeitgleich Revierrivale Schalke als Vizemeister den 34. Spieltag genießt und Frankfurt am BVB vorbeiziehen lässt.

Königsklasse ein Muss

Andererseits ist im verrückten Schneckenrennen um Europa auch das genaue Gegenteil möglich. „Wir können einen wichtigen Schritt machen“, sagt BVB-Trainer Peter Stöger vorm anstehenden Schlüsselspiel gegen Leverkusen. Mit einem Sieg über den punktgleichen Tabellendritten würden die wankenden Westfalen im Kampf um die Königsklasse ein Zeichen setzen: Sollten sich Leipzig und Hoffenheim gegenseitig Punkte wegnehmen und Frankfurts Pokalhelden müde Beine gegen Hertha zeigen, winkt ein Vorsprung von mindestens sechs Punkten auf die Verfolger.

Peter Stöger
Bleibt Peter Stöger als Übergangslösung? Quelle: Reuters



Egal, wie die Partie im früheren Westfalenstadion ausgeht und ob der Sprung in die Champions League gelingt: Am Umbruch im Sommer kommt der BVB nicht vorbei. Er würde aber einfacher. Kosmetik: Die Borussia müsste im Mai und Juli nicht mit Loser-Image auf US-Werbetour gehen. Viel wichtiger: Sie würde viele Fans beruhigen, die sich zuletzt kaum noch in ihrem Herzensklub wiederfanden. Dazu die Finanzen: Die börsennotierte Borussia muss etwa 140 Mio. Euro pro Jahr allein für den Kader stemmen. Europas lukrativste Liga ist fast ein Muss. Außerdem lassen sich Toptalente, Stars oder Nationalspieler, wie aktuell Jonas Hector, mit der Aussicht auf die große Bühne leichter locken.

„Alternativlos“ hat ausgedient

Die Aufgaben sind gewaltig: Der BVB braucht frisches Blut, möglichst bald die Zusage eines Trainers und dazu nicht weniger als eine stimmige Philosophie. Was bei all dem in Bezug auf die Folgen des Bombenanschlags angemessen ist, lässt sich nicht mal ansatzweise ahnen. Der Klub scheint den Reformbedarf erkannt zu haben. BVB-Chef Hans-Joachim Watzke hat sich offenbar von seiner Lieblingsvokabel „alternativlos“ getrennt und ermuntert interne Kritik: Vom künftigen Berater Matthias Sammer erhofft er sich schonungslose Analysen und vom neuen Leiter der Lizenzspieler-Abteilung, dass er rund ums Team „alle Aspekte hinterfragt. Alle.“ Sebastian Kehl wird es wohl werden.

Sport | das aktuelle sportstudio - Korkut: Videobeweis muss optimiert werden

Skepsis schlug Tayfun Korkut entgegen, als er den VfB Stuttgart übernahm. Zehn Spiele später ist der Klub gerettet. Der 44-Jährige kämpft aber weiter um Anerkennung und die Chance, eine Dauerlösung zu sein. Heute ist Korkut Gast im aktuellen sportstudio.

Videolänge:
16 min
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In der Trainerfrage ist Vieles vorstellbar. Ein neuer Vertrag für Stöger scheint eher unwahrscheinlich nach dem spielerischen Absturz der vergangenen Wochen. Gänzlich vom Tisch ist er aber nicht. Denn Stöger könnte Dortmund noch einen letzten Gefallen tun: Wenn es dem BVB wirklich weiter ernst ist um Julian Nagelsmann, der erst 2019 in Hoffenheim aussteigen kann, läge die Brückenlösung nahe. Lucien Favre käme nicht für nur ein Jahr. Zudem könnte Stöger der Borussia undankbare Entscheidungen abnehmen. Etwa wenn es darum geht, Stars zu stutzen. War die harsche Kritik an Mario Götze nur ein Vorbote? Die BVB-Fans wissen nach Leverkusen vielleicht schon mehr.

Tor, Abwehr, Sturm - überall Bedarf

Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund)
"Rentenanwärter" Roman Weidenfeller Quelle: dpa

Bei jenen „punktuellen Justierungen“ im Kader, von denen Watzke noch im Winter sprach, wird es kaum bleiben. Fast alle Positionen stehen zur Debatte. Etwa im Tor: Für Rentenanwärter Roman Weidenfeller muss ein Ersatz her. Vielleicht sogar als Herausforderer für die umstrittene Nummer eins, Roman Bürki. Im Sturm sucht der BVB weiter den Aubameyang-Nachfolger. Gegen den Kauf der Chelsea-Leihe Michy Batshuayi spricht weniger die aktuelle Verletzung, als die üppige Ablöse, angeblich 60 Mio. Euro. Und sollte sich Sokratis noch länger zieren, dürfte sogar die Planstelle des Abwehrchefs frei werden.

Für das Mittelfeld wird dringend eine prägende Persönlichkeit gesucht, ein Leader. Denn auch das hat die Saison gezeigt: Die Atmosphäre im Team ist angegriffen, eine Hierarchie schwer erkennbar. Für Kapitän Marcel Schmelzer oder Nuri Sahin wird es immer schwerer, im Herbst der Karriere die Rolle als Anführer auszufüllen. Und ihr Rückhalt an der Basis schmilzt. So sieht ein Online-Voting der „Ruhr Nachrichten“ Schmelzer weit vorne in der Liste möglicher Abgänge. Nicht repräsentativ, aber doch bemerkenswert, weil lange unvorstellbar. Das Fanzine schwatzgelb.de legte Klub-Ikone Sahin sogar nahe, ein Wechsel sei „für alle Seiten das Beste“. Echte Liebe, hart gelandet.

Einmalige Chance

Viel Zeit bleibt nicht für Kurskorrekturen. Ab kommender Saison greift die Reform der Champions League, die Europas Fußball auf Jahre formen wird. Schon das Achtelfinale ist dann für einen Bundesligaklub 50 Mio. Euro und mehr wert. Ein kleines, aber bedeutendes Chancenfenster für hungrige Herausforderer. Sollte etwa Schalke auf diese Weise die Kampfansage seines Chefs Clemens Tönnies umsetzen und am BVB vorbeiziehen - das wäre ein echtes Schreckensszenario für die Fans von Schwarz-Gelb. Dagegen würde ein Endspiel in Hoffenheim komplett verblassen.

Der Spieltag im Liveticker

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