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Werner Schneyder gestorben

Der österreichische Kabarettist, Moderator und Autor Werner Schneyder ist tot. Schneyder war lange Zeit auch als Moderator des aktuellen sportstudios tätig. Er wurde 82 Jahre alt.

Werner Schneyder im Alter von 82 Jahren gestorben. Archivfoto
Werner Schneyder im Alter von 82 Jahren gestorben. Archivfoto
Quelle: imago 89774708

Als Sportmoderator hat sich Werner Schneyder besonders bei großen Profi-Boxwettkämpfen einen Namen gemacht. Er war auch als Punktrichter im Einsatz. "Werner Schneyder hat zu seiner Zeit das aktuelle sportstudio geprägt, mit seinem Sprachwitz und seiner Formulierungskunst. Seinen Boxkommentaren zu folgen, war ein reiner Genuss", sagt ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann.

In der Disziplin Kabarett war Werner Schneyder ein Urgestein. Jahrzehntelang hat er als Satiriker die Verhältnisse in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aufs Korn genommen. Mehr als 1.000 Auftritte auf den Bühnen in Österreich und Deutschland, eine legendäre Zusammenarbeit mit Dieter Hildebrandt bei der Münchner "Lach- & Schießgesellschaft" haben Schneyder bekannt gemacht.

Originell und tiefschürfend

Schneyder passte in keine Schublade - eine gute Voraussetzung für originelle und tiefschürfende Analysen. Er selbst sah sich politisch als vielfarbig. "Ich bin in einigen Punkten erzkonservativ, in anderen tief grün, flächendeckend liberal und sozialpolitisch sehr links", so Schneyder über Schneyder.

Werner Schneyder im Alter von 82 Jahren gestorben. Archivfoto
Werner Schneyder war in der Zeit nach 1975 Gastmoderator im aktuellen sporstudio und moderierte auch den satirischen Jahresrückblick der Sendung mit dem Titel "Das ausgefallene Sportstudio".
Quelle: 00-223014

Mit dieser Grundhaltung fand er in der Multi-Krisen-Welt viel Stoff für Bücher und Bühnenauftritte. 2016 stand er wie andere Künstler im Bundespräsidentenwahlkampf in Österreich auf der Seite des Grünen-nahen Alexander Van der Bellen. Den rechtspopulistischen FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer fand er schwer erträglich.

Dabei gehörte Schneyder zu den Intellektuellen mit starker Abneigung gegenüber dem Islam. "Der Islam gibt mir partout keine Auskunft darüber, was er von Selbstmordattentätern hält. Mir fehlt die Distanzierung islamischer Geistlicher zu den Motiven der Anschläge", sagte er in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur: "De jure ist er eine Religion, die die Weltherrschaft anstrebt." Die oftmals aus politischer Korrektheit gepflegte Toleranz gegenüber dieser Religion hielt er für falsch.

Vom Lokalsport zum Kabarett

Der gebürtige Grazer mit Doktortitel in Publizistik war zunächst Lokal-Sportreporter und Werbetexter. Wenig später arbeitete er in Salzburg als Theaterdramaturg und schrieb auch Theaterkritiken, bevor er wiederum die Seiten wechselte und selbst als Kabarettist auf der Bühne stand. Meist verfolgte er seine Interessen parallel, war gleichzeitig Autor und Kabarettist, Schauspieler und Aphoristiker oder Regisseur und Drehbuchautor. Zeitweise schrieb er Kolumnen im Männermagazin "Playboy". Rund 20 Bücher hat er verfasst.

Bekannt wurde Schneyder in Deutschland als kongenialer Partner von Kabarett-Legende Hildebrandt. Das erste gemeinsame Programm "Talk täglich" wurde 1974 in der Münchner "Lach- & Schießgesellschaft" ein Riesenerfolg. "Es war eine politische Seelenverwandtschaft", sagte Schneyder über die Jahre mit dem 2013 gestorbenen Künstler.

Faible für Musik und die Kunst

"Mir sind die Erfolge passiert", meinte er einmal zu den Weichenstellungen in seinem Leben.

Musik und die Kunst gehörten zu den Eckpfeilern in Schneyders Leben. Er sammelte voller Begeisterung Bilder und war ein großer Opernfan. Diese Musikgattung sah er allerdings bedroht.

Sein Verjüngungsrezept: Konsequentes Übersetzen der Texte in die jeweilige Sprache des Publikums. Nachdichtungen könnten viel besser sein als die italienischen, französischen, russischen Originale. Seine Lieblingsoper war Verdis "Falstaff": "Eine unfassbare Musik, ein grandioses Libretto, komponiert von einem 80-Jährigen", befand er in seinem Buch "Gespräch unter zwei Augen".

Anklage gegen ärztliche Kunst

Erschütternd war für Schneyder der Krebstod seiner ersten Frau Ilse. Deren Leidensweg erzählte er 2008 im Buch "Krebs. Eine Nacherzählung" auf drastische Weise. Das Buch geriet zur Anklage gegen die ärztliche Kunst. Die könne auch als Folter begriffen werden, meinte Schneyder.

Die weiche Seite des Satirikers kam zum Vorschein, wenn er bei seinen Auftritten zum Sänger wurde. Unter dem Titel "Das war's von mir" präsentierte er 2017 seine besten Kabarettnummern in aktualisierter Version und mit vielen Chansons. "In der zweiten Hälfte singe ich Liebeslieder. Das ist der andere Schneyder", so der Künstler damals zum Auftakt des Programms.

Quelle: dpa

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