Watzke: Genießer des Moments

BVB-Boss ist zu Gast im "aktuellen sportstudio"

Einen besseren Saisonverlauf als den, den Borussia Dortmund zur Zeit hinlegt, kann man sich als Vorstands-Boss eines Bundesligisten kaum wünschen. Deshalb genießt Hans-Joachim Watzke auch den Moment. Denn er hat beim BVB auch andere Zeiten erlebt.

Damals, vor sechs Jahren, als Watzke den mit 122 Millionen Euro hochverschuldeten Klub als Geschäftsführer übernahm, blickte er in eine ungewisse Zukunft. Der BVB taumelte am Rande der Insolvenz, aus dem ehemaligen Meister und Champions-League-Sieger war ein mittelmäßiger Durchschnittsverein geworden, bei dem sich die Trainer die Klinke in die Hand gaben.

Ganz nah am Abgrund


Heute sieht das anders aus. Der ehemalige Dortmunder Schatzmeister Watzke konsolidierte den Verein nach seiner Amtsübernahme im Februar 2006 und rettete die Borussia durch geschickte Umverteilung der Schulden vor dem Bankrott. Mittlerweile steht der BVB auf gesunden Füßen, wenngleich an große finanzielle Sprünge noch nicht zu denken ist. "Wir sind zwar nicht üppig ausgestattet, aber doch so, dass wir keine Probleme mehr haben. Mit dem Geld herumwerfen, das allerdings geht nicht", sagt Watzke.

Und das nicht ohne Grund. Seine Anfangszeiten beim BVB haben Watzke geprägt. "Ich habe so tief in den Abgrund hineingeschaut, das werde ich nie mehr vergessen. Als ich in Dortmund anfing, sagte ich: Irgendwann wollen wir nur wieder über Fussball reden und nicht darüber, wie wir Geld beschaffen können." Das ist ihm gelungen.

Der Titel winkt

Denn sportlich läuft es hervorragend bei den Schwarz-Gelben. Mit der Verpflichtung des damaligen Mainzer Kulttrainers Jürgen Klopp gelang Watzke ein wahrer Glücksgriff. Denn im dritten Jahr unter Klopp spielt Dortmund klasse Fußball, und beherrscht die Liga nach Belieben. Nur zwei Niederlagen in der Hinrunde (gegen Leverkusen und Frankfurt), souveräner Herbstmeister mit zehn Punkten Vorsprung - das spricht für Qualität und guten Fußball.

Da wundert es nicht, dass Fachleute und Fans den BVB auch am Ende der Saison ganz vorne sehen, mit der Meisterschale in der Hand. Doch davon wollen die Verantwortlichen um Klopp und Watzke noch nichts wissen. Im Fußball kann viel passieren, das weiß man auch in Dortmund. Und so tun die Schwarz-Gelben gut daran, nicht an die Meisterschale, sondern ausschließlich ans nächste Spiel zu denken, obwohl dies immer öfter schwerzufallen scheint angesichts des Solos, das die jungen Spieler von Klopp in der Liga hinlegen.

Genießen ist angesagt


Dass durch die Tabellensituation und die Art und Weise des Auftretens der Talente Sahin, Götze, Kagawa und Co. der Druck und die Erwartungshaltung an das Team zunimmt, steht für Watzke außer Frage. Dass die Mannschaft deshalb ein Problem bekommt, gar einbrechen könnte, befürchtet "Aki" nicht: "Druck hatten wir 2004 oder 2005, als es uns wirtschaftlich sehr schlecht ging. Die aktuelle Situation genießen wir", sagt Watzke.

Und das will er auch weiter tun, ob es nun mit dem Titel klappt oder nicht. Denn Watzke setzt auf Kontinuität. Und sein wichtigster Baustein ist Klopp. "Er ist der beste Trainer, den wir uns überhaupt wünschen konnten", schwärmt Watzke, der den Vertrag mit seinem Trainer erst kürzlich bis 2014 verlängerte. "Klopp ist eine Ausnahme, das weiß ich auch. Er hat einen Vertrag bis 2014, den wird er erfüllen", ist sich Watzke sicher.

Gute Bedingungen - hohe Attraktivität

Auch die Spieler sind mit langfristigen Verträgen ausgestattet. "Unsere Spieler haben gute Rahmenbedingungen. Wir bezahlen nicht mit Erdnüssen. Wir bieten ein Gesamtpaket, bestehend aus gegenseitigem Vertrauen und Respekt und aus der Tatsache, dass die Spieler bei uns Fortschritte machen können. Etwas Attraktiveres gibt es in Deutschland nicht", so Watzke.


Hört sich fast nach einem Fußball-Paradies auf Erden an. Was den BVB so attraktiv macht und was noch passieren könnte, um die Attraktivität zu steigern, wird der Geschäftsführer am Samstag ab 23 Uhr im Gespräch mit Katrin Müller-Hohenstein erläutern.

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