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Feine Risse im Gefüge

Bundesliga RB Leipzig - Dortmund

Die Erfahrung ist für den sächsischen Emporkömmling ziemlich neu: Auch bei RB Leipzig geht es nicht stetig bergauf. Im Topspiel gegen Borussia Dortmund (Samstag 18.30 Uhr/Ausschnitte ab 23 Uhr im sportstudio) geht es nach drei Pflichtspielniederlagen auch um die Frage, wie die Zukunft von Trainer Ralph Hasenhüttl aussieht.

Ralph Hasenhüttl (li.) und Ralf Rangnick
Ralph Hasenhüttl (li.) und Ralf Rangnick Quelle: dpa

Eines ist Ralph Hasenhüttl nicht abzusprechen: Der Trainer von RB Leipzig ist nicht nur von seinen eigenen Fähigkeiten ziemlich überzeugt, sondern scheut sich auch nicht, eigene Versäumnisse einzuräumen. Mit einer schonungslosen Offenheit, von der sich einige Kollegen durchaus etwas abschauen dürfen.

Als am Donnerstag auf der Pressekonferenz in der Red-Bull-Arena am Sportforum die Frage aufkam, wie die drei Pflichtspielniederlagen bei Eintracht Frankfurt (1:2), gegen den SSC Neapel (0:2) und gegen den 1. FC Köln (1:2) zu erklären seien, führte Hasenhüttl an: "Wir haben alle nicht die richtigen Entscheidungen getroffen. Auch ich."

"In der Konstanz liegt die Krux"

Und warum die Rasenballsportler phasenweise so kraftlos wirkten, als hätten sie nicht von einem Energydrink genippt, sondern ein Schlafmittel eingenommen, führte der 50-Jährige aus: "Ich habe zu sehr auf das zweite Tor gehofft und zu spät reagiert, um unser Spiel zu verändern." Wenn Selbstkritik der erste Weg zur Besserung ist, dann stehen die Vorzeichen für das Topspiel gegen Borussia Dortmund am Samstagabend (18.30 Uhr/ ab 23 Uhr Ausschnitte im sportstudio) gar nicht so schlecht.

Und wie sagte der gebürtige Grazer noch? "Wir haben nach wie vor eine hervorragende Ausgangsposition. Wir spielen gegen einen direkten Konkurrenten um die Champions-League-Plätze. Wir stürzen uns mit viel Vorfreude und großem Tatendrang in die nächsten Aufgaben. Aktuell liegt in der Konstanz die Krux."  Deshalb sind die Repräsentanten aus der Messestadt derzeit auch nur Sechster.

Verschleißerscheinungen sind unübersehbar

Während das Team bis Herbst die Dreifach- und Doppelbelastung dank gezielter Trainingssteuerung fast mühelos hinbekam - und mitten in dieser Phase auch 3:2 in Dortmund triumphierte - stellten sich im Dezember erste Verschleißerscheinungen ein. Und auch im neuen Jahr bleibt der Eindruck haften, dass es für die junge Rasselbande unter dem Brausedach eben doch nicht so einfach ist, den Spagat zwischen nationalen und internationalen Herausforderungen zu bewältigen. Ständig auf dem Gaspedal zu stehen: Das geht selbst bei kraftstrotzenden Typen wie Timo Werner oder Marcel Sabitzer nicht.

Vor dem Hintergrund, dass RB Leipzig nun in der Europa League gegen Zenit St. Petersburg antritt (8. und 15. März) und danach womöglich noch weiter auf dieser Bühne mitwirkt, ist die richtige Dosierung der Schlüssel zum Erfolg. Sportdirektor Ralf Rangnick mahnte vor der Rückrunde allerdings auch an, die DNA von RB  Leipzig müsse wieder erkennbar werden. So führte Rangnick im Interview mit dem Fachmagazin "kicker" aus, dass die Mannschaft im letzten Jahr besser gewesen sei als das, "was man aus der Summe der Einzelspieler von ihr erwarten konnte."

Persönliche Interessen haben Überhand genommen

In dieser Saison sei der Vizemeister noch nicht auf dem absoluten Top-Niveau: "Das hat auch mit Selbstvertrauen, Überzeugung und mit Glaube ans eigene Spiel zu tun." Interessanterweise stellte Hasenhüttl am Donnerstag auch heraus, dass die Egoismen in seinem Kader zugenommen haben könnten: "Vielleicht haben zuletzt die persönlichen Interessen im Team überhand genommen. Das wollen wir zurückstellen." Speziell Shootingstar und Nationalspieler Werner wandelte mit fragwürdigen Gesten wie Abwinken bei den Kollegen zuletzt auf einem schmalen Grat.

Die feinen Risse im Gefüge sind auch deshalb gefährlich, weil im Grunde auch die Trainerfrage offen ist. Hasenhüttl besitzt zwar ein bis Juni 2019 gültiges Arbeitspapier, ist jedoch als Trainer nirgendwo länger als drei Jahre geblieben. In Aalen und Ingolstadt ging der Österreicher auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Pikant, dass Rangnick offensichtlich einige Vorstöße unternahm, den Kontrakt vorzeitig bis 2021 auszudehnen - der Trainer aber keinen Anlass sah, das Thema vertiefend zu behandeln.

Wie der "kicker" berichtet hat, will Rangnick unter allen Umständen eine Konstellation vermeiden, mit einem Fußballlehrer in die neue Saison zu gehen, der seine Zukunft außerhalb der Messestadt sieht. Ein Engagement beim FC Bayern entkräftete der ehemalige Bayern-Spieler mit dem Verweis, ihm fehle dafür ganz einfach die Erfahrung in der Königsklasse. Mit seiner Argumentation, sich in der Vertragsfrage bei einem entwicklungsfähigen Gebilde wie RB Leipzig zu zieren, setzt sich Hasenhüttl nun allerdings genauso unter Druck wie die Mannschaft: "Wir sollten abwarten, ob ich in der Lage bin,  eine Mannschaft mit dieser Belastung erfolgreich bis zum Saisonende zu trainieren."

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